Opel leidet unter Finanznot von GM
- Gernot Goppelt
Die Schwierigkeiten des amerikanischen Autobauers General Motors machen auch seiner deutschen Tochter Opel zu schaffen. Gestern baten Geschäftsführung und Betriebsrat des Rüsselsheimer Autobauers die Bundeskanzlerin laut einem Bericht der FAZ offiziell um Hilfe. Demnach forderte man Frau Merkel auf, sich für ein 40 Milliarden Euro umfassendes Kreditprogramm der Europäischen Investitionsbank für Europas Autoindustrie einzusetzen. Darüber hinaus solle es eine Verschrottungsprämie für Altautos geben sowie zinsgünstige Kredite zum Neuwagenkauf.
Laut Handelsblatt kann sich Opel ebenso wie andere Autohersteller dabei wenig Hoffnung machen. Ein Regierungssprecher habe darauf verwiesen, dass der beschlossene befristete Steuererlass für Neufahrzeuge bereits Anreize für alle Automobilklassen schaffe. Auch der SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wend habe zurückhaltend auf Opels Bitten reagiert, jedoch vor einem kategorischen „Nein“ gewarnt: „Wenn die Geschäftsführung und der Betriebsrat eines großen Automobilbauers sich an die Bundesregierung wenden, dann muss man zuhören. Denn in Deutschland hängt etwa jeder siebte Arbeitsplatz direkt oder indirekt von der Automobilindustrie ab.“
Derweil forderte auch der amerikanische Mutterkonzern GM in den USA staatliche Milliardenhilfen noch vor dem Regierungswechsel im Januar, berichtete die amerikanische Zeitschrift Automotive News. Demnach sagte GM-Chef Rick Wagoner, es sei jetzt Zeit „für eher zu viel als zu wenig Unterstützung“. GM selbst hatte demnach erst am vergangenen Freitag vor einer Pleite bis zur Jahresmitte 2009 gewarnt, wenn staatliche Hilfe ausbleiben sollte.
Die Zeit berichtete gestern, dass der GM-Mutterkonzern seiner Tochter Opel einen drastischen Sparkonzern auferlegt habe. Demnach verlangt GM, dass Opel nächstes Jahr 750 Millionen Euro einspart. Opel-Betriebsratsvorsitzender Klaus Franz kann sich den Forderungen natürlich nicht völlig entziehen, kritisiert aber, dass GM durch globale Verrechnung Verluste aus den USA nach Europa abschiebe. Seine Haltung dazu formuliert er klar: „Wir werden keinerlei Kompensation von Verlusten verhandeln, die nicht hier entstanden sind … wir werden keinen Cent generieren, damit GM weiterhin Cash verbrennt.“
Der Titel des Zeit-Berichts macht allerdings wenig Hoffnung auf eine allzu gute Verhandlungssituation: „Deutsche Bank sieht GM vor Bankrott“ hieß es darin ganz oben und: „Selbst wenn GM einen Bankrott mit Hilfe des Staats abwenden könne, dürfte den Aktionären dabei nichts übrig bleiben.“ Die Deutsche Bank änderte trotz des derzeit bereits niedrigen Kurses der GM-Aktie die Einstufung von „Hold“ auf „Sell“. In Anbetracht der ohnehin niedrigen Notierung von 2,24 Euro (Stand 11.11.2008) gibt diese Einschätzung sehr zu denken. (ggo)