Koalition wirft Kfz-SteuerplÀne wieder um

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Von
  • Gernot Goppelt

Nach ĂŒbereinstimmenden Medienberichten hat die Große Koalition ihre Kfz-SteuerplĂ€ne wieder umgeworfen. Kaum zu glauben: Nachdem die in der vergangenen Woche erfolgte Einigung bereits als Beschluss verkĂŒndet wurde, will man heute ĂŒber die Umsetzung der PlĂ€ne nochmals im Kabinett beraten, sagten gestern SPD-Fraktionschef Peter Struck und sein CDU-Kollege Volker Kauder. Man habe sich auf ein neues Modell verstĂ€ndigt, nach dem die beschlossene Steuererleichterung zunĂ€chst nur fĂŒr schadstoffarme Autos gelten soll, die im kommenden halben Jahr gekauft werden.

Nun könnte man meinen, die Befristung sei ein Versuch, die Konjunkturförderung auf das kommende halbe Jahr zu konzentrieren, doch weit gefehlt: Nach einem Bericht der FAZ kam aus der SPD Kritik an der ökologischen Lenkungswirkung des bisherigen Modells, zumal auch KĂ€ufer von Fahrzeugen profitierten, die viel Kraftstoff verbrauchen. Das war freilich vielen Außenstehenden auch schon vergangene Woche klar. Die Rechnung des SPD-Frakionsvizes Ulrich Kelber, dass ein Polo einmalig um 135 Euro und ein Audi Q7 V12 TDI um 1892 entlastet wĂŒrden, haben sie bereits in allerlei Varianten durchgespielt.

Die Kritik aus der Union richtete sich dagegen, dass Kaufanreizprogramme der Autoindustrie nur bedingt nĂŒtzen wĂŒrden. Der 1. Parlamentarische GeschĂ€ftsfĂŒhrer der CDU/CSU-Fraktion, Norbert Röttgen, findet demnach die Kfz-Steuerbefreiung unnötig und drohte mit dem Scheitern des gesamten Investitionspaketes: „Es kann keine Lösung geben ohne eine Lösung fĂŒr die Automobilindustrie.“

An heutigen Mittwochmorgen haben wir also gelernt, dass die Steuerbefreiung zwar kommen soll, aber nur, wenn man im nĂ€chsten halben Jahr ein Auto kauft. Selbst das ist allerdings nicht sicher, denn ein Gesetz oder eine Verordnung stehen nach wie vor aus und ĂŒberhaupt gĂ€be es ja viel bessere Lösungen. So findet der bereits zitierte Ulrich Kelber, dass AbwrackprĂ€mien und zinsgĂŒnstige Kredit der bessere Weg wĂ€ren, um Kaufanreize zu schaffen und fordert eine schnelle Entscheidung. Das entspricht ĂŒbrigens genau den Forderungen, die aus dem Hause Opel laut geworden waren, wo man angesichts finanziellen Forderungen der Mutter GM schlicht mehr Autos verkaufen muss. CSU-Politiker Peter Ramsauer wies diese Forderungen laut FAZ zurĂŒck: „Die Opelianer haben einen Knall“, findet er demnach und kann sich keine weiteren Hilfen fĂŒr die Automobilindustrie vorstellen.

Dabei steht Opel nicht einmal alleine da. Selbst Rupert Stadler, Chef der nach wie vor hocherfolgreichen VW-Tochter Audi, findet vergĂŒnstigte Autokredite und AbwrackprĂ€mien gut, wie er im Interview mit der FAZ sagte. Er greift zudem einen Gedanken auf, den mehrere europĂ€ische Autobauer bereits Anfang Oktober in den Raum gestellt hatten: Wenn Amerika seine Autoindustrie unterstĂŒtze, dann sei die EuropĂ€ische Union gut beraten, Vergleichbares zu tun, insbesondere um neue Umwelttechnologien und Antriebsformen im Auto zu fördern. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) will derweil (am Freitag) erst einmal mit dem Verband der Automobilindustrie (VDA) und großen Zulieferern in Schweinfurt ĂŒber die Krise beraten. Mal sehen, was es danach Neues zu berichten gibt. (ggo)