Jaguar Land Rover bittet britische Regierung um Milliarden-Kredit
- ssu
Der in Großbritannien ansässige Autohersteller Jaguar Land Rover (JLR) hat die Regierung des Landes eindringlich um einen Kredit in Höhe von 1 Milliarde Pfund (knapp 1,2 Milliarden Euro) gebeten. Dies berichtet die Times. Demzufolge soll die Laufzeit des Kredits zwei Jahre betragen. Bis dahin hofft JLR auf eine Wiederbelebung der Autokonjunktur. Schon zuvor hatten Jaguar und weitere Autohersteller die britische Regierung gedrängt, ihnen zum Beispiel durch Bürgschaften über Liquiditätsengpässe hinwegzuhelfen, die die Industrie infolge der Finanzkrise sehr kurzfristig treffen könnten.
Gestern hatte der JLR-Chef David Smith laut Guardian erklärt, dass Massenentlassungen in der britischen Autoindustrie im Bereich des Möglichen lägen und darauf hingewiesen, dass von der Krise weitere Jobs in der Zuliefererindustrie betroffen sein würden und dass in der Folge nachhaltiger Schaden für die Wirtschaft im Vereinigten Königreich drohe. Smith zufolge hängen von einem Arbeitsplatz bei einem Autohersteller vier bis fünf Jobs auf Zuliefererseite ab. Jaguar hatte bereits zuvor angekündigt, die Mitarbeiterzahl auf freiwilliger Basis um 600 zu reduzieren. Der Firmenchef wollte gegenüber der Zeitung einen weiterreichenden Abbau der derzeit rund 15.000 Mitarbeiter umfassenden JLR-Belegschaft nicht ausschließen.
Jaguar Land Rover war Ende März diesen Jahres von Tata Motors übernommen worden. Seinerzeit hatte der indische Autokonzern seine Absicht bekundet, die Standorte in Großbritannien für die Produktion sowie für Forschung und Entwicklung im Vereinigten Königreich zu belassen.
Ferner wurde heute bekannt, dass Aston Martin die bereits für einen 14-Tages-Zeitraum über Weihnachten und Neujahr angekündigte Produktionsunterbeechung bis zum 19. Januar 2009 verlängert. Als besonders gefährdet unter den britischen Automotive-Standorten gilt Vauxhall in Ellesmere Port, da die zu GM gehörende Marke – wie Opel in Deutschland – im Sog eines möglichen Konkurses der US-Mutter mit untergehen könnte. Die Rüsselsheimer hatten jüngst beim deutschen Fiskus um staatliche Bürgschaften gebeten, doch hat die Bundeskanzlerin die Entscheidung über mögliche Hilfen bis Weihnachten vertagt.
Der Times zufolge sind auch die britischen Werke der japanischen Autokonzerne von der Absatzkrise betroffen: Demnach wird Honda die Fertigung in Swindon während des Februar und März 2009 unterbrechen, und Toyota plant, seine Belegschaft auf der Insel auf rund 3000 zu halbieren.
Ein erster Silberstreif am Horizont erscheint – für die Autohersteller wie die übrigen Hersteller von Konsumgütern – in Gestalt der Ankündigung des britischen Finanzminsters, die Mehrwertsteuer für die Dauer von einem Jahr von derzeit 17,5 Prozent auf 15 Prozent zu senken. (ssu)