Volvo und Saab wollen Staatshilfe

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Von
  • Gernot Goppelt

Die Financial Times berichtet, dass GM und Ford bei der schwedischen Regierung vorstellig geworden sind, um sie um finanzielle Unterstützung zu bitten. Nach Meinung der Zeitung wollen beide Konzerne auf diesem Wege die Finanzen der Töchter Saab (GM) und Volvo (Ford) stärken, weil die eigenen Gelder kaum zum Überleben der US-Mutterunternehmen reichen. Volvo-Chef Stephen Odell und Saab-Geschäftsführer Jan-Ake-Honsson hätten demnach unabhängig voneinander mit der schwedischen Wirtschaftsministerin Maud Olofsson und weiteren Staatsvertretern darüber gesprochen, wie sich die Geldmittel von Saab und Volvo absichern lassen.

Nachdem die US-Autobauer Mitte November beim US-Senat mit ihrem Bitten um Milliardenhilfen abgeblitzt waren, müssen sie nun überzeugendere Pläne vorlegen, um doch noch die erhoffte 25-Milliarden-Dollar-Hilfe zu erhalten. Dazu gehört laut Bericht offenbar auch die Zusicherung, dass von diesen Geldern nichts in ausländische Unternehmen abfließt, sondern ausschließlich in den USA eingesetzt wird. Schwedens Regierung erwäge nun, Saab und Volvo direkte Hilfe oder eine Kreditabsicherung in Höhe von etwa 248 Millionen Dollar zu gewähren, sagt der Analyst Matts Carlsson, die Diskussion sei aber offen. In Deutschland erwägt die Bundesregierung, der GM-Tochter Opel eine Bürgschaft in Höhe von einer Milliarde Euro zu gewähren, Jaguar Land Rover bat die britische Regierung letzte Woche um einen Kredit in Höhe von 1 Milliarde Pfund.

Die Rechtsvertreter der Big Three werden im Laufe dieser Woche einen weiteren Versuch unternehmen, weitere Finanzhilfe von der US-Regierung zu bekommen. Diesmal wollen sie nach einem Bericht der New York Times jedoch mit unterschiedlichen Strategien antreten. So werde GM voraussichtlich eine deutliche Verkleinerung der Unternehmens anbieten, einschließlich der Schließung weiterer Werke und einer Straffung des auswuchernden Markenportfolios. Ford werde dagegen keinen weiteren Abbau vorschlagen, da seine Finanzsituation günstiger sei und es bei der Einführung spritsparender Fahrzeuge weiter fortgeschritten sei als GM und Chrysler. Für Chrysler sei die Situation am schwierigsten, das Unternehmen werde angesichts leerer Kassen dem Kongress wohl vortragen, dass nur ein Zusammenschluss oder eine Allianz mit einem anderen Autobauer helfen werde. Alle bisherigen Versuche in diese Richtung waren wenig erfolgreich.

Saab und Volvo geht es auf den ersten Blick besser. Während Chrysler weder in der Technik noch beim Image viel zu bieten hat, haben die schwedischen Autobauer vor allem bei Sicherheit, Design und Image nach wie vor einen guten Ruf. Sie beide bedienen sich aber weitgehend der Plattformen und Antriebe aus dem Konzernumfeld, also Ford und Opel, sind von deren Wohlergehen abhängig. Zudem stellt sich bei Saab und Volvo dieselbe Frage, wie sie auch bei Opel aufkommen könnte: Wer kann diese Marken gebrauchen? Alle rein europäischen Hersteller stehen vor einer gemeinsamen Herausforderung: Angesichts der trotz Wirtschaftskrise nach wie vor im Raum stehenden Forderungen nach Flotten-Emissionen von 120 g/km hilft „Premium-Anbietern“ wie BMW und Mercedes allenfalls Fremd-Know-how im Kleinwagenbereich, Unternehmen wie Renault oder PSA können dagegen kein Interesse daran haben, ihre gute Ausgangsposition aufs Spiel zu setzen. Volkswagen braucht keine hausinterne Konkurrenz zu Audi und Fiat hat mit Lancia und Alfa Romeo eigentlich genug zu tun. (ggo)