GM findet keinen Käufer für Saab
- Gernot Goppelt
Nach einem Bericht von Automotive News Europe findet General Motors keine Käufer für die schwedische Tochter Saab. Damit wird Saab zum zweiten Klotz am Bein neben Hummer. Auch für die Geländewagenmarke konnte GM bisher keinen Interessenten begeistern, wobei die Gründe aus Sicht potenzieller Kunden sehr unterschiedlich sein dürften. Denn Hummer steht geradezu prototypisch für spritfressende Geländewagen, die auch in den USA nicht mehr gut ankommen – ein Vorwurf, den man Saab nicht machen kann. Saab bedient sich zeitgemäßer Technik, die in großen Teilen bei Opel entwickelt wird.
Im Dezember hatte Schwedens Regierung noch Kreditzusagen für Saab und Volvo gemacht, nachdem Vertreter der jeweiligen Mutterunternehmen GM und Ford vorstellig geworden waren. Doch beide schwedische Autobauer befinden sich in einer ganz ähnlichen Klemme: Sie wollen zumindest in Europa mit Audi, BMW und Mercedes konkurrieren – beim Preis ebenso wie beim Image – ohne aber deren Stückzahlen und Niveau zu erreichen. Ein stabiles Image in elitären Nischen zu haben, reicht aber nicht mehr aus.
Es stellt sich also die Frage, wer an den schwedischen Marken Interesse haben könnte. „Premiumhersteller“ zählen wohl nicht dazu, zumal Saab oder Volvo nicht einmal dabei helfen können, den Flottenverbrauch zu senken – ihr Portfolio umfasst keine Kleinwagen und Saab bietet nicht einmal Autos der Kompaktklasse. Andererseits interessieren sich Großserienhersteller, die auch im Segment sparsamer Kleinwagen stark aufgestellt sind, eher für eine Zusammenarbeit mit BMW oder Mercedes-Benz, weil diese eine hohe Entwicklungstiefe haben und so beide Seiten profitieren könnten. Audi ist bei diesem Spiel ohnehin aus dem Schneider, weil es Teil des Volkswagen/Porsche-Konzerns ist, der fast das gesamte Spektrum vom Kleinstwagen bis zur Edelkarosse abdeckt.
Saab konnte 2008 in Europa 66.582 Autos verkaufen, ein Minus von 21,9 Prozent im Vergleich zu 2007. Das macht sich nicht gut als Mitgift. Zum Vergleich: General Motors musste zwar insgesamt ein Minus von 6,5 Prozent für Europa vermelden, doch 1,46 Millionen Opel/Vauxhall-Fahrzeuge sind ganz andere Dimensionen. Eigentlich wäre Saab eine schöne Ergänzung für Opel, doch dafür müsste man Entwicklung und Produktion wohl komplett nach Rüsselsheim holen – oder eben doch noch einen Käufer finden. (ggo)