Neuer GM-Chef Fritz Henderson zieht Insolvenz in Betracht

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Von
  • Gernot Goppelt

Der neue GM-Chef Fritz Henderson scheint die Öffentlichkeit auf eine Insolvenz einstimmen zu wollen. Vor Journalisten sagte er gestern, man werde alles tun, um GM „als profitables und erfolgreiches Unternehmen neu zu erfinden“. Das Management werde seinen Job machen, „entweder außerhalb eines Gerichts oder davor“. Die US-Regierung hatte Rick Wagoner Ende letzter Woche zum Rückzug gezwungen und dem Autobauer eine letzte Gnadenfrist von 60 Tagen gegeben, um einen tragfähigen Sanierungsplan vorzulegen.

Wenn Fritz Henderson GM neu erfinden will, heißt das wohl, dass der Autobauer in seiner bisherigen Form nicht mehr bestehen bleibt. Das vermutet auch die New York Times: Es könnte demnach das Ziel der Regierung sein, eine „kontrollierte“ Insolvenz anzusteuern. Das könnte zum Beispiel so aussehen, dass die Regierung die wertvolleren Marken wie Cadillac und Chevrolet nach einem Bankrott selbst aufkauft und schlechtere Teile wie Hummer und Saturn im GM-Konzern belässt – das erinnert ein wenig an das Konzept der Bad Banks oder die alte deutsche Redensart „die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen“.

Mit anderen Worten: Unter staatlicher Kontrolle würde ein neues Unternehmen (unter neuem Namen) entstehen, der unbrauchbare Rest würde liquidiert. Nach Ansicht von Marktbeobachtern hat es eine Insolvenzabwicklung in diesem Ausmaß noch nie gegeben. Am ehesten wäre der Vorgang noch mit dem Konkurs von Fluglinien wie den Continental Airlines zu vergleichen, die 1986 in ein Insolvenzverfahren nach Chapter 11 überführt wurden. Es gebe aber einen wesentlichen Unterschied, meint die New York Times: Am Bedarf von Flugverkehr habe es damals keine Zweifel gegeben – den Bedarf nach amerikanischen Autos würden Branchenkritiker aber heutzutage durchaus in Frage stellen. Außerdem stelle sich die Frage, ob allein Kostensenkungen zu brauchbaren Produkten führen.

Es wird nicht genügen, die Unternehmensstruktur neu zu erfinden, es bleibt die Herausforderung, wieder konkurrenzfähige Produkte zu bauen. Wenn die Regierung die scheinbar „guten“ Teile übernimmt, ist die Frage der technischen Konkurrenzfähigkeit längst noch nicht gelöst. Immerhin wird es unter der Knute der Insolvenzverwalter einfacher, die Kosten zu senken, das ist allemal besser, als unkontrolliert Milliarden zu versenken. (ggo)