Opel nach Magna-Einstieg vor hartem Sanierungskurs
- Gernot Goppelt
Nach der Einigung mit dem Zulieferer Magna steht Opel nach Betriebsratsangaben vor einem „harten Sanierungsweg, der Arbeitsplätze kosten wird“. Zwar sei das österreichisch-kanadische Unternehmen immer der Wunschkandidat gewesen. Dennoch werde Opel mit Magna „kein Land, in dem Milch und Honig fließt“, sagte Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz am Dienstag im ZDF-Morgenmagazin. Bei einer Zusammenarbeit mit Fiat wäre Opel allerdings wegen weltweiter Überkapazitäten in eine dramatische Lage gekommen, betonte Franz: „Ein betriebswirtschaftlich absolutes Harakiri-Unternehmen wäre das gewesen.“
Franz erwartet nach dem Zuschlag für Magna schwierige Verhandlungen. Man wolle aber versuchen, die Einsparungen „sozialverträglich“ hinzubekommen. Oberstes Gebot sei dabei ein europäisches Geschäftsmodell. Eine rein deutsche Lösung sei nicht angedacht. In dem am Pfingstwochenende vorgelegten überarbeiteten Konzept von Magna gibt es keine verbindlichen Absprachen zum Jobabbau bei Opel. Aus Regierungskreisen hieß es aber, Magna spreche von einem Abbau von 11.000 der etwas mehr als 50.000 Arbeitsplätze bei General Motors Europe (einschließlich Vauxhall, ohne Saab). In Deutschland arbeiten derzeit etwa 25.000 Mitarbeiter in vier Opel-Werken, etwa 16.000 in Rüsselsheim, 5300 in Bochum, 2300 in Kaiserslautern und 1800 in Eisenach.
Ob der Jobbaubau mit der Schließung von Standorten verbunden ist, ist unklar. Im Ausland, so etwa an den britischen Vauxhall-Standorten Luton und Ellesmere Port, macht man sich große Sorgen, da die Opel-Frage in der öffentlichen Diskussion bisher stark auf Deutschland zentriert schien. Doch das könnte sich noch ändern, denn bisher hat die deutsche Regierung ihre Pläne zur Rettung von Opel noch nicht einmal in Brüssel vorgelegt. Die EU-Kommission wacht darüber, dass staatliche Hilfen nicht den freien Wettbewerb in der Union verzerren. EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes hatte am vergangenen Freitag an einem Treffen von Industrie- und Wirtschaftsministern von EU-Ländern zur Opel- und General-Motors-Krise teilgenommen. Kroes pocht darauf, dass die früheren General-Motors-Töchter auf längere Sicht ohne öffentliche Gelder lebensfähig sein müssen. Die EU-Kommission muss die Staatshilfe für Opel genehmigen und kann Auflagen zum Kapazitätsabbau verhängen – was sie entscheidet, kann aus Wettbewerbsgründen auch auf die Schließung deutscher Standorte hinauslaufen.
Die französische Wirtschaftsministerin Lagarde hat laut Finacial Times die EU-Kommission bereits zu harten Einschnitten bei Opel aufgefordert. Das zeigt, dass die EU-Partner nicht bereit sind, für die Rettung des Autobauers Wettbewerbsverzerrungen für andere Hersteller zu akzeptieren. Bevor sich Brüssel nicht äußert, bleibt deswegen offen, ob die gefeierte Einigung mit Magna endgültig ist. (Mit Material der dpa). (ggo)