Opel-Rettung: Ernüchterung durch das Kleingedruckte

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Von
  • Gernot Goppelt

Zum Pfingstfest herrschte noch Jubel und Erleichterung über die in letzter Minute erreichte Opel-Rettung. Wenige Tage später sorgt das Kleingedruckte der vorläufigen Übernahmevereinbarung mit dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna bei den Opelanern für etwas Ernüchterung. Denn scheibchenweise werden die Haken an dem neuen Geschäftsmodell bekannt. Jüngstes Beispiel: Opel darf auch künftig seine Autos nicht in den USA und China verkaufen. Die ungeliebte Ex-Mutter General Motors (GM) hat einen Riegel vor diese wichtigen Märkte geschoben. Völlig aus heiterem Himmel kommt die Offenbarung von Magna-Chef Frank Stronach nicht. Wer konnte schon erwarten, dass GM Opel als ernsthaften Konkurrenten auf seinem Heimatmarkt akzeptieren würde? Auch mit einem Anteil von „nur“ 35 Prozent an Opel werden die Amerikaner die Deutschen nicht komplett von der Leine lassen, wie Branchenbeobachter sagen.

Magna steht bei dem Opel-Einstieg vor einem heiklen Balanceakt: GM ist der größte Kunde des Zulieferers. Wird Magna nun mit Opel selbst zum Hersteller, macht das Unternehmen womöglich GM Konkurrenz. Genau das soll die Abgrenzung der Märkte vermeiden. Bislang fertigte Magna komplette Autos nur als Dienstleister im Auftrag von Herstellern wie BMW. Mit Argusaugen beobachten viele Autobauer Magnas neue Doppelrolle als Zulieferer und Konkurrent. Auch darum will das Unternehmen bei Opel lieber mit einem Minderheitsanteil einstiegen und russische Partner mit an Bord holen. Opel-Betriebsratschef Franz erwartet allerdings, dass die Sberbank als Finanz-Spezialist nicht aktiv ins Autogeschäft einsteigen und ihre Stimmrechte aus einem geplanten Anteil von 35 Prozent an Magna übertragen wird. Mit den eigenen 20 Prozent hätte Magna dann letztlich doch die Mehrheit an Opel.

Der neue Autobauer Opel/Vauxhall soll seinen Sitz am Opel-Stammsitz Rüsselsheim haben. Franz rechnet in Kürze mit der Schließung der GM-Europazentrale in Zürich. Das Unternehmen soll nach den Vorstellungen des Betriebsrats eine Aktiengesellschaft nach deutschem Recht werden – mit allen Mitspracherechten der Arbeitnehmer. Zwar könne die Gesellschaft als europäische SE firmieren. Aber einen „Rumpf-Aufsichtsrat“ mit acht statt 20 Vertretern will er „niemals akzeptieren“. (dpa) (ggo)