Guttenberg: Opel-Übernahme durch Magna kann noch scheitern

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Von
  • ssu

Die Bundesregierung spricht trotz des vereinbarten Opel-Rettungspakets noch mit weiteren möglichen Investoren. Die Verhandlungen zwischen dem Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) und dem kanadisch-österreichischen Zulieferer Magna könnten noch scheitern, sagte Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) am 11. Juni in Berlin. Für diesen Fall halte man Kontakte zu weiteren Interessenten. Darunter seien auch solche, die bislang nicht öffentlich bekannt seien.

Die Übernahmegespräche liefen aber momentan "exklusiv" zwischen GM und Magna, bekräftigte Guttenberg. Magna hatte vor rund zwei Wochen eine unverbindliche Absichtserklärung zum Einstieg bei Opel unterschrieben. Für die Zeit der Verhandlungen stellt Deutschland einen staatlichen Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro bereit. Auch der US-Finanzierer Ripplewood, der chinesische Autobauer BAIC und der italienische Fiat-Konzern hatten sich zuletzt für Opel interessiert.

Magna stünde mit einem Opel-Einstieg vor einem heiklen Balanceakt: GM ist der größte Kunde des Zulieferers. Würde Magna nun mit Opel selbst zum Hersteller, machte das Unternehmen womöglich GM Konkurrenz. Nachdem Anfang Juni der Einstieg von Magna als beschlossene Sache erschien, machte sich kurze Zeit später erste Ernüchterung breit, als scheibchenweise Details des beabsichtigten Deals bekannt wurden.

Unterdessen berichtete die Zeitung Die Welt unter Berufung auf auf einen vorläufigen Magna-Geschäftsplan, dass der Zulieferer bei GM Europe 11.600 Arbeitsplätze und somit mehr als bislang bekannt abbauen wolle. Guttenberg sagte, er kenne nur die Angaben, die von einem Abbau von 10.000 bis 11.000 Stellen in Europa ausgingen. Die neue Opel-Gesellschaft, in die größtenteils das GM-Europageschäft einfließt, beschäftigt 55 000 Mitarbeiter. In Großbritannien gehört Vauxhall dazu.

Der britische Wirtschaftsminister Peter Mandelson sagte am 11. Juni nach einem Gespräch mit Guttenberg, Großbritannien wolle die Rettungsbemühungen für die europäischen Unternehmensteile von GM finanziell unterstützten. "Die britische Regierung ist bereit, ihren Beitrag zu leisten", sagte er. Voraussetzung sei, dass es eine langfristige Perspektive für GM Europe als Ganzes gebe. Bei der Gewährung von Staatshilfen dürfe es zudem keine Alleingänge geben.

Die Hilfen müssten im Einklang mit den anderen europäischen Ländern und den Vorgaben der EU-Kommission stehen, sagte der Brite. Ziel müsse sein, einen europaweiten Autohersteller zu formen, der im weltweiten Wettbewerb bestehen könne. Guttenberg betonte, es sei Deutschland nie nur um die deutschen GM-Fabriken gegangen. In die Gespräche seien immer auch die anderen europäischen GM-Standorte einbezogen worden. (dpa) / (ssu)