Biokraftstoffverband räumt verdeckte PR-Aktivitäten ein
- ssu
Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) hat eingeräumt, verdeckte Public-Relations- (PR)-Aktivitäten veranlasst zu haben. Ein Anfang 2008 geschlossener Vertrag mit einer Agentur sei aber Mitte 2008 vorzeitig wieder beendet worden, sagte ein VDB-Sprecher am 10. Juli auf Anfrage der dpa in Berlin und bestätigte Informationen des Kölner Vereins Lobbycontrol. Die Zusammenarbeit sei gestoppt worden, weil man mit den Methoden nicht einverstanden gewesen sei.
Laut Lobbycontrol wurden zum Beispiel Leserbriefe und Gastbeiträge in Tageszeitungen und Internetportalen platziert, die sich gegen negative Beurteilungen über Biosprit in der Öffentlichkeit wandten. Zu den Maßnahmen habe auch eine Meinungsumfrage gehört. Die Herstellung von Biosprit der "1. Generation" war in der Vergangenheit zunehmend in die Kritik geraten, da für den Anbau der Ausgangsprodukte ökologisch wertvolle Flächen gerodet würden beziehungsweise die Konkurrenz zwischen "Tank und Teller" zu einem Anstieg der Lebensmittelpreise führe. Gegen seinen Einsatz hatten sich jüngst zwei deutsche Nobelpreisträger ausgesprochen.
Andererseits ist die Biokraftstoffbranche inzwischen zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor vor allem in Mecklenburg-Vorpommern geworden. Das Agrarland hatte im Juni zwar zunächst einen Etappensieg erringen können, als es im Bundesrat einen Gesetzentwurf blockierte, der die Senkung des Biospritf-Anteils bei der Beimischung zu fossilem Sprit von 6,25 auf 5,25 Prozent vorsah, doch wurde das "Gesetz zur Änderung der Förderung von Biokraftstoffen" später mit den Stimmen der Großen Koalition im Bundestag verabschiedet.
An der Umsetzung der versteckten PR sei die "Denkfabrik" Berlinpolis beteiligt gewesen, hieß es beim VDB. Laut Lobbycontrol wurde der Vertrag mit der Agentur EPPA geschlossen. Die beiden Organisationen standen dem Verein zufolge auch in Zusammenhang mit Aktivitäten für die Deutsche Bahn. Der bundeseigene Konzern hatte im Mai bestätigt, 2007 für rund 1,3 Millionen Euro verdeckte PR-Aktionen in Auftrag gegeben zu haben. Es ging darum, im Tarifstreit mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und in der Diskussion um einen Bahn-Börsengang Stimmung zu machen. Als Konsequenz hatte der neue Bahnchef Rüdiger Grube den Konzern-Generalbevollmächtigten für Marketing und Kommunikation entlassen. (dpa) / (ssu)