Neue elektronische Karte zeigt Binnenschiffen den Weg

Die "Advanced River Navigation", ein Kombination aus Computer, Radargerät und Satellitenortung, soll Binnenschiffern auch bei Nacht und Nebel eine sichere Fahrt ermöglichen.

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Von
  • Jens Albes
  • dpa

Die schöne Zauberin Loreley lockte früher der Sage nach im engen Mittelrheintal fremde Schiffe gegen die Felsen. Heute gibt es zwar modernes Radar – doch auch damit hat die Orientierung ihre Tücken. Manchmal ist das Radarbild schwer zu interpretieren, manchmal meldet es Hindernisse, wo gar keine sind. Gut lachen hat dagegen der Schiffsführer Werner Hillesheim: Auf der Mainz, dem Schiff der Bundesregierung für Staatsgäste, schaut er auf ein Radarbild, das von einer neuen elektronischen Flusskarte überlagert wird. Ufer, Fahrrinne, andere Schiffe, Brücken und Bojen – all dies zeigt sein Bildschirm stets exakt an. So hat der Schiffsführer auch bei Nacht und Nebel alles gut im Blick.

Die Mainzund zwölf Binnenfrachtschiffe testen noch bis Jahresende in Absprache mit der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes dieses neue System namens ARGO. "Wir sind sehr zufrieden damit", sagt Hillesheim. Auf dem Flachbildschirm in seinem Steuerstand ist die Fahrrinne weiß, das Ufer blau und das Umland braun. Gelbe Pfeile zeigen, in welche Richtung andere Schiffe fahren. "Die brauche ich nur anzuklicken, dann sehe ich auch ihre Geschwindigkeit", ergänzt der Schiffsführer der Mainz, deren Heimathafen Bingen am Rhein ist.

Die exakten Positionen von Schiffen zeigt ARGO mit Hilfe von Satellitenortung an. Egal wohin die Reise geht – auf dem Bildschirm wandert die nähere Umgebung immer mit. Der Clou des Systems: Auf manchen Strecken wie etwa dem Mittelrhein zwischen Budenheim und Lorch können die Schiffsführer sogar mitlaufende Tiefenlinien sehen, die stets die jeweiligen Wassertiefen zeigen. "Die Peilungen für die Erstellung dieser elektronischen Tiefenkarten sind aber sehr aufwendig", erklärt Claudia Oberheim, die in der Wasser- und Schifffahrtsdirektion (WSD) Südwest in Mainz für ARGO verantwortlich ist. Daher würden diese Karten nur für einige Strecken mit besonders geringer Fahrrinnentiefe entwickelt.

Für die anderen Abschnitte der deutschen Wasserstraßen erstellt die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung elektronische Karten ohne Tiefenlinien. Diese werden auch schon außerhalb des Probebetriebs von anderen Binnenschiffen verwendet. Einzelne Tiefenangaben sollen später allerdings auch in diese Karten eingearbeitet werden. Dann könnten Schiffsführer die nutzbaren Wasserstände im Voraus berechnen, ihr Frachtschiff besser auslasten und somit mehr Gewinn erzielen. Einmal im Jahr sollen die elektronischen Karten aktualisiert werden.

ARGO steht für den englischen Ausdruck "Advanced River Navigation" und wurde vor wenigen Jahren von einer Forschergruppe der Universität Stuttgart entwickelt. Mittlerweile ging daraus die Firma Innovative Navigation GmbH mit Sitz im nahen Kornwestheim hervor. Diese hat nach eigenen Angaben bislang rund 50 ARGO-Systeme ohne Tiefenlinien auf dem freien Markt verkauft. Jede dieser Mischungen aus Computer, Radargerät und Satellitenortung kostet rund 27.000 Mark (13.800 Euro). Die ARGO-Systeme mit Tiefenlinien hingegen sind bislang nur auf den Schiffen des Probebetriebs installiert. Auch andere europäische Staaten arbeiten an elektronischen Karten für die Binnenschifffahrt. Bis Ende 2002 sollen sie für die wichtigsten Wasserstraßen des Kontinents flächendeckend fertig gestellt sein. (Jens Albes, dpa) / (wst)