Facebook sperrt in den USA Konten der rechtsextremen Boogaloo-Bewegung

Ein Werbeboykott setzt Facebook unter Druck. Werbekunden fordern Durchgreifen gegen Hassbotschaften. Nun geht Facebook in den USA gegen Rechtsextreme vor.

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Facebook sperrt in den USA Konten einer rechtsextremen Gruppe

(Bild: sebastianosecondi / Shutterstock.com)

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Facebook hat auf seinen Plattformen rund 320 Konten, mehr als 100 Gruppen und 28 Seiten eines in den USA nach Gewalt strebenden rechtsextremen Netzwerks gesperrt. Die regierungsfeindliche Gruppe werde ab sofort als "gefährliche Organisation" eingestuft und von allen Plattformen verbannt, teilte Facebook am Dienstag (Ortszeit) mit. Auch Posts, die Unterstützung für die Organisation äußerten, würden künftig gelöscht, hieß es.

Facebook war zuletzt – auch durch einen Werbeboykott – unter Druck geraten, härter gegen hasserfüllte und rassistische Inhalte vorzugehen.

Bei dem Netzwerk handelt es sich demnach um Gruppen, die sich lose an der rechtsextremen Boogaloo-Bewegung anlehnen und mitunter auch deren Namen nutzen. "Es bemüht sich aktiv darum, für Gewalt gegen Zivilpersonen, Sicherheitskräfte, Beamte und Regierungsinstitutionen zu werben", erklärte Facebook. Daher seien 220 Facebook-Accounts und 95 Konten bei Instagram gelöscht worden.

Zudem seien 400 weitere Gruppen und 100 Seiten gelöscht worden, die auch gegen Facebooks Richtlinien verstießen und ähnliche Inhalte wie das rechtsextreme Netzwerk verbreitet hätten. Boogaloo-Inhalte, in denen zu Gewalt aufgerufen werde, würden immer gelöscht, erklärte Facebook. Dies sei auch schon in der Vergangenheit geschehen, aber punktueller passiert.

Das Unternehmen sei sich darüber bewusst, dass Individuen dieser Gruppen erneut versuchen werden, sich auf der Plattform auszubreiten. Mitglieder würden hierfür andere Terminologien und Symbole erarbeiten, die das soziale Netzwerk aber im Auge behalten möchte, um gewaltbereite Individuen und Gruppen erkennen zu können. Facebook erklärte: "So lange es in der physischen Welt nach Gewalt strebende Bewegungen gibt, werden sie auch versuchen, digitale Plattformen auszunutzen."

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Besonders nach dem gewaltsamen Tod des schwarzen US-Amerikaners George Floyd Ende Mai in Minneapolis war Facebook wegen seines von vielen als zögerlich empfundenen Umgangs mit problematischen Inhalten zuletzt immer mehr in die Defensive geraten, da Netzwerke wie Twitter oder Snapchat sich deutlicher positionierten.

Bei Twitter wurden etwa gewaltverherrlichende Tweets des US-Präsidenten als solche markiert. Snapchat entfernte Postings von Donald Trump aus dem "Discover"-Bereich. Das Unternehmen wolle "kein Verstärker für Stimmen sein, die rassistische Gewalt und Ungerechtigkeit anfachen, indem wir ihnen kostenlose Werbung bei Discover geben".

Am Montag hatte die Online-Plattform Reddit neue Schritte zur Bekämpfung von Hassbotschaften und Gewaltverherrlichung bekanntgegeben und dabei auch eine bei vielen Trump-Unterstützern beliebte Gruppe ("The_Donald") geschlossen. Zunächst wurden rund 2000 Gruppen gesperrt. Auch die Streamingplattform Twitch sperrte einen Account von Trumps Wahlkampfteam.

Zahlreiche Firmen – darunter bekannte Namen wie Coca-Cola, Unilever, Starbucks und Honda – kündigten in der vergangenen Woche an, ihre Werbung bei Facebook infolge der Debatte um Hassbotschaften bis auf weiteres auszusetzen. Sie hatten sich der Initiative #StopHateForProfit angeschlossen.

Um seinen Kurs zu verteidigen, zog sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg bisher auf das Recht der Meinungsfreiheit zurück – auch unter Protesten seiner Belegschaft – zuletzt kündigte er aber an, mehr gegen Hassbotschaften tun zu wollen. Kritiker wenden ein, dass Facebook trotz der jüngsten Maßnahmen in den USA beim Kampf gegen Hassbotschaften und Extremismus weltweit noch viel Arbeit vor sich habe.

(kbe)