Flughäfen in Amsterdam und Oakland setzen auf Biometrie

Der Internationale Flughafen von Amsterdam ist der erste europäische Großflughafen, der anhand eines Iris-Erkennungssystems Passagiere eindeutig identifizieren will, um die Abfertigung zu beschleunigen und sicherer zu machen.

vorlesen Druckansicht 52 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Andreas Grote

Der Internationale Flughafen von Amsterdam ist der erste europäische Großflughafen, der anhand eines Iris-Erkennungssystems Passagiere eindeutig identifizieren will, um die Abfertigung zu beschleunigen und sicherer zu machen. Das berichtet die New York Times in ihrer aktuellen Ausgabe. Das System wurde bereits ein Jahr vor den Terroranschlägen in den USA mit 200 Angestellten des Flughafens getestet. Das jetzt offiziell eingeführte System gestattet Passagieren mit einer speziellen Iris-Card ohne Passkontrolle und vorbei an langen Schlangen das Flugzeug zu betreten.

Hierzu führt der Passagier seine Iris-Card in den Automaten ein und schaut in eine Videokamera, die seine Iris einscannt. "Das ist harmlos und effizient zugleich, denn die Iris liefert mehr eindeutige Informationen als jedes andere Körperteil" erklärt Ruud Weever vom Flughafen Amsterdam.

Untersuchungen haben ergeben, dass sich nicht nur die Iris des linken und rechten Auges unterscheiden, sondern dass auch eineiige Zwillinge unterschiedliche Iris´ besitzen. Beim Einscannen unterscheidet der Computer 250 (Fingerabdruck: 40 Parameter) charakteristische Merkmale und wandelt diese in einen digitalen Code um. Stimmen die Daten der eingescannten Iris mit denen auf der Card überein, darf der Passagier passieren. Der ganze Vorgang dauert etwa 10 Sekunden. Die Daten werden auch Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht in einer Datenbank gespeichert.

Die niederländische Regierung will in zwei Jahren Iris-Scans auf dem Personalausweis einführen, so dass dann die Erkennungsautomaten an Flughäfen ausgebaut werden könnten. Zur Zeit wird die Iris-Card nur für häufig Reisende aus Europa angeboten. Für 90 US-Dollar erhalten Sie die vier Jahre gültige Iris-Card zusammen mit anderen Privilegien wie schnellere Kontrolle des Handgepäcks und beschleunigtem Check-In. In einem Jahr sollen dann auch Passagiere außerhalb Europas in den Genuss der Iris-Card kommen. ähnliche Tests wurden bereits an den Flughäfen von Frankfurt am Main und London Heathrow durchgeführt, unter anderem, um Flugpersonal und Flughafenangestellte in Hochsicherheitsbereichen zu identifizieren. Für Fluggäste von British Airways und Virgrin Atlantic Airways will auch Heathrow eine Iris-Card ab Dezember für Passagiere aus Nordamerika anbieten.

In den USA setzen Flughafenbetreiber hingegen eher auf die automatisierte Gesichtserkennung. Am Flughafen von Oakland wird das System in Verhörräumen eingesetzt, um dort festgenommene Verdächtige schnell mit einer Verbrecher-Datenbank abzugleichen. Darauf spezialisierte Programme wie die Software FaceIt der US-Firma Visionics erfassen 80 charakteristische Punkte des Gesichtes und wandeln diese in einen komprimierten digitalen Code von nur 84 Bytes um, der sich schnell mit Daten in einer Datenbank vergleichen lässt. Andere US-Flughäfen sollen hingegen in den nächsten Wochen nach dem Vorbild des auf dem Kevlavik International Airport von Island installierten Systems mit Videokameras ausgerüstet werden, die bereits Passagiere an den Terminals erkennen sollen. Amerikanische Casinos nutzen solche System schon länger, um bekannte Falschspieler zu identifizieren. (Andreas Grote) / (wst)