Die Insta-Stroy im kleinteiligen Detail

Die Journalistin Sarah Frier hat die Geschichte von Instagram aufgeschrieben. Sie gibt damit nicht nur einen Einblick in die Foto-App, sondern auch in die Szene der Social-Media-Strategen des Silicon Valley.

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Welches war das erste auf Instagram gepostete Bild? Na, erinnern Sie sich? Instagram-Gründer Kevin Systrom machte einen Schnappschuss von seinem sandfarbenen Hund. Neben dem treuherzigen Blick ist in der linken Ecke zudem der Fuß seiner Freundin zu sehen. Systrom postete es am 16. Juli 2010. Er verwendete den ersten entwickelten Filter X-Pro II. Damals war die App noch gar nicht offiziell gestartet, sondern stand nur für ausgewählte Tester zur Verfügung. Im Oktober 2010 schließlich wurde die Anwendung im App-Store veröffentlicht.

Systrom und Mit-Geschäftsführer Mike Krieger hatten anfangs vor Geldgebern mit Nutzerzahlen von einer Million im ersten Jahr gesprochen. Sie hatten wohl selbst innerlich ein bisschen gelacht über dieses Wachstum, doch am ersten Tag nutzten 25.000 Menschen Instagram, 100.000 in der ersten Woche, zu Weihnachten durchbrachen sie die eine-Million-Marke – sechs Wochen später waren es zwei Millionen. Und heute? Über eine Milliarde Nutzer gibt das Unternehmen auf seiner Seite an. Damit ist es neben Facebook und Twitter einer der nicht mehr wegzudenkenden Platzhirsche am Social-Media-Himmel. Grund genug also für die Bloomberg-Journalistin Sarah Frier in ihrem Buch "No Filter" die Entstehungsgeschichte der Foto-App zu beleuchten und festzuhalten, wie das gelang.

Frier hat sich dazu mit vielen Wegbegleitern und natürlich den Gründern über viele Jahre hinweg unterhalten. Entstanden ist mehr als die bloße Biografie einer App, vielmehr auch ein Einblick in das Silicon Valley und seiner bekannten Köpfe – angefangen bei Mark Zuckerberg über Jack Dorsey bis hin zu Investoren aus dem Hause Andreessen Horowitz.

Frier beschreibt in Systrom einen etwas kopflos wirkenden Stanford-Absolventen, der gern ein Unternehmen gründen und eine App entwickeln möchte, die sich von anderen abhebt – und vor allem einen Gegenpol zu dem im Jahr 2010 schon sehr dominanten Facebook bieten möchte, das er mit seinen zahlreichen Funktionen und Gruppen und Chats zu überladen findet. Seinen Mitspieler, bei dem es ihm hauptsächlich darauf ankommt, dass er sich gut mit ihm versteht, ist der technisch versierte Entwickler Mike Krieger. Systrom hatte Berufserfahrung bei Google und Twitter gesammelt und wusste daher um die wichtige Rolle von Sympathie bei einer gemeinsamen Unternehmensgründung.

Für begeisterte Instagram-Nutzer wird vor allem der Teil interessant sein zu erfahren, wie Systrom und Krieger den Weg von ihrer anfangs standortbasierten App burbn hin zu einer Foto-App, deren Markenzeichen lange das quadratische Bild war, fanden. Der Schlüssel lag offenbar in einem Florenz-Besuch von Systrom in Highschool-Zeiten. Ein Lehrer drückte ihm dort eine Holga-Kamera in die Hand. Sie machte nur verschwommene, quadratische Schwarzweiß-Bilder. Der Auftrag: Auch die Unvollkommenheit zu schätzen. Das ließ Systrom nie los, so viel wird in Friers Buch deutlich – und er schaffte es, Nutzer auf der ganzen Welt für diesen Ansatz – mit dem Trick der Filter – zu begeistern.

Frier ist in ihrer Dokumentation der Evolution der beliebten Foto-App sehr akribisch – weniger wohl gesonnen könnte man sagen, etwas langatmig und stellenweise zu wenig fokussiert auf Relevantes. So muss ich etwa nicht wissen, welche Quesadilla Systrom bei diesem oder jenem Gespräch aß oder dass der erste eingestellte Entwickler so viel zu tun hatte, dass er einen Monat lang seine Freundin vergaß. Auch wenn es um einen klaren Blick auf das heutige Image der App geht, ist vielleicht Friers Faszination etwas im Weg. So beschreibt sie etwa Facebook als ein "Morast aus Klicks heischenden, von Profis produzierten Videoinhalten", doch eine ähnliche Entwicklung hat inzwischen auch Instagram vollzogen. Insgesamt verschafft Autorin Frier aber einen interessanten Einblick – nicht nur in die App Instagram und den Ideen seiner Entwickler, sondern auch in die Szene der Social-Media-Strategen des Silicon Valley.

Sarah Frier: No Filter – Die Instagram-Story, Plassen Verlag, 368 Seiten, 24,90 Euro

(jle)