Bananen für Kiwis

Jane Mullaney sucht die Gene, die die gelben Früchte robuster machen, um sie auch in Neuseeland anbauen zu können.

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Bananen für Kiwis

(Bild: AgResearch)

Lesezeit: 4 Min.
Von
  • Veronika Szentpetery-Kessler

Leider ist Neuseeland kein typisches Bananen-Anbauland, dabei lieben die Neuseeländer die Früchte. Sein Klima ist kühler als das der größten Produzenten Indien, China, Philippinen und Ecuador. Nur in einigen Gebieten der Nordinsel sind die Temperaturen moderat genug, um die Früchte nicht nur in privaten Gärten, sondern sogar in kleineren kommerziellen Mengen für den lokalen Verbrauch anzubauen. Den überwiegenden Teil seines Bedarfs an der gelben Frucht deckt das Land über Importe – jährlich für über 220 Millionen Dollar.

Um den Eigenanteil zu vergrößern, hat sich 2018 das neuseeländische Bananenanbau-Unternehmen Tai Pukenga mit dem eigenständigen Forschungsinstitut AgResearch für eine vierjährige Entwicklungskooperation zusammengetan.

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Die Aufgabe von AgResearch ist dabei im ersten Schritt, die lokalen Bananensorten anhand ihrer Gene zu identifizieren und nach ihren Anpassungsmechanismen zu suchen. Die Forschenden wollten wissen, welche winzigen genetischen Abweichungen (Einzelbasen-Mutationen, SNP) von Referenz-Bananengenomen die heimischen Sorten in sich tragen. Und welche davon in der Summe dafür sorgen, dass sich die neuseeländischen Bananenpflanzen an diese weniger idealen klimatischen Bedingungen angepasst haben, sich heimisch fühlen und gedeihen. Die Forscher um Jane Mullaney suchen nach Pflanzen, die besonders tolerant auf Temperaturschwankungen und auch auf Trockenheit reagieren. Mit diesem Wissen wollen sie später Jungpflanzen früh testen, ob sie die gewünschten Eigenschaften geerbt haben, statt das erst später auf dem Feld feststellen zu können.

Während diese Tests noch laufen, nutzen die Forschenden die Wartezeit und vermehren bereits einige heimischen Bananensorten für Anbautests an verschiedenen Standorten. Sie nutzen dafür Gewebekulturen von Pflanzen, die ihnen für die härteren Bedingungen an den neuen Standorten besonders geeignet scheinen. Bei diesem sehr schnellen Vermehrungsverfahren päppeln sie im Labor Stammzellen von Pflanzen, Gewebe aus Knospen sowie junge Sprossen zu neuen Jungpflanzen.

„Die Anbautests erstrecken sich auf neue Gebiete in Neuseeland, in denen bisher keine Bananen angebaut wurden. Bis hinunter zur Südinsel, die kälter als die Nordinsel ist“, sagt Mullaney. Einige dieser Pflanzen haben in einem Testgebiet in der Gisborne-Region im Süden sogar winterliche Bedingungen gut überstanden. Das Mikroklima dieser speziellen Region ist ohnehin wärmer als der Rest des Südens Neuseelands, aber offenbar profitieren die Bananenpflanzen zusätzlich von der Klimaerwärmung: Die Winter sind in den vergangenen Jahren mit bis zu 16 Grad in den Nächten bedeutend wärmer geworden. Zwar wachsen Bananenpflanzen Mullaney zufolge bereits ab 14 Grad, aber je wärmer es ist, desto besser fällt der Ertrag aus. Und hilft bei der Zuchtanpassung der Tropenfrüchte an das rauere Klima.

Ein großer Vorteil dieses raueren Klimas sei, dass sich keine der auf Bananen spezialisierten Schädlinge in Neuseeland etablieren konnten. Für Schädlinge aus der subtropischen Heimat der Bananen ist Neuseelands schlicht zu kalt. Auch der Bananen-Pilz Fusarium oxysporum cubense wurde noch nicht gesichtet.

Ursprünglich gelangten Bananen wahrscheinlich vor einigen Hundert Jahren mit den von den pazifischen Inseln eingewanderten Maori – der indigenen Bevölkerung des Landes – nach Neuseeland. Diese ursprünglichen Bananensorten sind jedoch fast alle verschwunden. Die heute angebauten Kulturen wurden in den 70er-Jahren eingeführt. Nun haben neben den Bananenzüchtern vor allem Maori-Gemeinschaften ebenfalls großes Interesse daran bekundet, in den Anbau mit einzusteigen und sowohl für den lokalen Verkauf, etwa auf Wochenmärkten, als auch für die eigenen Großfamilien zu produzieren. „Maori streben danach, unproduktives Land wieder zu nutzen, und Bananen passen gut in die oft fragmentierten Grundstücke“, sagt Mullaney.

(bsc)