Post aus Japan: Softbank automatisiert das Restaurant

Der Alltag wird immer stärker automatisiert. Mit amerikanischer Startup-Hilfe greift ein Konzern aus Nippon nun mit einem Roboter in der Gastronomie an.

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Post aus Japan: Softbank automatisiert das Restaurant

(Bild: Bear Robotics / Softbank Robotics)

Lesezeit: 4 Min.
Von
  • Martin Kölling
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Weltweit macht die Softbank-Gruppe als Technikinvestor von sich reden. Doch diese Woche unterstrich das Unternehmen, dass es auch in realen Produkten noch globale Ambitionen hegt. Softbank Robotics, eine Tochtergesellschaft der Holding, stellte in Tokio einen neuen Roboter vor, der pandemisch-korrekten Servierdienst in Restaurants gewährleisten soll.

"Servi" heißt das Gerät, das eine Weiterentwicklung der Servierroboters von Softbank-Partner Bear Robotics ist. Der rollende Serviertisch hat zwei Tablette-Ebenen und einen Korb für abgeräumtes Geschirr, die mit bis zu 35 Kilogramm an Speisen und Getränken beladen werden können.

Post aus Japan
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Japan probiert mit Elektronik seit jeher alles Mögliche aus - und oft auch das Unmögliche. Jeden Donnerstag berichtet unser Autor Martin Kölling an dieser Stelle über die neuesten Trends aus Japan und den Nachbarstaaten.

Mit bis zu 2,16 km/h schlängelt sich der Servierautomat selbstständig durch die Restaurants, weicht menschlichen Servierpersonal aus und stoppt zur Not oder am Ziel, ohne dass Nudelsuppe aus der Schale schwappt. Zwölf Stunden soll so ein Gerät durchlaufen, bevor es für vier Stunden an der Steckdose neue Kraft schöpfen muss.

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Derartige rollende Serviertische sind inzwischen kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Aber Softbank Robotics dehnt damit das eigene Geschäft weiter aus, in das das Unternehmen einer Laune des Gründers Masayoshi Son folgend im Jahr 2012 eingestiegen ist.

Kurz zuvor war dem Milliardär eingefallen, dass er sich mit den Fortschritten künstlicher Intelligenz vielleicht nun seinen Jugendtraum von maschinellen Menschenfreunden erfüllen könnte. Im ersten Schritt kaufte Son daraufhin den französischen Roboterentwickler Aldebaran. 2014 stellte er dann seinen Partnerroboter Pepper vor, der vor allen in Geschäften als süßer Hightechverkäufer den Umsatz ankurbeln sollte.

Mit dem Kauf des US-Roboterentwicklers Boston Dynamics schwang sich der Japaner sogar zu einer Art Retter der Roboter auf. Google wollte den Entwickler vierbeiniger Lastträger loswerden, weil die Amerikaner in künstlicher Intelligenz für seine Internetdienste mehr Potenzial witterten als in technologisch anspruchsvoller Hardware.

Seither baut Softbank sein Portfolio aus. Pepper wurde inzwischen mit Whiz ein Saugroboter für Geschäftskunden an die Seite gestellt. Das Reinigungspersonal kann mit ihm durch simples Abfahren des Areals den Reinigungsbezirk einprogrammieren, den das Gerät dann selbst abfährt.

Das Personal muss ihn nur an einen festgelegten Ausgangspunkt bringen, und schon saugt das Gerät los. Die neueste Generation kann auch mit Düsen zum Desinfizieren von Türklinken aufgerüstet werden, ganz im Dienst des antipandemischen Kampfs. So soll das Gerät den Arbeitsbedarf menschlicher Putzkolonnen um 60 Prozent senken.

Während der Coronakrise bestückte das Unternehmen sogar als Werbegag die Tribüne eines Baseballspiels mit einem Bataillon an Pepper- und Hunderobotern. Doch nicht nur in Japan wird der Trend zu Robotern immer ernster genommen. In Südkorea hat der größte Mobilnetzbetreiber SK Telecom dieses Jahr bereits mit dem japanischen Technikkonzern Omron einen Virenwächter für Eingangsbereiche in Geschäftsgebäuden entwickelt.

Das Gerät kann nicht nur Besucher identifizieren, deren Fieber messen und die Hände desinfizieren. Es fordert auch Maskenverweigerer auf, sich ihren Mundschutz anzulegen. Und sollten sich ein paar Menschen im Gespräch zu nahekommen, soll es die Gruppe auch auffordern, etwas mehr Abstand zu halten.

Selbst der Elektronikkonzern Samsung ist auf den Trend aufgesprungen. Der Konzern meldete Mitte September stolz, dass sein Roboteranzug GEMS als erstes koreanisches Unternehmen die ISO-13482-Zertifizierung für Pflegeroboter erhalten hat. "Der Erwerb dieser internationalen Sicherheitszertifizierung ist ein wichtiger Meilenstein für uns", erklärte daraufhin Kang Sung-chul, der das Robot Center der Samsung Research leitet.

Samsung wolle den Schwung nun nutzen, "um unser Engagement in der Roboterforschung weiter voranzutreiben", versprach Kang. Das Unternehmen kann eine Beschleunigung gut gebrauchen, denn im Markt der Geh- und BĂĽckhilfen sind die Japaner den Koreanern noch weit voraus.

Das Universitätsstartup Cyberdyne verkauft seit Jahren seinen Roboteranzug. Und im Februar erhielt das Unternehmen Innophys ebenfalls die ISO-Zertifizierung für seinen Roboteranzug, der Logistikarbeitern beim Heben von schweren Lasten helfen soll. Die Beispiele zeigen: Roboter kommen vielleicht nicht gewaltig, aber sie stoßen immer stärker in den Alltag vor.

(bsc)