Noch mehr Wasser im Mars

Vor zwei Jahren entdeckten Wissenschaftler einen See unterhalb des Mars-Südpols. Neue Daten zeigen: Es gibt wohl noch mehr davon.

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Noch mehr Wasser im Mars

(Bild: ESA/DLR/FU Berlin / Bill Dunford)

Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Neel V. Patel

Mindestes vier bislang unentdeckte Grundwasserreservoirs befinden sich vermutlich unterhalb der Oberfläche des roten Planeten. Die neuen Erkenntnisse legen nahe, dass auf dem Mars mehr Wasservorräte beheimatet sind als zuvor gedacht. Das ist einem Paper in "Nature Astronomy" zu entnehmen.

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2018 entdeckte eine italienische Forschungsgruppe mittels Radar-Beobachtungen einen See aus flüssigem Wasser, der sich 1,5 Kilometer unterhalb der Marsoberfläche befand. Der Fund gelang ihnen mit der Raumsonde "Mars Express" von der Europäischen Weltraumorganisation und darin integrierten System "Mars Advanced Radar for Subsurface and Ionosphere Sounding", kurz: MARSIS. Der See, etwa 20 Kilometer lang, wurde unweit des Südpols gefunden, auf dem Grund einer mit dickem Gletschereis bedeckten Gegend, die die Forscher "South Polar Layered Deposits" getauft haben.

Zwei Jahre später, nach einer neuen Analyse des gesamten MARSIS-Datensatzes (die aus über 134 Radar-Untersuchungen hervorgingen), haben Mitglieder des Wissenschaftlerteams die Existenz des Wassers bestätigt. Außerdem fanden sie Hinweise auf drei weitere mögliche Seen, jeder davon weniger als 50 Kilometer entfernt von dem ersten Fundort. In der neuen Analyse konnten neue Erkenntnisse angewandt und zwischen feuchten und trocknen subglazialen Bedingungen unterschieden werden – dank Radarvergleichsdaten, die aus der Antarktis und Grönland vorliegen.

Die neu entdeckten Wasserreservoirs scheinen sich nicht viel von dem zu unterscheiden, die schon 2018 gefunden wurde. Sie reichen zwischen 10 bis 30 Kilometern in der Länge, sind mindestens 1,5 Kilometer tief – obwohl noch immer unklar ist, wie weit manche von ihnen tatsächlich nach unten reichen.

Trinkbar dürfte das Wasser allerdings nicht sein. Der einzige Grund, weshalb es trotz der kalten Temperaturen auf dem Marks flüssig bleiben konnte ist, dass es sehr brackig (oder salzig) ist. Salz kann den Gefrierpunkt von Wasser bedeutsam senken. Calcium, Magnesium, Sodium und andere Salzablagerungen befinden sich auf dem gesamten Planeten Mars – und frühere Experimente lassen vermuten, dass Salzlösungen sich dort leicht unter dem Pol bilden können. Das könnte erklären, wie Seen möglicherweise über Milliarden Jahre dort bestehen konnten.

Der Zugang zu Wasser wird für zukünftige Mars-Kolonisten ein entscheidender Faktor sein. Doch selbst wenn dieses Wasser entsalzt werden könnte, es zu erreichen würde extreme Bohrmaßnahmen erfordern. Viel einfacher zu gewinnen wäre das viele Eis auf der Oberfläche der Marspole. Was Grundwasser-Seen aber so aufregend macht, ist, dass sie außerirdischem Leben ein Zuhause bieten könnten. Es ist möglich, dass es dort, genau wie auf der Erde, mikrobiotisches Leben gibt, das sich an die extremen Bedingungen der salzigen, subglazialen Seen angepasst hat und dort leben kann.

Um mehr darüber herauszufinden, müsste das Wasser direkt untersucht werden. Elena Pettinelli, Physikerin an der Roma Tre Universität in Rom und Co-Autorin der neuen Studie, hält ein Landemodul oder eine Rover-Plattform am besten geeignet für diese Aufgabe.

Die größte Schwierigkeit wird darin bestehen, diese Tiefen zu erreichen. Ein möglicher Weg wäre es, die seismische Aktivität zu messen, was Aufschluss über die gesamte Ausdehnung und Form der Gewässer geben könnte und auch darüber, welche der Bereiche am ehesten besiedelt sein könnten. Doch auch das würde zunächst wenig neue Fakten bringen. Es wird also zunächst offen bleiben, ob Leben auf dem Mars existiert oder nicht.

(bsc)