Die Biografie des Würfels
Er ist DER Würfel – Rubik’s Cube. Begleiter einer ganzen Generation, Suchtmittel, Sportgerät, Werbeträger und manchmal einfach nur ein Spielzeug. Nun meldet sich erstmals sein Erfinder zu Wort.
- Karsten Schäfer
Es sei eine Co-Autorenschaft, macht Ernö Rubik, der Erfinder des Zauberwürfels, gleich auf den ersten Seiten seines Buches „Cubed“ klar. Co-Autor sei der Würfel. Das Inhaltsverzeichnis ist – sagen wir – rudimentär: Die Kapitel heißen schlicht eins bis sechs und „Interview mit den Autoren“. Das verleitet zu einem Sprung gleich ans Ende des Buches, und hier kommt der Würfel gemeinsam mit seinem Schöpfer direkt zu Wort. Das kleine Interview wirft ein Schlaglicht auf das intensive Verhältnis, das Erfinder und Würfel nach wie vor zueinander haben, und deutet auf ein unkonventionelles Buch hin. „Mir wäre gar kein Titel lieber gewesen“, sagt Rubik etwa über die Titelwahl.
Die Lektüre beginnt man mit entsprechenden Erwartungen an ein witziges, irgendwie anderes Buch. Keine Struktur sollte es laut Rubik haben (deshalb auch die einfache Kapitelnummerierung), einen Einstieg an jedem Punkt ermöglichen und in die Welt der Rätsel entführen. Wer vielleicht doch lieber vorn beginnt, als gleich mitten in die Kapitel zu springen, lernt Rubik sehr persönlich kennen. Es ist die Geschichte eines kreativen, verspielten, die Schönheit liebenden Rätselerfinders und seines Welterfolgs.
Würde man den Text auf seine Wortverteilung analysieren, wäre „spielen“ eines der häufigsten Wörter. Aber nicht, weil es mit dem Zauberwürfel um ein Spielzeug geht, sondern weil spielen, rätseln, dem Geist lange Leine lassen das ist, was Rubik ausmacht. Er spielt sich durch sein Leben, unterrichtet Architektur und Design an der Hochschule, bezeichnet sich als Amateur bei allem, was er tut, bekundet Respekt vor den Profis und will selbst keiner sein. Es ist die sympathische Geschichte eines bescheidenen Erfinders, der irgendwie immer noch über den Erfolg seines Würfels staunt. Und natürlich erfährt man die Entstehungsgeschichte des Würfels. Rubik nimmt seine Leser mit, wenn er einfach nur aus Spaß ein geometrisches Rätsel lösen möchte, die ersten Würfel mit Gummibändern verknüpft – die dann nach ein paar Drehungen reißen. Er lüftet das Geheimnis um den verborgenen Würfel in der Mitte. Und er zeigt uns seine Welt, nachdem der Würfel zum Erfolg wurde: Er erzählt von Speedcubing-Meisterschaften oder vom Rennen um die Entwicklung der schnellsten Lösungs-Algorithmen.
Es stimmt, man kann in jedem beliebigen Kapitel in das Buch einsteigen, es ist kurzweilig, interessant und stets sehr persönlich. Dabei ist es zwar bei Weitem nicht so unkonventionell, wie der Co-Autor uns glauben machen möchte. Aber wer den Zauberwürfel liebt, wird dieses Buch mögen.
Ernö Rubik: „Cubed“ C.H. Beck, 215 Seiten, 19,95 Euro (E-Book 14,99 Euro)
(bsc)