Schnellwaschgang fĂĽr Kryptogeld
Kim Jong-un, „Oberster Führer“ Nordkoreas, soll sein Atomwaffenprogramm mit geklauter Kryptowährung finanzieren.
Im Untergrund in Nordkorea.
(Bild: Photo by Random Institute on Unsplash)
- Patrick Howell O'Neill
Seit Jahren verdient die nordkoreanische Kim-Dynastie gutes Geld durch kriminelle Aktivitäten wie Drogenhandel und Geldfälschung. Experten schätzen, dass das kommunistische Land bis zu 15 Prozent seines Einkommens illegal erwirtschaftet. In den letzten zehn Jahren hat sich Pjöngjang zunehmend der Internetkriminalität zugewandt und mit Hacker-Armeen Milliarden-Dollar-Überfälle gegen Banken und Kryptowährungsbörsen durchgeführt. Den Vereinten Nationen zufolge finanziert das Regime damit sein Atomwaffenprogramm, das sein langfristiges Überleben garantieren soll.
Der Hack ist dabei der leichte Teil. Weitaus schwieriger ist es, an das ergaunerte Geld heranzukommen. Dafür muss die gestohlene Kryptowährung verschoben, gewaschen und gegen Dollar, Euro oder Yuan eingetauscht werden. Denn Waffen und Luxusgüter lassen sich praktisch nicht mit Bitcoins bezahlen. „Ich würde sagen, die Geldwäsche ist ausgefeilter als die Hacks selbst“, sagt Christopher Janczewski, leitender Agent bei der US-Bundessteuerbehörde IRS, der sich auf Fälle von Kryptowährungskriminalität spezialisiert hat.
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Janczewski leitete zuletzt die Ermittlungen in einem Fall, in dem Kryptowährung mit einem Gegenwert von 250 Millionen Dollar aus einer beispiellosen Serie von Multimillionen-Dollar-Hacks aufgespürt und beschlagnahmt wurde. Sie gingen angeblich auf das Konto der nordkoreanischen Lazarus Group.
Um die Geldquelle zu verschleiern und Ermittler abzuschütteln, verschieben Hackergruppen wie Lazarus das gekaperte Kryptogeld schnell und automatisiert in Tausende verschiedene digitale Geldbörsen (peel chain) oder tauschen es wiederholt in andere Kryptowährungen um, die durch unterschiedliche Blockchains gesichert sind (chain hopping). Anschließend überführen sie es in privatere Kryptowährungen. Die Idee ist, die Spur zu verwischen oder, noch besser, Fehlalarme für Ermittler auszulösen.
Trotzdem müssten die Hacker am Ende alles zurück in Bitcoin tauschen, denn keine andere Kryptowährung ist so allgemein akzeptiert und so einfach in Bargeld umzuwandeln. Dazu brauchen sie Händler, die außerhalb der Börse arbeiten und gesetzliche Anforderungen wie jene zum Kennenlernen ihrer Kunden ignorieren. „Früher sahen wir nach einem Diebstahl nur Bitcoin-Transaktionen hin zu Händlern außerhalb der Börse. Jetzt sind sie in der Lage, sich durch viel mehr dunkle Währungen zu bewegen“, sagt Jonathan Levin, Gründer der Kryptogeld-Ermittlungsfirma Chainalysis.
Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht: Kryptowährungsklau ist keineswegs das perfekte Verbrechen. Polizei- und Aufsichtsbehörden verfügen nach anfänglicher Ahnungslosigkeit inzwischen über jahrelange Ermittlungserfahrung. Sie erhalten zudem immer mehr Unterstützung von den Kryptowährungsbörsen selbst, die sich bei ihrem Streben nach mehr Legitimität dem Druck von Regierungen beugen. So schufen die Plattformen neue Kontrollmechanismen und kommen Anfragen nach, Gelder einzufrieren und Vermögenswerte zu beschlagnahmen. Darüber hinaus verlieren immer mehr Kryptowährungen durch immer leistungsstärkere Blockchain-Überwachungstools ihre Anonymität.
Trotz aller Erfolge scheint das dunkle Geschäft für Händler, die sich jenseits der Börsen bewegen, nach wie vor enorm lukrativ zu sein: Die 100 größten Anbieter für Geldwäsche nehmen jeden Monat Bitcoins im Gegenwert von Hunderten Millionen Dollar ein. Das entspricht rund einem Prozent aller Bitcoin-Aktivitäten.
(bsc)