Rechnungshof rügt Planungsmängel bei IT-Projekten

Der Bundesrechnungshof kritisiert in seinem Bericht 2001 das IT-Management der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.

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Von
  • Christiane Schulzki-Haddouti

Der Bundesrechnungshof hat in seinem Bericht 2001 das IT-Management mehrerer Behörden kritisiert. Neben der Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit (siehe frühere Meldung) und der Karlsruher Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (heise online berichtete) erregten auch IT-Projekte der Frankfurter Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung den Unmut der Prüfer.

Die Bundesanstalt ließ in den letzten Jahren das IT-Projekt "Workflowmanagement" entwickeln, um die zahlreichen Genehmigungs- und Zahlungsvorgänge besser abwickeln zu können. Allerdings schloss sie mehrere Verträge erst ab, als die Programmierarbeiten schon im vollen Gange waren. Die Kosten schossen weiter in die Höhe, als die Behörde in einigen Einzelprojekten zusätzliche Anforderungen erst in Auftrag gab, nachdem die Programmierarbeiten längst begonnen hatten.

Der Präsident der Bundesanstalt, Günter Drexelius, rechtfertigt dies mit veränderten Vorgaben aus Brüssel und Berlin. Zudem habe ein Subunternehmen der Firma fehlerhafte Software geliefert. Im November 1997 präsentierte die Firma die erste Version. Bis heute ist das System nicht abgenommen, da das Subunternehmen die Nachbesserungen nicht wie gefordert realisierte.

Der Bundesrechnungshof moniert zudem den Einsatz externer Programmier zur Bewältigung des Tagesgeschäfts. Dadurch seien Mehrkosten von mindestens 1,2 Millionen Mark entstanden. Nach Angaben der Behörde war der Einsatz der Externen notwendig geworden, nach dem drei angestellte Programmierer nach eineinhalb Jahren Einarbeitungszeit gekündigt hätten, ein vierter nach kurzer Zeit verstorben sei und im Frankfurter Raum kein Experte zum öffentlichen Angestelltentarif angeworben werden konnte. Drexelius empört: "Der Bundesrechnungshof soll mir doch einfach mal selbst einen IT-Experten für 100.000 Mark pro Jahr besorgen".

Der Bundesrechnungshof kreidet der Behörde auch einen verspätet angeschafften Großrechner mit einem Aufpreis von 400.000 Mark an. Auch hier weist Drexelius die Kritik ab: Der alte Großrechner sei nicht mehr Jahr-2000-fähig gewesen und Herstellerfirma Siemens habe nicht wie ursprünglich angefordert im Frühjahr, sondern erst im Herbst den neuen Rechner freigegeben. Die vom Bundesrechnungshof monierten Mehrkosten seien daher rein hypothetisch.

Der Bundesrechnungshof ließ sich von all den Einwänden nicht beeindrucken und konstatierte trocken "mangelhaftes Projektmanagement und Controlling". Eine "Projektorganisation mit klaren Verantwortlichkeiten", "ein aussagekräftiges Berichtswesen" sowie ein "Qualitätssicherungsverfahren" hätten die Fehlentscheidungen seiner Ansicht nach verhindern können. Immerhin gibt es jetzt in der Frankfurter Behörde eine Aufgabenbeschreibung für IT-Projektleiter - früher waren die IT-Projekte einzelnen Referaten zugeteilt, jedoch ohne eine persönliche Verantwortlichkeit. (Christiane Schulzki-Haddouti) / (em)