mediantis sagt servus

Mit großer Mehrheit stimmten die Aktionäre des Online-Buchhändlers für die Auflösung der Firma.

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Von
  • Axel Höpner
  • dpa

Die Aktionäre des verlustreichen Internet-Buchhändlers mediantis verabschieden sich von ihrer Firma. Mit großer Mehrheit stimmten sie am Mittwoch während einer außerordentlichen Hauptversammlung für die Auflösung der Gesellschaft. Das Kerngeschäft unter der Marke buecher.de geht zum 1. November an den Konkurrenten Booxtra.

"Das ist das Eingeständnis, dass das Geschäftsmodell, in das wir investiert haben, gescheitert ist", sagte Christoph Öfele von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) am Mittwoch in München. Mit der Zustimmung zur Liquidation läuteten die Aktionäre die nächste Runde in der Konsolidierung unter den deutschen Internet-Buchhändlern ein.

Vorstandschef Georg Heusgen präsentierte den Aktionären die Neunmonatszahlen -- und die zeigten noch einmal deutlich die miserable Situation der Firma: Der Netto-Verlust verdoppelte sich fast sich auf 21,4 Millionen Mark. Der Umsatz stagnierte bei 26,2 Millionen Mark. "Man braucht aber 80 bis 100 Millionen Mark Umsatz, um die Gewinnschwelle erreichen zu können", glaubt Heusgen. Im Gegensatz zu anderen Firmen am Neuen Markt zog mediantis vor einer drohenden Insolvenz die Notbremse. Ende September verfügte der Konzern noch über liquide Mittel in Höhe von knapp 20 Millionen Mark.

mediantis war wie so viele Firmen voller Euphorie am Neuen Markt gestartet. Beim Börsengang sammelte das Unternehmen -- damals noch unter dem zugkräftigeren Namen buecher.de -- bei einem Ausgabepreis von 19 Euro bei den Anlegern 38 Millionen Euro ein. Den Erlös aus der Auflösung schätzte Heusgen nun auf 1,30 bis 1,80 Euro je Aktie.

Online-Buchhandel ist ein schwieriges Geschäft. Der hier zu Lande übliche kostenlose Versand drückt auf die Margen. Marktführer Amazon dominiert in Deutschland mit einem Anteil von etwa 50 Prozent. "Wir machen ein Geschäft, das stark von einer kritischen Größe abhängig ist", sagt Amazon Deutschland-Chef Philipp Humm. Für die Nummer zwei oder drei im Markt werde es immer schwieriger. Im vierten Quartal will Amazon in Deutschland operativ die Gewinnschwelle erreichen.

Der Augsburger Online-Händler Booxtra, der für die Marke buecher.de fünf bis sieben Millionen DM an mediantis zahlt, sieht sich jetzt als klare Nummer zwei in Deutschland. Seit Sommer arbeite Booxtra wegen seiner schlanken Strukturen profitabel, sagte Geschäftsführer Klaus Driever der dpa. Auch buecher.de werde schnell schwarze Zahlen schreiben. Booxtra gehört je zu einem Viertel dem Springer-Verlag, dem Holtzbrinck-Verlag, der Verlagsgruppe Weltbild und der Deutschen Telekom. Booxtra peilt laut Driever für das laufende Jahr einen Umsatz von etwa 20 Millionen DM an. Eine genaue Prognose sei aber derzeit schwierig, zumal Online-Buchhändler 40 bis 45 Prozent ihres Umsatzes im Weihnachtsgeschäft machten.

mediantis wird derweil abgewickelt. Die Schweizer Tochtergesellschaft buch.ch geht für 2,7 Millionen DM an Konkurrent buch.de. Der Börsenmantel steht zum Verkauf. "Die Zahl der Mitarbeiter kann bis Mitte 2002 auf einen reduziert werden. Dieser kann sicher auch Teilzeit arbeiten", sagte Heusgen. Derzeit hat mediantis noch gut 80 Mitarbeiter. Booxtra übernimmt sie nicht. (Axel Höpner, dpa) / (anw)