Des MĂĽllers Lust
Wie jedes Jahr zieht es auch diesmal wieder Hunderttausende in die Sommerfrische. Mit Schnorchel, Wanderstiefeln oder Laptop bewaffnet, geht es auf Entdeckungsreisen in ferne Länder.
- Torsten Beyer
ReisefĂĽhrer weisen den Weg zu den touristischen Glanzpunkten des jeweiligen Feriendomizils. Dumm nur, daĂź die anderen hunderdtausend Touristen den gleichen ReisefĂĽhrer gelesen und den Weg zum absoluten Geheimtip gefunden haben, der dann gar nicht mehr so glanzvoll ist.
Mit Internet geht das alles natürlich viel besser, und vielleicht findet man durch direkte Kontaktaufnahme mit den Eingeborenen vorab tatsächlich die eine oder andere verschwiegene Ecke. Der erste Anlaufpunkt für Reisende sollte mithin das News-System sein.
Achtung! NatĂĽrlich mĂĽssen News-Groups jeweils lokal verfĂĽgbar sein ....
Dort gibt es unter der Rubrik rec.travel eine Unzahl von News-Gruppen, die sich mit dem Reisen in der einen oder anderen Form beschäftigen. Ein echter Tip: rec.travel.marketplace, mit der gelegentlichen Möglichkeit, einem verhinderten Touristen für Ône kleine Mark seine bereits gebuchte Reise abzukaufen.
Gälisch lernen im Netz
Nicht unerwähnt bleiben sollen länderspezifische Newsgroups, die sich sowohl in rec.travel.{Land} als auch in soc.culture. {land} finden. Insbesondere die soc.culture-Gruppen sind ein guter Informationsquell für diejenigen, die auch an den politischen Zuständen ihres Reiseziels Interesse haben. Meist läßt sich auch der obligatorische Sprachführer übers Internet holen. Im Rahmen der jeweilen FAQs (Frequently Asked Questions) halten die einzelnen Gruppen auch kurze Sprachführer bereit, zum Beispiel Gälisch.
Wer noch nicht so genau weiß, wo er eigentlich hin will, kann sich über Manitoba's Connection To The Internet (http://www.mbnet.mb.ca/lucas/travel/tourism-offices.html - nicht mehr erreichbar, 29.05.01) (Kanada) eine Liste von Touristenbüros holen. Diese Liste gibt es auch per ftp (unter anderem von der Universität Wolverhampton [ftp://scitsc.wlv.ac.uk/pub/infomagic/usenet.cdrom/answers/travel/tourism-offices] in England).
Natürlich bietet das World Wide Web darüber hinaus eine Unzahl an reisespezifischen Einstiegspunkten. Um die Aufzählung hier im Rahmen zu halten, seien nur die Travel Web Sites des argentinischen Observatorio de La Plata (http://www.fcaglp.unlp.edu.ar/~spaoli/travel.html) und der United Nations Volunteers (http://suna.unv.ch/travel.html) genannt, die sowohl über Informationen von Ländern und Reisezielen als auch über Anbieter von Reisen verfügen. Ein Sahnestück der hohen Kunst des Web- Server-Bauens ist ohne Frage die Virtual Tourist World Map (Buffalo, USA). Von dort aus kann man sich grafisch in alle Teile der Welt manövrieren und zum Beispiel herausfinden, wo in einem Land Informationen übers Web bereitgestellt werden.
Wie häufig ist es schon passiert, daß man in einem fremden Land an einem Wochentag vor verschlossenen Geschäften, Banken oder Museen steht. Des Rätsels Lösung: ein dem deutschen Otto-Normal-Tourist unbekannter Feiertag ist über das Urlaubsziel hereingebrochen. Damit das im diesjährigen Urlaub nicht passiert, gibt es eine Datei mit Namen calendar. holiday, die man dem Unix-Kommando calendar vorwerfen kann. Diese Datei enthält alle möglichen und unmöglichen Feiertage weltweit (wußten Sie, daß der 6. Juni der Geburtstag des Königs Yang Di-Pertuan Agong in Malaysia ist?). In Deutschland erhältlich von der Universität Kaiserslautern (ftp://ftp.uni-kl.de/pub2/packages/bsd-sources/usr.bin/calendar/calendars/calendar.holiday.Z).
EMail-Anrufbeantworter
So gerüstet, bleibt eigentlich nur das Problem der überlaufenden EMail-Verzeichnisse zu lösen. Ein potentieller Lösungsansatz ist der Einsatz von vacation, eine Art Anrufbeantworter für EMail. So gesehen ist das natürlich noch kein direkter Schutz gegen überlaufende Mailboxen, aber vielleicht eine Maßnahme, penetrante Dauermailer auf die Tatsache hinzuweisen, daß man für eine Weile dem Rechner die kalte Schulter zeigt. Die Idee ist einfach: In der Datei .vacation.msg im Homedirectory steht ein Text, der allen Sendern eingehender Mail zugesandt werden soll. Dabei besteht beschränkter Zugriff auf den Text der Original-EMail: Steht die Variable $SUBJECT im Text, dann wird diese durch die Subject-Zeile der auslösenden Mail ersetzt.
Weiterhin versucht vacation, keine Mails an Mailinglisten zu versenden: steht in der From:-Zeile der auslösenden Mail das Wort -request@, geht vacation davon aus, daß diese Mail von einer Mailingliste kam. Wenn vacation einem Sender Ihren Text zugemailt hat, merkt es sich diesen Sachverhalt und wird dieser Person keine weitere Mail für eine bestimmte Zeitspanne (default 1 Woche ) schicken.
Auf einigen Unix-Systemen gehört vacation zum Standardlieferumfang. Falls nicht: in Deutschland kann man das Programm unter anderen von der Universität Paderborn (ftp://gigaserv.uni-paderborn.de/ftp/disk3/freebsd/FreeBSD-current/src/usr.bin/vacation) bekommen. (js)