Alle Jahre wieder ...
Schon gemerkt? Es weihnachtet. Endlich vorbei scheinen die Zeiten selbstgebastelter Geschenke und ermüdender Einkaufsbummel in überfüllten Innenstädten. Computerbewußte nutzen statt dessen das weltweite Angebot des Internet.
- Torsten Beyer
- Kersten Auel
Jedes Jahr aufs neue schleicht sich die kommerzielle Hochsaison durch die Hintertür in unser Leben. Wie immer - völlig überraschend - fällt Heiligabend dieses Jahr schon auf den 24.12. Und wieder haben wir mindestens die Hälfte der Verwandschaft beim Bedenken mit Geschenken vollkommen vergessen. Aber dieses Jahr wird alles anders. Electronic Commerce ist das Stichwort, und als High-Tech-Magazin sind wir mit der Geldbörse natürlich dicht am Puls der Datenautobahn.
Zunächst stellt sich die Frage nach der Bezahlung dessen, was die virtuelle Glitzerwelt feilbietet. Und da hapert es auch schon. Bekanntermaßen ist das Internet ja voller Bösewichter, die nur darauf warten, daß arglose Weihnachtseinkäufer unachtsam mit ihren Kreditkartennummern um sich mailen. Findige Zeitgenossen haben sich des Problems angenommen und Lösungen erdacht, die im wesentlichen darauf beruhen, daß die heißbegehrten Kreditkartennummern über solch' sichere Kommunikationsmedien wie das Fax übertragen werden.
Einer dieser Vertreter ist die First Virtual Holding (http://www.fv.com), die es möglich macht, alles zu handeln, was immateriell ist (zum Beispiel Software). Wenn jemand etwas Interessantes im First Virtual Service findet, fordert er eine Kopie des Angebotes verbunden mit der Kundennummer von First Virtual an. Der Verkäufer leitet die Informationen über diese Transaktion an den Internet Payment Server von First Virtual weiter, der seinerseits per EMail beim Kunden anfragt, ob die Ware befriedigend sei. Ist die Antwort 'yes', kommt es zur Kaufabwicklung, nachdem die Kreditkartennummer per Fax an den Payment Server geliefert wurde. Ein 'No' impliziert die Löschung der Daten und führt naheliegenderweise nicht zur Belastung des Kontos. Die nach diesem Verfahren angebotenen Dienste findet man im InfoHaus.
Einen etwas anderen Ansatz verfolgt DigiCash. Hier gehen virtuell tatsächlich echte Dollars (sogenanntes ecash) über die Leitung. Zahlungen auf dieser Basis verlaufen im Prinzip so, wie man das vom Geldautomaten oder dem Baumarkt an der Ecke kennt. Die Absicherung des Zahlungsverkehrs gegen böse Buben erfolgt auf der Basis von Public Key Encryption. Dazu benötigen Käufer und Verkäufer spezielle Software, die man bei DigiCash bekommen kann. Momentan sind Clients für Mac, Windows und Unix als Beta-Versionen verfügbar. Wer sie haben will, muß sich bei DigiCash als Beta-Tester registrieren und kann dann im Rahmen der Testphase bei etwas über 70 Internetshops (Links findet man bei DigiCash) einkaufen.
Nachdem so die Frage der Kohle geklärt ist, wenden wir uns den Kaufgenüssen zu. Die Menge der im Internet erblühenden Kaufangebote ist schier unglaublich. Kein Tag, an dem nicht eine noch tollere Mall aus dem Boden sprießt. Eine der herausragenden ist das Commercenet. Weniger, wegen des tollen Angebots, sondern, weil die Idee über bloßes Verkaufen hinausgeht: CommerceNet ist eine Non-Profit-Organisation (3D-Geld vom amerikanischen Staat), deren Ziel es ist, neben der Bereitstellung von Warenangeboten Infrastrukturen für Konnektivität der Kunden und Anbieter zu schaffen. Dazu zählen Netzwerkdienstleistungen, Zahlungsservices und Kataloge. Die hier erarbeiteten Ergebnisse stehen ebenfalls im Web und sind vermutlich eine gute Basis für alle, die selbst einen Internetladen eröffnen wollen.
Wer nur einen Einkaufsbummel machen will, sollte in die Euro-Mall (http://www.internet-eireann.ie/Euromall/) schauen. Die steht in Irland und behauptet von sich, mehrsprachig zu sein. Dumm ist nur, daß die meisten Seiten noch im Aufbau sind, das Warenangebot dünn ist und deutsch nur sehr marginal gesprochen wird.
Nur Mitglieder können bestellen
Für das wahre Einkaufsvergnügen ist das Internet Shopping Network (http://www6.internet.net) nicht schlecht. Die Auswahl von Angeboten gerade im Homecomputer-Bereich kann sich sehen lassen, und auch die Preise machen einen akzeptablen Eindruck. Wer was bestellen will, muß (kostenlos) Mitglied werden. Bevor man gefahrlos dem Kaufrausch frönen kann, werden über diesen Weg einige entscheidende Zahlen (Kreditkartennummern) ausgetauscht.
Zu guter Letzt ein paar sparsame Hinweise für Schnäppchenjäger. Mindestens die Begrüßungsseite ist einen Ausflug in die Scottish Business Exchange wert. In bezug auf die Services hat Electronic Commerce noch mehr zu bieten. SMART Store Virtual (http://bf.cstar.ac.com/bf/) etwa bietet einen Dienst mit dem sprechenden Namen Bargain Finder, der für einen gegebenen CD-Titel das günstigste Angebot aus einer Handvoll Internet-CD-Shops heraussucht. Wie ehrlich das ist, kann ich nicht abschätzen, aber die Idee ist super. (ka)