Schriften für lau
Da hat man sich die Finger wundgeschrieben, um das wichtige Papier termingerecht fertig zu bekommen. All sein gestalterisches Wissen hat man in die Bresche geworfen, um dann am Ende enttäuscht feststellen zu müssen, daß Courier vielleicht doch nicht der richtige Font für ein gefälliges Äußeres ist.
- Torsten Beyer
- Kersten Auel
Kein Problem bei der Fontauswahl hat, wer Zugang zum Internet besitzt, um sich dort das Sahnehäubchen für seine Papiere zu besorgen. Einleitend ist es ganz gut, sich die Grundlagen über Zeichensätze, ihren Aufbau und die Probleme beim Umgehen mit ihnen zu Gemüte zu führen.
Ein Quell unglaublicher Informationen ist der Font-FAQ-Server (www.lib.ox.ac.uk/internet/news/faq/by_category.fonts-faq.html) der Uni Oxford. Sortiert nach Themenstellung findet der geneigte "Zeichensätzer" dort alle Informationen für den Umgang mit den kleinen Buchstaben.
So gerüstet kann es losgehen mit der Suche. Der bestsortierte Server ist vermutlich der in Windoze-Kreisen gut bekannte CICA-Server. Eine kurze Beschreibung aller vorhandenen Fonts enthält die Datei INDEX. Will man nicht so weit in die Ferne schweifen, lohnt sich ein Blick nach Dortumund auf den Spiegel des ebenfalls recht bekannten Servers Garbo (ftp.germany.eu.net/pub/comp/msdos/mirror.garbo/fonts/).
Achtung!
Bei Erscheinen dieses Artikels gilt die in iX 2/96 angegebene FTP-Adresse für den CICA-Server nicht mehr. ("CICA is no longer responsible for the Windows archive. It has moved to a commerical venture at ftp.winsite.com, 199.26.178.13.")
TeX als weltbeste Satzsystem verwendet als Darstellungsformat für seine Fonts das sogenannte PK-Format. Das wiederum wird generiert auf der Basis einer metafontkonformen Beschreibung.
Die Quelle für Mac-Fonts schlechthin ist das Archiv der Universität Michigan (ftp://mac.archive.umich.edu/mac/system.extensions/font/). Je nachdem, welchen Fonttyp man benötigt, sucht man in einem der Verzeichnisse type1 (ftp://mac.archive.umich.edu/mac/system.extensions/font/type1), type3 (ftp://mac.archive.umich.edu/mac/system.extensions/font/type3) oder truetype (ftp://mac.archive.umich.edu/mac/system.extensions/font/truetype).
Neutrales Zwischenformat
X-User sind von Haus aus recht gut mit Schriften versorgt. Wem dennoch welche fehlen, der kann sich auch mit Fonts anderer Systeme trösten und mit einem der unten genannten Utilities in die X-Welt übertragen. Seit altersher ist BDF das Standardformat für X-Fonts. Aus diesem Bitmap Distribution Format wurde vor X11R5 mit Hilfe von Fontcompilern ein sogenanntes SNF (Server Normal Format) generiert, das eine architekturabhängige Zeichendarstellung enthielt. BDF stellt so etwas wie ein "Fontnormal" dar. Fehlt eine Konvertierung von Fontdarstellung A nach B, hilft bestimmt der Umweg über BDF. Ein paar der vielfältigen Fontkonverter sollen hier kurz vorgestellt werden.
ps2pk (ftp.th-darmstadt.de/pub/os/Linux/distribution/debian/debian-0.93/ms-dos/tex/) macht aus PostScript-Fonts (Typ1) TeX-Fonts, indem es die PS-Fontbeschreibungen in die von TeX verwendeten PK-Beschreibungen umwandelt. Für die Übersetzung aus der Metafontbeschreibung nach PostScript beziehungsweise umgekehrt ist das Pärchen mf2ps/ps2mf (ftp.fh-rosenheim.de/pub/mirror/dante/tex/fonts/utilities/mf2ps/) die rechte Wahl.
Will man aus TeXs PK-Fonts BDF-Typen für X machen, oder ist man umgekehrt so sehr in einen X-Font verliebt, daß man ihn unbedingt auch unter TeX verwenden will, ist man mit pktobdf (ftp://colonsay.dcs.ed.ac.uk/export/tex/pktobdf/) beziehungsweise mftobdf (ftp.cs.orst.edu/localsrc/X11R4/contrib/clients/xtex/Mftobdf/) genau richtig bedient.
Natürlich hat auch GNU etwas zum Thema im Programm. Die fontutils dienen primär der Manipulation von Bitmap Fonts. In Deutschland beispielsweise aus dem Kohlenpott als fontutils-0.6.tar.gz (ftp.germany.eu.net/pub/packages/gnu/fontutils-0.6.tar.gz) zu beziehen.
Für Menschen, die viel mit PostScript-Typ-1-Fonts rumwerkeln, mag sich ein Blick auf die T1-Utilities rentieren, die im wesentlichen die Manipulation der Fontbeschreibungen in menschenlesbare Form respektive die Umwandlung vom PFA- ins PFB-Format und umgekehrt leisten. Als Schmankerl gibt es ein Progrämmchen, das Fontinformationen aus Mac PostScript-Files extrahiert und so die Nutzung von Mac-Fonts auf anderen Systemen erlaubt.
Zum Schluß noch zwei Hinweise für alle, die immer an allem rumwerkeln müssen. Mit xfedor (ftp://sunsite.doc.ic.ac.uk/computing/graphics/systems/X11/pub/R6untarred/contrib/programs/xfedor/) oder xbfe (ftp.germany.eu.net/pub/packages/gnu/fontutils-0.6.tar.gz) lassen sich Fonts selber basteln. Beide laufen unter X11 und erzeugen BDF-Daten.
Wer bei all diesen Fonts total ins Rotieren gekommen ist, dem sei das Buch "Looking Good in Print" von Roger C. Parker ans Herz gelegt. Da steht drin, wie man die vielen Schriften effektvoll einsetzt. (ka)