Kauderwelsch

Der Kommerzialisierung zum Trotz ist die Menge derer, die Programmiersprachen erfinden und Compiler umsonst in die Masse werfen, nach wie vor sehr hoch. Um die eher kuriosen Sprachen dreht sich der heutige Beitrag.

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Lesezeit: 5 Min.
Von
  • Torsten Beyer
  • Kersten Auel

Wie immer in dieser Kolumne gilt als Maß für Kuriosität der Autor. Die Fans der nachfolgend genannten Programmiersprachen mögen mir die Positionierung nachsehen.

Wer noch unschlüssig ist, welcher Sprache sie sich als nächster zuwenden soll, schaue mal auf den SunSITE des Londoner Imperial College. Dort findet sich, hübsch alphabetisch sortiert, ein Überblick über das, was sprachentechnisch im Internet verfügbar ist. Entsprechend dem Trend der Zeit finden sich dort viele Verweise auf objektorientierte oder funktionale Sprachen.

Cecil ist eine davon. Im Rahmen eines Forschungsprojektes an der Uni Washington entwickelt - und über den dortigen Webserver (www.cs.washington.edu/research/projects/cecil/cecil/www/cecil-home.html) angeboten -, handelt es sich bei Cecil um eine Sprache primär für Rapid Prototyping. Entsprechend unterstützende Strukturen beinhaltet der Sprachumfang. Auf den netten Namen Vortex hört der zugehörige Compiler und ist, wie es sich gehört, in Cecil geschrieben und als optimierender Compiler für eine ganze Klasse von OO-Sprachen konzipiert. Man hofft, eine erste Version des Cecil-Systems 'so Anfang 1996' (im EDV-Deutsch ein Synonym für '31.12.96') unters Volk zu bringen.

Dylan, die Sprache des Newton, steht hier eigentlich primär wegen des schönen Namens. Dahinter verbirgt sich eine dynamische, objektorientierte Sprache von Apple. Ihr Ziel ist die Bereitstellung einer konsequent OO-basierten Umgebung für die Entwicklung kommerzieller Software. In mancher Hinsicht ist Dylan mit Smalltalk vergleichbar. Allerdings haben die Sprachdesigner sehr darauf geachtet, daß das Dylan-Laufzeitsystem ohne die Entwicklungsumgebung auskommt. Infos gibt es zum Beispiel auf der Dylan Home Page oder in Cambride bei der Developer Products Group (www.cambridge.apple.com/dylan/dylan.html) von Apple.

Außerdem gibt es eine Reihe von Mailinglisten zum Thema. Der Listserver dafür heißt majordomo@cambridge.apple.com, die verfügbaren Listen sind announce-dylan für Ankündigungen und info-dylan für Informationen. Neben der Apple-Implementierung gibt es mit Marlais eine Dylan-ähnliche Sprache für verschiedene Unix-Systeme. Im Rahmen des Projektes Gwydion an der CMU Universität sind Implementierungen in Arbeit. Ein erster Versuch hört auf den Namen Mindy (ftp://legend.gwydion.cs.cmu.edu/afs/cs.cmu.edu/project/gwydion/release/mindy.tar.gz).

Eine Sprache mit Ursprung auf deutschem Boden ist Eclipse (www.ecrc.de/eclipse/eclipse.html), die beim ECR in München entwickelt wird. ECLiPSe ist die Integration der ebenfalls vom ECRC stammenden Systeme Sepia, MegaLog CHIP und ElipSys. Zielsetzung dieser Vereinigung war im wesentlichen die Verbesserung der 'Alltagstauglichkeit' und Leistungsaspekte. ECLiPSe kombiniert die Prolog-Technologie von Sepia mit den persistenten Knowledge-Base-Funktionen von MegaLog sowie einem Subset der CHIP-Funktionalität.

FĂĽr Forschungsinstitute ist Eclipse umsonst, kommerzielle Nutzer mĂĽssen 10 000 DM berappen. VerfĂĽgbar ist das System auf Sun-Systemen, ICL DRS6000/SVR4, RS6000, Linux1, HP-UX 9.x, Irix und auf Delta-88k-Systemen von Motorola. Weitere Infos gibt es unter eclipse_request@ecrc.de.

Oz dient speziell der parallelen Constraints-Programmierung. Sowas brauchen zum Beispiel alle, die komplexe symbolische Berechnungen durchfĂĽhren wollen. Oz basiert auf einem neuen Berechnungsmodell, das eine Grundlage bieten soll fĂĽr funktionale und die Constraints-Programmierung sowie fĂĽr die Programmierung mit parallelen Objekten und Mehrfachvererbung. Die DFKI-Implementierung bietet eine interaktive Arbeitsumgebung mit dem GNU Emacs als Grundlage der Mensch/Maschine-Schnittstelle. AuĂźerdem dabei sind ein interaktiver Browser, ein OO-Interface zu Tcl/Tk und eine Einbettung in die unter Unix ĂĽblichen Schnittstellen (sockets) und Programmierumgebungen (C, C++). Das ganze arbeitet mit einem inkrementellen Compiler und bietet UnterstĂĽtzung fĂĽr Stand-alone-Anwendungen. Oz ist fĂĽr alle interessant, die von Lisp und Prolog die Nase voll haben und mal etwas anderes in diesem Umfeld ausprobieren wollen.

Zu bekommen ist Oz vom Programming Systems Lab der DFKI und ist verfügbar für die gängigen Unix-Plattformen sowie für PCs. Neben der reinen Entwicklungsumgebung finden sich unter obigem URL auch eine Fülle von Libraries, Beispielen und mehr.

Für alle, die Java toll, den Aufstand um die Sprache aber ätzend finden, gibt es jetzt Python. Mehr zu dieser objektorientierten Interpreter-Sprache, die vergleichbar mit Berühmtheiten wie Tcl oder Perl ist, im Artikel Objektbeschwörung in diesem Heft. Ansonsten gibt es alle wesentlichen Infos über Python auf der Phyton Language Home Page . (ka)