Heiße Brause
Was wäre das Internet ohne Web-Browser? Ein öder Haufen von FTP- oder Gopher-Servern, die den wenigen Anwendern rüde ASCII-Daten unfreundlich vor die Füße werfen.
- Torsten Beyer
- Kersten Auel
Im Gegensatz zur landläufigen Meinung bietet nicht nur der selbsternannte Marktführer Netscape ein komfortables grafisches Web-Frontend an. Daneben sprudeln viele andere Quellen, zumeist umsonst oder für wenig Geld.
Mosaic, der Veteran der Brauser-Gilde, hatte zu früheren Zeiten den Status, den Netscape heute innehat. Es gab praktisch nur dieses Produkt. Mittlerweile hat sich das geändert, und die Mosaic-Väter am NCSA sind ein wenig ins Hintertreffen geraten. Unverständlich insofern, als Mosaic nach wie vor ein sehr ordentliches, stabiles Produkt ist, das leistungsfähigen Web-Zugriff von den gängigen Desktop-Plattformen aus erlaubt. Zu bekommen ist dieser Browser seit eh und je von der NCSA Mosaic Home Page. Die aktuelle Version 3.0 (derzeit nur für MacOS) unterstützt alle HTML-Erweiterungen der übermächtigen Konkurrenz. Aber auch die älteren Versionen für Unix und die Billy-Welt sind einen Ausflug auf diesen URL wert.
Wer im wahren Leben Saab fährt, sich weigert, PCs zu nutzen und im Urlaub nach Island reist - kurzum, wer gern gegen den Strom schwimmt, sollte seinen Blick auf Arena lenken. Dieser Browser läuft unter den gängigen Unix-Systemen und entstammt der Feder von Leuten, die mittel- oder unmittelbar an der Erarbeitung von HTML+ (heute HTML 3.0 (www.hpl.hp.co.uk/people/dsr/html/CoverPage.html)) beteiligt waren. Als offizielle Referenzimplementierung des W3 Consortiums sollte Arena einen Blick wert sein, auch wenn derzeit eher verhalten an seiner Weiterentwicklung gearbeitet wird. Schließlich steht der Nachfolger Amaya, der HTML 3.2 und Style Sheets unterstüzt, schon vor der Tür.
Für diejenigen, die einfach nicht glauben können, daß der lustig winkende Zwerg die einzige Anwendung für die Hypersprache Java sein soll, empfiehlt sich ein Blick auf HotJava. Dieser konzeptionell interessant aufgebauter Web-Browser ist in Java geschrieben und wächst sozusagen dynamisch mit seinen Aufgaben. Benötigt er ein bestimmtes Modul für die Anzeige eines Web-Objekts, stellt der Anbieter des Objekts dieses einfach in Form eines (gegebenenfalls kostenpflichtigen) Java-Progrämmchens (neudeutsch Applet) zur Verfügung. Für den Anwender vollkommen transparent wird zunächst der Java-Code geladen, der dann die jeweils benötigte Funktion ausführt. Dynamische Software im wahrsten Sinne des Wortes. Neugierig geworden? Über die Web-Seite Binary Code License kann man den Browser laden, eher allgemeine Infos zur Hype-Sprache und all den dollen Sachen, die man damit machen kann, gibt es unter HotJava.
Virtuelles Stöbern
All die, die gern an der vordersten Front neuester Technologien arbeiten, sollten den reinen Web-Browsern den Rücken kehren und sich den VRML-Browsern zuwenden. Bekanntermaßen werden wir ja in wenigen Jahren eine von Datasuits, Cyberhelmen und Datenhandschuhen dominierte tumbe Masse sein, die hilflos ihre virtuellen Finger nach dem wahren Leben ausstreckt. Den Vorgeschmack auf diese wunderbare Welt bringen schon heute Produkte wie der Cosmo Player oder Sonys CyberPassage Browser. Beide unterstützen VRML Version 2.0 (Draft #2) und laufen erstaunlicherweise nur auf PCs (Win95/NT). Der Sony-Browser kann darüber hinaus Dokumente im alten VRML-1.0-Standard lesen und interpretieren. Zu bekommen sind beide über das VRML Repository (http://rosebud.sdsc.edu/SDSC/Partners/vrml/software/browsers_2.0.html). Ein kostenloses Microsoft-VRML-Add-On zum Internet Explorer 2.0 gibt es über die Microsoft Produktseite (www.microsoft.de/produkte/internet/msie20.htm#download).
Wem der Sinn nach ausschließlich VRML-1.0-konformen Systemen steht, schaue mal auf diese Seite (http://rosebud.sdsc.edu/SDSC/Partners/vrml/software/browsers.html) des VRML Repository. Hier finden sich Verweise auf eine Unzahl entsprechender Browser, diesmal auch ein paar für Unix. Und wer lange Adressen stets vergißt, merke sich einfach www.vrml.com.
Hilfe für die, die sich generell VRML-mäßig auf der Höhe halten möchten, bietet die Eingangsseite (http://rosebud.sdsc.edu/vrml/) des VRML Repository, eine exzellente Quelle für den Einstieg in diese Technologie.
So, und als krasser Gegensatz der Browser für die Harten. Das sind die Zeitgenossen, die den vi lieben und ihn nach wie vor mit h,j,k und l bedienen: Die Rede ist von Lynx. Er läuft unter Unix sowie VMS und fungiert als Web-Browser für Menschen, deren Bildschirmauflösung 80x24 Character groß ist. Die aktuelle Version 2.5 ist über FTP erhältlich.
Abschließend ein kleiner Ausflug in die Welt des Mac. Wer einen solchen sein eigen nennt, muß unbedingt mal bei Cyberdog (http://cyberdog.apple.com) vorbeischauen. Diese Software basiert auf der OpenDoc-Technologie, die unter anderem von Apple ersonnen wurde und letztlich einen Standard für zusammengesetzte Dokumente darstellt. Elemente eines solchen Dokuments können alle möglichen, elektronisch realisierbaren Objekte sein - auch solche aus der weiten Web-Welt. Mit Hilfe von Cyberdog - im OpenDoc-Sinne wohl ein Editor - kann man auf diese Weise sozusagen lebende Dokumente erzeugen. (ka)