Bytes oder Leben

Nicht nur in Computerzeitschriften, sondern quer durch den Blätterwald liest man ständig über den schnöden Kommerz im Internet. Offensichtlich ist diese Form des Handels ein brandheißes Thema.

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Lesezeit: 4 Min.
Von
  • Torsten Beyer
  • Kersten Auel

In der Juli-Ausgabe dieser Rubrik ging es primär um die Fragestellung, wie der Internet-Kommerz funktioniert und wo es die Software dafür gibt. Die seinerzeit angegebenen Adressen haben weitgehend noch Bestand. Dieses Mal geht es eher theoretisch zu, nämlich im wesentlichen um die Folgen des elektronischen Kommerz und vor allem, wie Menschen mit dieser neuen Einkaufssituation umgehen. Wie bei allen Modethemen beschäftigt sich eine ganze Heerschar akademisch, halbakademisch und kommerziell arbeitender Menschen mit diesen Fragen.

Einen ersten Überblick über die allgemeine Fragestellung des Internet beziehungsweise des elektronischen Kommerz erhielt man zum Zeitpunkt der Drucklegung dieses Artikels unter http://business.kent.edu/~dbarr/prog3.html. Dort fanden sich in knapper Form Erläuterungen zu den heute erkennbaren wesentlichen Nach- und Vorteilen dieser Form wirtschaftlichen Miteinanders.

Neugierig Gewordenen empfiehlt sich als nächstes ein Blick auf den Web-Server der Electronic Commerce Association (ECA). Diese Organisation hieß früher EDI Association und beschäftigte sich bereits mit Fragestellungen elektronischen Austausches wirtschaftlicher Daten zu Zeiten, als die Welt noch dachte, OSI-Protokolle würden ein Erfolg - konkret seit 1987. OSI-Protokolle haben sich mittlerweile als wenig erfolgreich herausgestellt, und die EDI-Organisation hat ihren Fokus etwas erweitert.

Wesentliches Ziel dieser Non-Profit-Vereinigung ist die Verbreitung elektronisch abwickelbarer beziehungsweise abgewickelter Geschäfte; nicht nur - und das ist wichtig - auf der Basis von Web-Servern. Mit über 500 Mitgliedern repräsentiert der Verein gleichermaßen die Interessen von Konsumenten, Anbietern sowie jenen, die vor allem ein Auge darauf haben wollen, wie das Geld fließt: den Banken. Diese sind übrigens - darauf wurde ich nach meinem letzten Artikel hingewiesen - mehrheitlich nicht 'altehrwürdig'.

Auf dem ECA-Server findet sich eine Reihe von Papieren zum Thema elektronischer Kommerz. Deren Aufzählung würde hier den Rahmen sprengen.

Ein weiterer wichtiger Mitspieler im Milliardenspiel um Geld und Aufmerksamkeit der Internet-Öffentlichkeit ist CommerceNet. Wie bei der ECA handelt es sich hierbei um eine Non-Profit-Organisation mit dem Ziel, die technischen, organisatorischen und rechtlichen Probleme elektronischer Marketenderei in den Griff zu bekommen. Bemerkenswert - obwohl vermutlich in ähnlicher Form auch bei der ECA zu finden - ist der interdisziplinäre Ansatz von CommerceNet. Parallel arbeitende Arbeitsgruppen widmen sich Fragestellungen, die von rechtlichen Problemen über Anforderungen bestimmter vertikaler Märkte bis hin zu technischen Details beim Austausch von Zahlungsdaten reichen.

Offensichtlich existiert keine echte inhaltliche Abgrenzung zur ECA, beide Organisationen verfolgen ähnliche Ziele. Zumindest dem Papier nach sieht es so aus, als wenn CommerceNet dabei sehr pragmatisch vorgeht. Ein Blick auf die unzähligen Aktivitäten und Zwischen-/Endergebnisse der einzelnen Arbeitsgruppen macht dies deutlich. Vom Web-Server des Vereins geht es in einige elektronische Einkaufszentren (www.commerce.net/store/index.html), die weitgehend CommerceNet-Ergebnisse umgesetzt haben beziehungsweise nutzen.

Wer wissen möchte, in welcher Weise die Internet-Gemeinschaft auf elektronisches Geld reagiert, dem sei eine Studie (http://graph.ms.ic.ac.uk/analysis) aus dem August des Jahres 1995 ans Herz gelegt. Auf der Basis einer mit 204 Teilnehmern unter Umständen nicht ganz repräsentativen Teilmenge der Internet-Nutzerschaft beinhaltet sie allerlei wichtige und unwichtige Dinge zum Thema elektronisches Geld im Internet.

Weitere Infos und Verweise auf gute Informationsquellen zum Thema Bedeutung und Bewertung elektronischen Handelns sind auf der Seite The Electronic Commerce Hot Shots (www.kingston.ac.uk/~bp_w424/welcome.html) zu finden.

Noch ein Wort zur Firma CyberCash, die mit ihren elektronischen Brieftaschen schon länger bei diesem Thema mitmischt. Mittlerweile hat das 'wallet'-System die Erprobungsphase hinter sich und befindet sich bei diversen Banken und Händlern im realen Einsatz. Auch wer sich nicht für dieses Produkt interessieren sollte (obwohl die Software für Kunden immerhin kostenlos ist), wird sich zumindest an den detaillierten Überblickspapieren zum Thema Zahlungsabwicklung im Internet und ihrer Überwachung erfreuen.

Sollte es irgendjemandem nach all diesen Zahlen, Daten und Fakten nach realen Dingen hungern, dann sei ihm ein Blick in den Cybermarkt aufs Wärmste empfohlen. Endlich muß ich nicht mehr zu meinem Dorfkrämer um die Ecke gehen, sondern kann mein Gemüse, den Wein und das Olivenöl online bestellen (und nach 'kurzer Zeit' geliefert bekommen). (ka)