Selbstdarsteller

Alle sind im World Wide Web, selbst das Fernsehen. Damit niemand hintanstehen muß, bietet das WWW selbst alles für den Aufbau eines eigenen Servers.

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Lesezeit: 5 Min.
Von
  • Torsten Beyer
  • Kersten Auel

Vielen aufmerksamen Fernsehzuschauern wird es bereits aufgefallen sein. Ein Web-Server pro Sender reicht längst nicht mehr aus. Der Trend geht dahin, jedem Kameramann und Best Boy (was macht der eigentlich?) seine Web-Präsenz zu verschaffen. Nachdem selbst WWW-Hasser wie Friedrich Küppersbusch zähneknirschend und nicht ohne vorab wortreich die Sinnhaftigkeit des Internet in Frage zu stellen, sich beziehungsweise Informationen über sich der Begutachtung vernetzter Millionen anheimstellen, scheint es nun auch an der Zeit, den Millionen iX-Lesern eben diesen Weg zu ebnen.

Dazu braucht es zweierlei: einen Internet-Anschluß und einen Web-Server. Wo man ersteren bekommen kann, findet sich in unzähligen Schriften, wo man Web-Server bekommt, folgt hier.

Zunächst empfiehlt es sich insbesondere für Neueinsteiger, ein paar Seiten über die Terminologie sowie die verwendeten Technologien und so weiter zu lesen. Eines der besten einführenden Papiere hat Kevin Hughes geschrieben. Von der einfachen Fragestellung, was WWW eigentlich ist, bis hin zu Aussagen und Studien über das, welche Informationen man im Web erwarten kann, findet der geneigte (und des Englischen kundige Leser) im Guide for Cyberspace (www.eit.com/web/www.guide/).

Historisch Interessierte werden sich vielleicht entsinnen, daß das Epizentrum der derzeit diesen Planeten erfassenden Web-Welle in der Schweiz liegt. Eben dort, beim CERN nämlich, erfand Tim Bernes-Lee 1990 die Hypertext Markup Language (HTTP) sowie entsprechende Clients und Server. Diesen Urschleim aller Web-Server gibt es sorgsam gepflegt und bis Mitte dieses Jahres auch als w3c-httpd-3.0A weiterentwickelt.

Die Arbeiten an diesem Server sind jedoch zugunsten von Jigsaw, dem neuen Web-Server des W3C eingestellt worden. Da er vollständig in Java geschrieben ist, kann jeder, dessen neue Kaffeemaschine bereits auf der Basis eines dieser neuen Java-Chips arbeitet, Jigsaw darauf laufen lassen.

Neben dem rein akademischen Reiz, einen Server in Java zu schreiben, hat die Verwendung dieser Sprache einen entscheidenden Vorteil für alle, die pfiffige Funktionen in ihren Servern anbieten wollen. Man kann Jigsaw sehr leicht um nahezu beliebige Funktionen erweitern, indem man einfach neue Resource-Objekte hinzufügt. Damit ist man bei der Anbindung an welche Daten- oder Funktionsquellen auch immer nicht mehr nur auf die typischerweise prozeßorientierte (und damit zäh handhabbare) CGI-Schnittstelle angewiesen. Zu bekommen ist Jigsaw vom Server des WWW-Consortium.

Wem der Sinn nach Erprobterem steht, mag sich mit Apache anfreunden. Angeblich ist dies der im Internet am häufigsten verwendete Web-Server. Er stellt in gewisser Hinsicht eine Weiterentwicklung des NCSA-Servers dar, verfügt allerdings über eine sehr viel größere Stabilität und Funktionalität.

Aus dieser graduellen Verbesserung des NCSA-Servers schöpft Apache auch seinen Namen. Initial ist er 'A PAtCHy server' gewesen, da sämtliche Verbesserungen in Form von Patches zu NCSA httpd1.3 eingebracht wurden. Für alle, die mit der Qualität ihres NCSA httpd nicht so recht zufrieden sind, bietet sich ein Versuch mit Apache an. Ebenso sollten auch alle die einen Versuch wagen, die neue HTML/HTTP-Features nutzen wollen (zum Beispiel dynamische Anpassung des Servers an die Fähigkeiten des Clients) beziehungsweise die einen Server benötigen, der unterschiedlich aussieht, je nachdem, unter welcher Adresse auf ihn zugegriffen wurde (multihoming).

Die Leser, die sich ihren Web-Server statt unter Unix lieber unter NT aufbauen, sei ein Blick auf das European Microsoft Windows NT Academic Consortium empfohlen. Zwar hat natürlich auch Bill Gates einen Web-Server für NT, aber warum nicht mal was Neues ausprobieren.

Das Ziel, einen persönlichen Web-Server aufzusetzen, ist technisch gesehen jetzt in erreichbare Nähe gerückt. Mit Hilfe von Web-Editoren (im Zweifel geht auch hier der seit Jahrzehnten bekannte universelle vi) kommen nun noch schnell die wesentlichen persönlichen Infos ins System, und los geht es.

Wenn dann der neue Server vor sich hintickert, interessiert es einen ja schon, ob die Seite mit Omas russischem Apfelkuchenrezept oder eher die Seite mit der Liste der verflossenen Freundinnen weltweit die höhere Akzeptanz genießt. Dieses Problem löst gwstat (http://dis.cs.umass.edu/stats/install.html), das auf der Basis von wwwstat eine grafische Darstellung aller möglichen und unmöglichen statistischen Auswertungen rund um den Zugriff auf einen Web-Server erzeugt.

Außerdem benötigt man Xmgr (www.teleport.com/~pturner/acegr), Perl, ghostscript (ftp.germany.eu.net/pub/packages/ghostscript/gnu) sowie ImageMagick, einen verregneten Sonntagnachmittag, ein paar GBytes freien Plattenplatz, und schon kann es losgehen... (ka)