Netze stricken

Die Welt ist voller Web-Server. Von Fußballmannschaften über den Verein der Barfußgänger bis hin zum konservativsten Bankhaus: alle setzen aufs WWW.

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Lesezeit: 5 Min.
Von
  • Torsten Beyer
  • Kersten Auel

Warum eigentlich soll das, was alle tun, vor der eigenen Grillfete halt machen? Sicher gibt es eine Menge Interessenten für einen Web-Server mit brandheißen Informationen zu diesem gesellschaftlichen Ereignis. Doch neben der eigentlichen Serversoftware, die täglich billiger, besser und einfacher zu bedienen ist, bedarf es vor allem der Web-Seiten selbst. Und die müssen in HTML geschrieben werden, was für viele Normalbürger ein Problem darstellt.

Aber wie immer gibt’s Hilfe im Internet: Web-Editoren. Diese unterscheiden sich im allgemeinen bezüglich ihrer Ansprüche an die HTML-Kenntnisse ihrer Anwender. Lernfähige Editoren wie jove oder Emacs sind mit den entsprechenden Konfigurationen in der Lage, HTML-Strukturen einzufärben, selbst in den Text einzufügen und so weiter. Für Emacs-Fans bietet das Reed College in Oregon einen html-helper-mode an.

Natürlich sind die wahren Füchse unter den Web-Editoren die Systeme, die den Anwender vollkommen von der Notwendigkeit befreien, HTML zu sprechen. Da gibt es solche, die vorhandene Text- oder DTP-Systeme in die Lage versetzen, Dateien im HTML-Format zu speichern, und vollkommen eigenständige Produkte. Systeme, die Editoren nur erweitern, bieten den Vorteil, bereits vorhandene Informationen einfach im HTML-Format zu speichern - dem Anwender entsteht also keine zusätzliche Arbeit. Dafür beherrschen sie im allgemeinen keine spezifisch aufs Web ausgerichteten Funktionen (zum Beispiel Einbindung von Java oder JavaScript). Dedizierte Editoren bieten im allgemeinen den Vorteil, alle Pfiffigkeiten ausnutzen zu können, die HTML bietet.

Wer unter Unix HTML editieren will, sollte einen Blick auf den "simple html editor" ASHE werfen. Er läuft unter so ziemlich allen Unixen. Web-Seiten erzeugt man grafisch und sieht dabei auf dem Bildschirm, wie der Browser es später anzeigen wird. Die aktuelle ASHE-Version hält das Rensselaer Polytechnic Institute in Troy (NY) bereit. Wie es aussieht, hat aber seit Ende 1995 niemand mehr etwas an dieser Version verändert, so daß aus ASHE wohl bald ashes wird.

GNNPress (ftp.uni-paderborn.de/ftp/disk6/unix/infosys/www/tools/editors/gnnpress) ist ein vollständiger WYSIWYG-HTML-Editor für Mac, Unix und Windows. Die Nomenklatur der unterschiedlichen Versionen ist etwas unklar, weil diverse Firmen sich gegenseitig aufgekauft und dabei meist auch den Produktnamen geändert haben. Mittlerweile heißen die aktuellen Versionen AOLPress und sind für Windows und Macintosh verfügbar. Eine Beta-Version für Unix ist in Arbeit. Neueste Geschichten darüber, warum AOL den Editor überhaupt hat schreiben lassen, liest man auf dem Webserver von AOLPress (www.aolpress.com/press). Dort findet sich eine sehr nett gemachte Bibliothek von Vorlagen und Ausschneidekunst (englisch: Clipart) für die Gestaltung von Webseiten.

Wer sich auch fĂĽr den kostenlosen Web-Server von AOL (www.aolpress.com/server) entscheidet, kann mit AOLPress direkt die Seiten des Servers manipulieren. AuĂźerdem bietet der Server Funktionen wie Volltextsuche, Datenbankanbindung und so weiter.

Für Tcl/Tk-Freunde bietet sich tkHTML an. Dieser Web-Editor läuft unter X11 und wartet mit nahezu allen, auch von "normalen" Textsystemen her gewohnten Funktionen auf. tkHTML gibt es zum Beispiel bei Sun SITE (ftp://sunsite.unc.edu/pub/packages/infosystems/WWW/tools/editing/unix/tkhtml).

T-Online bietet nicht nur einen eigenen Editor kostenlos an, sondern hat eine Auswahl von Links zu zum Teil kommerziellen Web-Editoren wie Netscape Composer/Netscape Gold oder Softquads HoTMetaL 3 zusammengestellt (www.com-online.de/computer/hpw-ol/2.htm). Und auch einen wichtigen Hinweis in eigener Sache hat T-Online auf ihrer Homepage nicht vergessen: Der Editor kann keine HTML-Dokumente bearbeiten, die mit einem anderen HTML-Editierwerkzeug erstellt wurden. Dafür soll man sich mit dem Online-Editor eine eigene Homepage auf dem Site des Anbieters (http://home.t-online.de/online/) erstellen können.

Was aber sind die schönsten Informationen wert, wenn sie nicht in bunte, blinkende, sprechende, mit Musik unterlegte Web-Seiten eingebunden sind. Für schlichte Bilder und "clickable maps" reicht ImageMagick. Will man jedoch der animierten Page, mit der der Vorstand des Karnickelzuchtvereins Pieselhausen-Süd zur alljährlichen Sitzung einlädt, etwas entgegenhalten, muß Cyberview 3D her.

Vereinfacht gesagt hilft Cyberview 3D bei der Erzeugung (oder eigentlich Darstellung) von dreidimensionalen clickable maps. Diese Servererweiterung generiert aus den Seitenbeschreibungen (normales HTML zusammen mit einem speziellen IMG3D-Tag) dynamische HTML-2.0-Formulare.

So ausgerüstete Web-Server gewinnen mindestens für die nächsten Wochen das Rennen um die übertriebenste Darstellung an sich nutzloser Informationen. (ka)