Hausse
Ron Sommer sei Dank, daß er nicht nur die Deutsche Telekom erfolgreich an die Börse gebracht, sondern auch den Deutschen vor Augen geführt hat, daß es mehr gibt als 2,25 % Zinsen auf dem Sparbuch. iX , das Zeitgeistmagazin für den technologiebewußten Jungmulti, kann derartige Trends natürlich nicht unkommentiert an sich vorbeiziehen lassen. Deswegen: heute geht es um die Kohle.
- Torsten Beyer
- Kersten Auel
Analysten sagen, daß "der gemeine Deutsche" heute mehr denn je Aktien als Anlageform zumindest ins Auge faßt, wenn nicht zum zentralen Bestandteil seiner Geldanlage macht. Natürlich tun die permanenten Rekordmeldungen von der Wall Street und aus Frankfurt ein übriges.
Wer sich mit Bärenfallen, Bullentendenzen, Kopf-Schulter-Formationen und ähnlichen Termini noch nicht auskennt, sollte sich zunächst mal im Bereich der Börsensprache trainieren. Leider sind mir keine guten deutschen Server zu diesem Thema bekannt. Da sich im Deutschen jedoch ohnehin ein Trend zur Verwendung des Denglischen ausmachen läßt, leistet an dieser Stelle ein US-Server womöglich ebensogute Dienste. Unter dem Stichwort Motley Fool bietet eine Art Aktienclub sein gesammeltes Wissen feil. Unter anderem finden sich dort ganz gute Übersichten zur Börsensprache. Die meisten Wörter braucht man nur wörtlich zu übersetzen (oder gar nicht, das reicht oft), und man hat das zugehörige denglische Wort.
Für den unentschlossenen Anleger gibt es beim Stuttgarter Aktien-Club eine Bewertung und Einschätzung von Aktien.
Der gewitzte Anleger braucht natürlich in erster Linie eines: Informationen. Und zwar nicht die Geheimtips, die jeden Monat in Capital und ähnlichen Magazinen einem Millionenpublikum als neueste Neuigkeiten verkauft werden, sondern schlichte Wirtschaftsdaten. Die kann man umsonst an verschiedenen Stellen aus dem Internet bekommen.
Auch Stadtsparkassen "webben" mit
So hat die Bank 24 einen schönen, kostenlosen Chartservice (www.bank24.de/cgi-bin/cgichart) auf ihrem Webserver laufen, der Tagesabschlußkurse sowie die der letzten 200 Börsentage in einer netten Grafik enthält. Das Ganze ist angereichert um diverse Trendlinien und einige Kennzahlen (bei deutschen Unternehmen). Für jeden, der an Chartanalyse glaubt, ist dies der richtige Startpunkt. Man kann über Namen oder Wertpapierkennummern nach Aktien, Renten und Fonds suchen und sich die entsprechenden Infos in unterschiedlichen Auflösungen anzeigen lassen.
Ein kleines Archiv mit Börsentips, Anlageempfehlungen und Trendanalysen bietet die Stadtsparkasse Augsburg (www.financial.de/research/welcome.htm), die selbstverständlich dazu tendiert, da und dort ihre eigenen Finanzprodukte zu präferieren. Dennoch ist dieses Archiv eine gute Bereicherung gerade bei historischen Kursbetrachtungen.
Für eine schnelle, halbwegs aktuelle Kursabfrage bietet sich Telestock an. Neben Kursinformationen (Zugriff über Namen, Tickersymbole oder WKN) gibt es dort ausgewählte Schlußkurse zum Herunterladen und Weiterverarbeiten im Quicken- oder MS-Money-Format sowie allgemeine, für den Anleger relevante Informationen wie Termine der nächsten HV, Marktkapitalisierung und so weiter über viele in Deutschland und USA gehandelte Unternehmen.
Durch die Web- und durch die rosa Brille
Einen gesamtbörslichen Überblick gibt die Gruppe Deutsche Börse. Mit fünf Minuten Verzögerung erscheinen dort die aktuellen Notierungen der 30 Dax-Werte. Wer lieber das Bild aus den Nachrichten sehen will (das mit den wild gestikulierenden Händlern und der Dax-Grafik an der Wand), schaue direkt aufs Parkett.
Für die deutsche Wirtschaft liefert das Financial News Network einen Überblick. Neben den aktuellen DAX-Notierungen bietet dieser Server Kurznachrichten aus der Wirtschaft (wer mit wem wieder was gemacht hat), die jeweiligen Zwischen- und Endberichte der Börse sowie Features über aktuelle wirtschaftliche Ereignisse. Das macht den Wirtschaftsteil der Zeitung fast überflüssig. Und nicht umsonst taucht dieser Service regelmäßig auf dem Financial Information Warehouse unter den Top 10 der deutschen Wirtschaftsserver auf.
Den Gesamtüberblick über das Wirtschaftsleben wird sich der trendbewußte Investor natürlich einer rosafarbigen Zeitung entnehmen. Das Lesen der Financial Times sieht gut aus - gerade auch in der U-Bahn oder im Café - und wird sicherlich helfen, staunende Blicke zu erheischen. Allerdings bietet dieses Print-Medium meist wenig mehr Informationen und die wahrscheinlich noch dazu unverständlich. Wer also mit wenigen Blicken die für ihn wesentlichen Wirtschaftsinformationen erfassen will, ist mit dem Internet wahrscheinlich doch besser bedient.
Jedem seinen Wirtschaftsteil
Mittlerweile erlauben eine Reihe von Servern dem interessierten Anleger, sein Portfolio verbunden mit den für ihn wichtigen Infos zusammenzustellen - gewissermaßen den persönlichen Wirtschaftsteil.
Da wäre einmal excite, ein Online-Informationssystem, das so ähnlich aufgemacht ist wie eine Tageszeitung. Es informiert interaktiv über die wesentlichen Nachrichten dieser Welt, ruft Aktienkurse ab und erlaubt einen Blick auf das Wetter in Semipalatinsk. Der Besucher dieses Site kann aber auch seine eigene Zeitung zusammenstellen, sein persönliches Aktienportfolio ablegen und seine Interessenslage hinsichtlich Wirtschafts-News hinterlegen. Das alles funktioniert gut und einfach, und excite ist sogar so nett, auszurechenen, was das persönliche Stockportfolio gerade wert ist. Voraussetzung ist allerdings, daß man Aktien verfolgt, die an US-Börsen gehandelt werden. Jedoch fällt die Nachrichtenqualität ziemlich ab, wenn man den nordamerikanischen Kontinent interessensmäßig hinter sich läßt. Insofern nützt dieser an sich schöne Service vor allem denen, deren wirtschafltiche Interessen auf Nordamerika gerichtet sind.
In deutschen Landen oder weltweit
Scheut man sich nicht, für den Dienst zu bezahlen, bietet das Wall Street Journal in seiner interaktiven Form ein ähnliches Servicespektrum sogar noch etwas detaillierter.
Der in der heimischen Scholle investierende Jungaktionär findet bei Lycos unter dem Stichwort "Geld" (http://webguide.lycos.de/geld) einen guten Überblick mit reichlich Verzweigungen zum Thema Geldanlage in deutschen Landen.
Anleger, die sich in den USA engagieren wollen und sich gegebenenfalls auch nicht scheuen, größere Beträge zu investieren, tun gut daran, sich die Adresse der Securities and Exchange Commission unter das heimische Kopfkissen zu legen. Dort gibt es Jahres-, Aktienausgabe- sowie Quartalsberichte und dergleichen mehr von allen amerikanischen Unternehmen, die an der Börse gehandelt werden, beziehungsweise die mehr als einer Person gehören. Die Rubrik "Search Edgar Files" enthält entsprechende Infos. Für den Neueinsteiger sind die Formulartypen 10K und S1 (muß man bei der Suche angeben) am wichtigsten.
Alle, die sich mit dem Internet-Kram am Ende doch nicht recht anfreunden können und etwas Handfestes vorziehen (oder Informationen am liebsten dort konsumieren, wo auch der Kaiser allein hingeht), sei der papierene Aktienberater von Uwe Lang wärmstens ans Herz gelegt. (ka)