Völlig durchgeschraubt
- Barbara Lange
- Barbara Lange
Inkompatible Hardwarekomponenten, versteckte Dipschalter, fehlende Treiber, über den Bildschirm laufende Figuren, blinkend, hüpfend, javagetrieben - der Bosheit wilder, bitverliebter Männerhorden entsprungen? Wenn dem so ist, dann nicht mehr lange: Compaq will einen Frauen-PC bauen, ganz nach den Wünschen der Leserinnen von Cosmopolitan. Erste persönlich evaluierte Reaktionen reichen von 'So'n Quatsch' bis hin zu Aussagen, von denen das seufzend dahingehauchte 'Frauen und Technik' noch zu den harmlosen gehört.
Wer will, kann auch Gönnerhaftigkeit erkennen: Wir bauen Euch einen PC, den sogar Ihr Frauen bedienen könnt. Ist die Initiative 'Frauen-PC' sexistisch, da sie nur alte Vorurteile abruft und nichts dafür tut, beispielsweise den Frauenanteil in der Computerbranche zu erhöhen? Oder den Computeranteil in der Frauenbranche?
Warum eigentlich 'Frauen-PC'? Warum nicht auch Senioren-PC, Behinderten-PC, ein Schwulen- und Lesben-PC wäre auch nicht schlecht, ja, und dann der deutsche-Bundes-PC (kurz BC), Fitneß-Biker-Techno-PC. Ein monumentaler Mega-Gag: der Gratis-PC. Und der Mutter-PC, als große Mutter Erde, der die tollgeistigen Männer in ihren frostigen grauen Kisten wärmt. Oder als Frauen-PC, der sich sein CO2 aus der Luft holt und das H2O aus der Erde. So wächst er dann in Wäldern und an Stränden, wo wir, uns die Cyberbrille aufsetzend, auf die Unsterblichkeit warten. Halleluja.
Ohne Vorurteile kann er wohl nicht leben, dieser Gedanke 'Frauen-PC', dann aber ermöglicht er auch Visionen und stellt alte Gewohnheiten in Frage. Ein Computer habe sich, so Compaq, den Bedürfnissen von Menschen anzupassen und nicht umgekehrt. Vorausgesetzt, es handelt sich nicht nur um einen - zugegeben ziemlich guten - Werbegag: Sollten sich Wünsche von Frauen und Männern wirklich so grundlegend voneinander unterscheiden?
Der Fokus auf 'die Frau' richtet gleichzeitig den Schwerpunkt auf die Familie, auf nichtprofessionelle Anwenderinnen und Anwender, die einen einfach nur funktionierenden, modernen und leicht handhabbaren PC wünschen, inklusive überschaubarer WWW-Browser, damit sie das tun können, was sie tun sollen: Online shoppen, Urlaub buchen, Preise vergleichen, Lernprogramme für die Kinder bereitstellen, Lohnsteuerjahresausgleich, Bankgeschäfte... Und die meisten Männer hören, was Kaufentscheidungen innerhalb der Familie anbelangt, auf ihre besseren Hälften. Das steht fest.
Solange aber der Computer mehr Arbeit macht, als er abnimmt, wird ein Warenkauf über das Internet scheitern. Wäre ein Staubsauger ähnlich kompliziert strukturiert - die Feinsaugtülle inkompatibel mit dem Hauptsaugstutzen, der Beutelbus unverträglich mit dem neuen Ökotreiber - die Menschen würden sich ihre Wohnungen mit dem Besen reinigen. Wollten Newcomer im Reich der Einsen und Nullen diesen aber online kaufen - durchschraubte Wochenenden wären vorprogrammiert, bis das vorhanden ist, was die männlich geprägte Computerwelt anerkennend 'Ahnung haben' nennt.
Und wer darf ihn benutzen, den 'Frauen-PC'? Jeder Mensch, der drei Sätze über Computer sagen kann, ohne auch nur eine einzige Abkürzung zu benutzen. (bl)