Yet Another Monopoly

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Von
  • Henning Behme

Die Begriffe 'Jihad' und 'Pollution' sind in den letzten Wochen in der nach oben offenen Buzzword-Skala einige Punkte geklettert. Und das alles nur, weil Microsoft-Mitarbeiter vom Chef abwärts sich in einen religiösen Kampf mit einem kleinen Konkurrenten hineinsteigerten.

Heiliger Krieg gegen Netscape und Verschmutzung von Java sind die beiden Mittel, mit denen die Redmonder 'Mittelstandsfirma' ihre Pfründe sichern will. Im ersten Fall kann man fast schon von einem Erfolg sprechen, denn mit der erst vor einem halben Jahr ausgesetzten Lieferung von W 95 und IE4 im Bundle hat Gates den Marktanteil des IE von lächerlichen drei bis vier Prozent auf über 50 hieven können. Bei Netscape wußte man sich keinen anderen Rat, als den Source für den Navigator freizugeben und der (Linux-)Entwicklergemeinde die Weiterentwicklung des Web-Browsers zu überlassen.

Was Java angeht, ist die Zahl der Gegner größer, und sie sind mächtiger: neben Sun stehen Oracle und die IBM. Microsoft setzt hier auf die schleichende Unterwanderung des plattformübergreifenden Charakters der Sprache: spezifische Klassen, die die Arbeit für Programmierer unter Windows und nur unter Windows erleichtern, würden damit schnell aufräumen.

Letztlich geht es darum, daĂź das Internet, vertreten durch das Anwendungsprogramm Navigator, drohte, den Kauf respektive die Benutzung eines bestimmten Betriebssystems obsolet zu machen. Als Hersteller des dominierenden OS kann das Microsoft nicht gleichgĂĽltig sein.

Wie eine solche Firma versucht, die vermeintliche Bedrohung abzuwenden und gleichzeitig einen neuen Markt zu gewinnen, ist bei der Größe von Microsoft auch für die Wettbewerbshüter von Interesse.

Gedanken um die Gefahren einer wirtschaftlichen Monopolstellung haben sich US-Juristen schon im vorigen Jahrhundert gemacht; seit 1890 existiert der sogenannte Sherman Act, der den Wettbewerb regelt. Zu den bekanntesten 'Opfern' dieses Gesetzes zählten Rockefellers Öl-Imperium und AT&T.

Im heutigen Justizministerium will man verhindern, daß Microsoft sich das zweite Monopol schafft: nach dem Betriebssystem den Internet-Viewer. Gates ist dem immer wieder damit begegnet, daß Sinn der Gesetzgebung nicht sein könne, die technische Entwicklung zu hemmen.

Schön, daß er sich solche Sorgen um den Fortschritt macht ... Mindestens auf Java bezogen wirkt diese Sorge allerdings mehr als vorgeschoben, denn hier bedeuten Microsofts Aktivitäten definitiv, daß der technische Fortschritt (Hardwareunabhängigkeit, Offenheit) gebremst wird.

Wie das Fest der Softwareentwicklung weitergehen könnte, ist leicht zu ahnen: 100 Prozent pur Microsoft. Warum sollte ein Betriebssystem nicht auch ein DBMS enthalten - arme Oracle und Informix. Oder eine Groupware-Lösung - arme IBM (Lotus). Oder ...?

Dann haben wir wenigstens ein mächtiges neues Akronym: YAMM. Yet Another Microsoft Monopoly. (hb)