Wir sind die Roboter

Erinnert sich noch jemand an den Kraftwerk-Song zum Thema Roboter? So fremd wie das zugehörige Video damals auf uns wirkte, so normal müssen die künstlichen Gesellen den Kindern von heute erscheinen. Schließlich bietet selbst Lego entsprechende Baukästen an.

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Lesezeit: 6 Min.
Von
  • Torsten Beyer
  • Kersten Auel
Inhaltsverzeichnis

Fasziniert habe ich damals das Video der Rockgruppe Kraftwerk angeschaut, wo die Roboter aussahen wie die Band-Mitglieder. Fasziniert ließ ich mich Jahre später durch die berühmte VW-Roboterhalle führen, wo eher klobige Maschinen Autos bauten - in nahezu vollkommener Abwesenheit von Menschen. Zumindest auf die, denen sie nicht die Arbeit wegnehmen, üben Roboter auch heute noch eine gewisse Faszination aus.

Dennoch: ein Roboter im Wohnzimmer ist bei uns zu Hause nicht mehrheitsfähig. Er ist zu groß, sieht nicht schick aus, und last, but not least - er kostet ein Vermögen. Bleibt also nur, die Menschmaschine selber zu bauen.

Das - zumindest auf dem Bildschirm - spannendste System, das ich in diesem Zusammenhang finden konnte, kommt von Lego und heißt Lego Robotics Invention Kit. Lange Zeit war es nur in den USA und in England zu haben. Seit Anfang November hat es das Produkt auch auf den deutschen Markt geschafft. Als Grund für diesen doch recht langsamen Roll-Out nennt Lego, daß seine Roboter vom PC aus programmierbar sind und die Software dafür in der jeweiligen Landessprache verfügbar sein soll. Das kostet leider Zeit.

Dafür aber hat es das System in sich: Eine mobile Zentraleinheit ist erweiterbar durch Legobausteine, die Sensoren oder Motoren enthalten. Deren Steuerung übernimmt die Zentraleinheit, die sogenannte RCX. So kann man sich zunächst den mechanischen Teil des Roboters bauen und ihn mit allerlei Sonderbausteinen anreichern. Die Frage ist nur, wie bringt man die Zentraleinheit dazu, etwas mit ihrer Sensorik und Motorik zu tun?

Hier kommt der PC ins Spiel. Der Lieferumfang des Robotersystems enthält eine CD-ROM mit einem Entwicklungssystem. Bei diesem RCX-Code handelt es sich um eine grafische Programmiersprache, die - so scheint es - mit relativ geringem Aufwand erlernbar ist. Auf Basis dieser Sprache entwickelt der jugendliche (oder junggebliebene) Robotiker die Kontrollogik, die per Infrarotsender (wird mitgeliefert) auf die RCX geladen wird. Damit ist der Roboter fertig und kann losfahren, fliegen oder das tun, wonach sonst der Sinn seines Schöpfers stand.

Das Ganze klingt nicht nur faszinierend, es wird auch von einer ebensolchen Webseite flankiert. Neben allgemeinen Informationen über das Produkt, Hinweisen für besorgte Eltern und einem Händlernachweis findet sich dort eine Unzahl von Informationen zum Bau von Robotern mit dem Baukasten. Damit haben Einsteiger fix einen faszinierenden Prototyp zum Spielen. Darüber hinaus gibt es unter ‘Program’ (ja genau, schon wieder ein Webserver mit Frames) Programmierbeispiele für typische Fragestellungen (losfahren, Kurven nehmen und so weiter). Zum Teil sind diese Beispiele sogar mit einer Simulation versehen, so daß man sich leicht in die Logik der Sprache einfinden kann.

Leider zielt dieses Produkt im Moment nur auf den US-Markt. Allerdings, wer sich mit einem englischsprachigen Entwicklungssystem abfinden will, kann versuchen, es per Mailorder zu bekommen. Soweit ich das prüfen konnte, haben es zumindest die folgenden beiden Online-Shops vorrätig: Toys"R"Us und Hammacher. Es überrascht nicht weiter, daß solch ein System preislich leicht über den klassischen Lego-Angeboten liegt. Derzeit müssen circa 230 Dollar plus Shipping und Zoll über den virtuellen Ladentisch gehen, bevor der Kaufwillige in den Besitz des Basisbaukastens kommt. Der enthält immerhin über 700 Teile und kann durch zwei Erweiterungskästen aufgestockt werden.

Wer Lego mag, aber keine Lust hat, eine Handvoll Dollar auszugeben, nur um eine nahezu fertige Roboterumgebung zu kaufen, kann es auch härter haben. Die Roboter-Interessensgruppe (http://www-sqi.cit.gu.edu.au/~tracy/acs_sig/workshop1/) der Universität Queensland (Australien) beschreibt die Regeln und Bauteile für den Legobotics Workshop. Basierend auf einem Microcontroller und mehr oder weniger normalen Legobausteinen baut die Gruppe Legoroboter, die dann in einen Wettstreit untereinander treten.

Vergleichbares gibt es selbstredend beim MIT (Beschreibung eines Legobotics-Seminars für Studenten der Universität). Zweifler, die sich nicht vorstellen können, wie solche Roboter aussehen beziehungsweise daß man sowas überhaupt mit Lego hinbekommt, finden hier den Beweis . Dort sind die Resultate des letzten Kurses ausgestellt. Im übrigen stammt die Idee des programmierbaren Legoboters natürlich nicht vom Hersteller allein. Die Vorarbeiten hierzu haben ihren Ursprung auch am MIT, und zwar in der Epistemology and Learning Group des Media Lab. Man kann den Ur-RCX mit intelligenten Legosteinen bewundern und nachlesen, wie stolz die Wissenschaftler sind, ihr Produkt nun bei Lego bewundern zu können.

Nachbauen kann man das Design der Gruppe auch (zumindest in etwa). Beispielsweise mit einer Bauanleitung für den Microcontroller, der das Herz des Roboters darstellt. Alle, die den Umgang mit Lötkolben und Hammer nicht scheuen, können hier sicherlich eine Menge Geld sparen und reichlich Spaß haben. Wer zwar das Kleben und Schrauben, nicht aber das Löten schätzt, tut gut daran, nachzuschauen, wer ihm das fertige Board verkauft.

Software dafür gibt es auch. Das Ganze basiert auf Interactive C. Und alle, die sich das Legoprodukt nicht kaufen können, weil sie einen Mac haben, mögen nun beruhigt aufatmen. Das Original können sie auch von einem Mac aus programmieren.

Dabei wird mir schmerzhaft bewußt, wie wenig kreativ deutsche Unis zu sein scheinen. Weder die Bastelroboter meines ‘Wearable-Computing’-Artikels noch die überaus interessanten und für Studenten garantiert lehrreichen Legoroboter habe ich auf einer deutschen Webseite gefunden. Sind die Unis so träge, oder sind sie nur zu beschäftigt mit noch fetzigeren Ideen, so daß ihnen keine Zeit bleibt, ihre Projekte ins Web zu stellen? Ich habe garantiert ein offenes Ohr für gute Hinweise.

Wer nach soviel Roboterinfos Spaß an der Sache gefunden hat und selbst aktiv werden will, kann sich hier über den Stand der Technik (http://www.leglab.ai.mit.edu/leglab/background/background.html) informieren. Im MIT Leg Lab bauen sie laufende Roboter - auf mehreren, zwei und sogar einem Bein. (ka)