Geist des TOS
- Henning Behme
Plötzlich sind die Worte ‘Terms of Service’ (Benutzungsbedingungen) sowie das Akronym TOS in fast aller Munde. Und das nur, weil Yahoo als neuer Eigentümer des kostenlosen WebHoster GeoCities (seit Januar) deren alte Benutzungsbedingungen neu formuliert hat. Für Aufregung und eine Boykottsite (http://come.to/boycottyahoo) gesorgt hat der Inhalt von Punkt 8, in dem es heißt:
By submitting Content to any Yahoo property, you automatically grant, or warrant that the owner of such Content has expressly granted, Yahoo the royalty-free, perpetual, irrevocable, non-exclusive and fully sublicensable right and license to use, reproduce, modify, adapt, publish, translate, create derivative works from, distribute, perform and display such Content (in whole or part) worldwide and/or to incorporate it in other works in any form, media, or technology now known or later developed.
Im Klartext: sämtliche Nutzungsrechte liegen bei Yahoo. Was manchem dabei besonders aufstieß, sind Wörter wie ‘unwiderruflich’, ‘sublizenzierbar’ und daß Yahoo sich vorbehält, von Nutzern zusammengestellten Inhalt zu vermarkten. Ein von Wired zitierter Jurist, David Post, hatte schon einen Tag nach Eröffnung der Yahoo-GeoCities-Site vermutet, daß Yahoo sagen werde: ‘Das haben wir nicht gewollt.’
Zunächst hatte es sogar geheißen, daß jeder, der seine GeoCities-Homepage modifiziert, damit die neuen Nutzungsbedingungen akzeptiert und sich des Eigentums daran begibt. Denn wie unter der erstgenannten URL nachzulesen ist, beginnt Abschnitt 8 erst seit kurzem (= nach den Protesten) mit folgendem Satz:
Yahoo does not own Content you submit, unless we specifically tell you otherwise before you submit it.
Bevor Leser selbst angesichts des einschränkenden Vor-Satzes in Wut geraten, sei darauf hingewiesen, daß andere WebHoster wie das zu Lycos gehörende Tripod (http://www.tripod.com/planet/membership/signup/tos.html) oder Microsofts gerade entstehender Homepage-Service fast identische Nutzungsbedingungen ihr eigen nennen - schon um sich gegen Klagen wegen anstößigen (‘objectionable’ heißt das bei Yahoo) Inhalts zu versichern.
Urheberrechtlich interessant ist der Vorfall vor allem deshalb, weil er Yahoos Versuch darstellt, sich etwas anzueignen, nachdem man in der Gestalt des Voreigners einen Dienst kostenlos angeboten hatte. In der notorisch kostenbewußten Internet-Gemeinde kann das nur schiefgehen. Deren Mißtrauen ist schon geweckt, wenn, wie Ende Juni, ein Open-Source-Projekt Geld zum Weitermachen benötigt und deswegen unter den Mantel einer investitionsbereiten Firma schlüpft.
So geschehen mit Slashdot, einem in der Linux- und Open-Source-Szene weltbekannten Newsdienst, den jetzt Andover übernommen hat. Slashdots Macher Rob Malda (‘CmdrTaco’) und Jeff Bates (‘Hemos’) werden, wie es in der eigenen und der Andover-Mitteilung (http://www.AndoverNews.com/cgi-bin/news_story.pl?3159,topstories) heißt, ihre Arbeit fortsetzen wie bisher, allerdings unter besseren finanziellen Bedingungen.
Nur mit einem Übermaß an Mißtrauen gesegnete Surfer fragen sich, wie lange. Auch: wie lange Yahoo-GeoCities kostenlos bleiben kann.
Die eigene Meinung umsonst publizieren zu können ist wohl nur ein kurzer Traum. Allein das Einblenden von Werbung dürfte auf Dauer nicht reichen. Vielleicht bleibt ja wenigstens das Usenet als Hort des Nicht-Kommerziellen. (hb)