Reisefieber
Ferienzeit, schönste Zeit - vorausgesetzt, man steckt nicht bei 30 Grad im Schatten im Stau oder muß das Appartement mit Kakerlaken teilen. Wer vorausschauend das Internet befragt, kann viele dieser Tücken umgehen.
- Torsten Beyer
- Kersten Auel
Endlich ist es wieder Sommer. Die ersten Ferien sind ausgebrochen und mit ihnen Hunderttausende deutscher Touristen auf der Suche nach Erholung oder Action bis zum Umfallen. Während sich die einen in kilometerlangen Staus gen Nord- oder Ostsee quälen, warten die anderen stundenlang in überfüllten Flughäfen auf ihre verspäteten Touristenbomber. Spätestens jetzt wird vielen Reisenden klar, daß eine gewaltige Lücke klafft zwischen dem, was erfahrene Werbefachleute in die Reisekataloge drucken, und dem, was die Realität diesen Bildern entgegenzusetzen hat.
Ganz schlimm wird es, wenn sich das im Katalog noch so traumhaft anmutende Ferienparadies ganz unversehens in eine Ferienhölle verwandelt - umgeben von Preßlufthämmern oder tobenden Ravern. Gut, wenn man im Vorfeld das Internet befragen kann, um sich zumindest vor den ganz großen Überraschungen zu schützen.
Naheliegend sind die unzähligen Reiseberichte im Internet. Derzeit sind fast 150 deutschsprachige Reiseberichte abrufbar - von der Ägypten-Rundfahrt bis zur Wohnmobiltour. Sie sind insofern klasse, als sie tatsächlich Erlebtes beschreiben. Zudem besteht bei nahezu allen die Möglichkeit, den Verfasser direkt zu kontaktieren und gezielt nachzufragen.
Eine weitere informative und optisch ansprechende Liste bietet das Internet-Reiseforum. Die Menge der Reiseberichte reißt einen zwar nicht direkt vom Hocker, dafür decken sie einen geographisch weiten Bereich ab. Jeder Bericht ist mit einer Bewertung (null bis vier Sonnen) versehen, die direkt auf der Übersichtsseite hilft, gute von weniger guten Reisezielen zu trennen.
Wenngleich das Internet wahrscheinlich nicht unmittelbar die Ablösung des guten alten Baedecker bewirken wird, bietet es doch wertvolle Informationen für die Urlaubsvorbereitung im heimischen Nieselregen. Aufgegliedert nach Regionen gibt es dort unzählige Angebote - in vielen Fällen nicht-kommerzielle Informationen.
Für Bahntouristen - insbesondere Jugendliche - bieten die europäischen Bahnen seit Jahrzehnten Interrail-Reisen an. Ich kenne kaum jemanden, der auf einer solchen Tour war, und der nicht einen ganzen Abend lang verwegene Geschichten zum besten geben könnte. Wer sich mit dem Gedanken trägt, Europa selbst einmal per Bahn zu erkunden, kann im Internet an den unterschiedlichsten Erfahrungen anderer Interrailer teilhaben. Dabei besticht die Interrail-Site durch ein professionelles Design und eine schier unendliche Fülle praktischer Informationen.
Für die ultimative Information zum Thema Reisen mit der Bahn verbindet man sich mit der Deutschen Wanderjugend. Die migranten Jugendlichen haben auf ihrer Web-Seite Links zu nahezu allen offiziellen europäischen Bahnen. Daneben gibt es für fast jede dieser Gesellschaften einen inoffiziellen Verweis, den Bahnfans beziehungsweise Vielreisende pflegen. Kurioserweise kommt die Fanseite der DB (http://fistral.ncr-css.co.uk/users/jao/Germany/Germrail.htm) von der Insel.
Läßt man sich eher von mondänen Ereignissen leiten, bietet sich ein Blick auf einen Veranstaltungskalender mit globaler Anziehungskraft an, inklusive der Empfehlung für die standesgemäße Unterbringung. Für den Juli wird dort beispielsweise auf das Bullenrennen in Pamplona verwiesen …
Autofahrers Freud und Leid
Will man mit dem Automobil auf Entdeckungstour gehen, empfiehlt sich ein Blick auf die Website des Falk-Verlages - das sind die mit den irrwitzig gefalteten Stadtplänen, die keiner mehr zusammengelegt bekommt, wenn sie mal runtergefallen sind. Neben all den kommerziellen Verlagsangeboten offerieren die Falks eine kostenlose Reiseroutenplanung für Deutschland. Um sicherzugehen, daß man beim Umherfahren nicht geblitzt wird, sollte man sich vorher darüber informieren, wo sich stationäre Fallen befinden.
Wer mit dem eigenen Vehikel weitere Touren unternehmen will, kann mit Unterstützung eines Routenplaners europaweite Routen planen. Bei meinen Versuchen, eine günstige Verbindung zwischen meinem Heimatdorf und einem kleinen Dorf in Schweden zu ermitteln, hat dieser Service nicht nur gut, sondern auch schnell geplant. Ein Druck auf den Knopf ‘Wegbeschreibung’ produziert eine druckbare, detaillierte Wegbeschreibung.
Natürlich sind der fahrenden Freude gerade zur Hauptreisezeit verkehrstechnisch enge Grenzen gesetzt. Ganze Heerscharen von Planern bemühen sich bei den Straßenverkehrsämtern jedes Jahr aufs neue, maximal viele Baustellen in die Ferienzeit zu legen. Nach dem altbekannten Prinzip von Actio und Reactio stellen die Behörden auf diese Weise sicher, daß unser Straßensystem nicht völlig überlastet wird, und ein guter Teil Urlaubswilliger angesichts des Stau-Chaos auf bundesdeutschen Autobahnen doch lieber ans heimische Baggerloch radelt. All die, die diese Bemühungen der Beamtenschaft gar nicht witzig finden, können sich vor der Abreise zum Beispiel über http://www.freiefahrt.com (auf Staus klicken, die haben Frames!) eine Linkseite verschiedener Stau-Infodienste anschauen. Eine Warnung vorab, die Informationen kommen von den großen Radiosendern. Zumindest für den Bereich des WDR gilt, daß die Staus in der Regel erst gemeldet werden, wenn sie sich schon wieder auflösen. Alternativ bietet der ADAC entsprechende Information an. Dumm allerdings, daß dieser Dienst nur ADAC-Mitgliedern offensteht.
Opel bietet einen Service zur Verkehrslage auf der Basis irgendwelcher Telematikinformationen an, der zumindest in der Theorie nur besser sein kann als das Radio. Unabhängig von der Qualität der eigentlichen Verkehrsinfos verdient Opel den Preis für die konfuseste Web-Präsentation der Neuzeit. Klickt man oben links auf ‘Aktuelle Verkehrslage’ - vor allem der untere Bereich der Seite ist völlig zu vergessen -, baut sich ein aktueller Verkehrslagebericht in der oberen Bildschirmhälfte auf. Laut Opel werden die Informationen in Abständen von fünf Minuten aktualisiert. Alles in allem eine informative Seite in leider grausamen Kleid.
Der Landschaftsverband ‘Rheinland’, verantwortlich für Baustellen auf den Autobahnen in der gleichnamigen Region, bietet eine täglich aktualisierte Liste von Baustellen und macht Vorschläge, wie man sie umfahren kann. Allerdings hat sich der verkehrstechnische Zähfluß auch auf die Antwortgeschwindigkeit dieses Servers ausgewirkt. Vermutlich gibt es so was auch für andere Regionen, allein, ich hab’s nicht finden können. Österreich (http://www.oeamtc.at/aktuell/verkehr/autofax1.htm) bietet diese Information zentral für die gesamte Republik an.
Wem es zu stressig ist, selber zu fahren, und wer sich vielleicht auch noch gar nicht auf einen Reisepartner oder eine -partnerin festgelegt hat, kann bei der Reisebörse nachsehen, wer wohin fahren will, oder selber ein Gesuch aufgeben.
Kleiner Reise-Knigge mit Sprachkurs
Bedauerlicherweise pflegen die Eingeborenen im Ausland (Mallorca, die Kanaren und andere exterritoriale Gebiete der BRD mal ausgenommen) oft die Unsitte, eine eigene Sprache zu sprechen. Ist dies in Bayern im allgemeinen für den Durchschnittsdeutschen noch halbwegs handhabbar, stellen sich in ferneren Regionen doch ernste Probleme ein. Der Reisende sieht sich gezwungen, die fremde Sprache zumindest bruchstückhaft zu erlernen und diese Kenntnisse auch anzuwenden.
Hilfe bietet hier ein Verlag mit sogenannten Reisesprachführern zum Herunterladen (http://www.infodirekt.com/walktalk/Download.html) für Italien, Thailand, Mexiko und Venezuela an. Diese ziemlich umfänglichen Werke sind eine Art Kombination aus Ratgeber in lokalen Umgangsformen und kompaktem Sprachführer. Wer in eines der genannten Länder zu reisen gedenkt, tut gut daran, vorher einen Blick auf diese Site zu werfen. (ka)