Zapf, Ding, Bats ...

Zwei Dinge haben Comics und das Internet gemeinsam: Das Angebot ist unüberschaubar, und man ist im Handumdrehen einmal um die Welt gereist.

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 9 Min.
Von
  • Torsten Beyer
  • Kersten Auel
Inhaltsverzeichnis

Computermenschen assoziieren den Titel dieses Artikels zweifellos mit einem Schrifttyp. Das zeigt einmal mehr, wie weit wir uns bereits von normal denkenden Menschen entfernt haben. Eine nicht repräsentative Umfrage in meinem nicht repräsentativen Bekanntenkreis ergab allerdings, dass die Masse meiner Mitmenschen die obige Phonempholge (siehe hierzu auch "iX mit neuem Antlitz"), wenn überhaupt mit irgendetwas, dann mit Comics verbindet. Allzu häufig verwenden Autoren derartige Laute, um ihren Helden zu lautmalerischen Aktionen zu verhelfen.

Und genau um diese Heroen geht es heute. Wer erinnert sich noch an die bunten Helden unserer Kindheit? Der gelbe Wastl auf dem atomgetriebenen Motorrad, Tante Eusebia, Tim und Struppi, der dicke Obelix und der schnelle Michel Vailant. Die meisten von ihnen findet man nur noch vereinzelt im Comic-Laden, wo ein Pfennigheftchen von damals heute leicht einen Zwanziger kostet. Da stellt sich die Frage, ob nicht das Internet vielleicht …

Klar, wie immer, ist es auch in Bilderfragen die richtige Anlaufadresse. Wer sich zunächst einen unverbindlichen Überblick verschaffen will, findet beim ComicHaus jede Menge Storys, Berichte über Preisverleihungen und eine Online-Börse für alle möglichen Hefte. Damit spart man sich zumindest in Teilen den Weg in die Innenstadt zum Comic-Sammelshop und somit womöglich noch Geld.

Für Zeitgenossen mit der Neigung zum Anfassen vorm Kaufen bietet sich ein Blick auf Comic Action 99 an. Dort wird für den Zeitraum vom 21. bis 24. Oktober eine Comic-Messe in Essen angekündigt. Fans können sich online über Neuigkeiten und geplante Messehöhepunkte informieren.

Leser mit ausgeprägten Neigungen für einen bestimmten Autor oder Comic-Helden sind mit dem Comic-Verzeichnis Comic-Surf gut bedient, einem Verzeichnis mit angeschlossener Suchmaschine. Bei meinen, zugegebenermaßen nicht durch professionelle Sucht getriebenen, Suchversuchen hat diese so ziemlich alles gefunden - mit Ausnahme meiner Lieblingscomics, von denen weiter unten noch die Rede sein wird.

Natürlich gibt es auch reichlich Webressourcen zu einzelnen Figuren. In Ermangelung eines repräsentativen Geschmacks habe ich die Auswahl im Wesentlichen auf meine persönlichen Favoriten reduziert. Wer diesen Ansatz völlig daneben findet, höre hier besser auf zu lesen und suche in Comic-Surf selbst nach seinen Idolen.

Leser, die sich eher zu den Comic-Neulingen zählen oder ihr Repertoire nicht mehr weiter auf Donald Duck und Snoopy beschränken wollen, können bei der Kulturzeitschrift Parnass erfahren, was andere von Nick dem Raumfahrer, Lovecrafts in Zeichnungen umgesetzte Spukgeschichten oder von Spiderman halten, bevor sie sich zum Kauf eines der vorgestellten Bände entschließen. Unter anderem ist hier auch eine Rezension der Jubiläumsausgabe von Nick Knatterton zu finden. Mit neuen Abenteuern des Meisterdetektivs ist leider nicht mehr zu rechnen, da der Autor Manfred Schmidt kürzlich gestorben ist.

Von Parnass aus führt übrigens ein Link auf den deutschen Comic Ring, über den man auch weniger oder gar nicht bekannte Autoren entdecken kann. Einzige Voraussetzung zum Anmelden einer eigenen Comic-Seite: Sie muss deutschsprachig sein. Spaß macht der Klick auf den Button ‘Zufalls Comicseite’, der unter anderem zu Rumpelstilzchens Allheilmittel geführt hat.

Aber wenden wir uns nun den Berühmtheiten unter den zweidimensionalen Helden zu.

Da wäre zunächst der beste Schütze des Westens, der Mann, der schneller schießt als sein Schatten: Lucky Luke. Die Website des Ehapa Verlags bietet eine witzig gemachte Seite, die weniger auf eine Auflistung der lieferbaren Hefte abzielt, als darauf, den geneigten Westernfan in den Genuss der notwendigen Dekorationen für echtes Lucky-Luke-Feeling zu bringen: Rezepte für Drinks, Online-Spiele und eine Sammlung von Wildwest-Links. Der zweifellos beste von diesen ist ein Verweis auf den Verein der Eselfreunde in Deutschland. Alle, die mehr an traditionellen Dingen wie Lucky-Bildchen, Hefteliste und so weiter interessiert sind, suchen am besten in Comic-Surf.

Meine erklärten Lieblinge aus den frühen Jahren des Lesens (genauer gesagt sogar vor der Erlangung dieser Kulturtechnik) sind Fix und Foxi. Sehr viel gibt es nicht über diese Comic-Familie von Rolf Kauka, aber immerhin: Beim Fix & Foxi Club findet man eine ziemlich umfangreiche Sammlung von aktuellen und alten Informationen. Das Ganze ist etwas bunt und nicht direkt übersichtlich. Dafür gibt es neben den klassischen Infos über Hefte, Verfügbarkeit, Infos zum Autor und so weiter ein wenig Software (Bildschirmschoner und Win-95-Bildschirm-Theme). Darüber hinaus bietet die Site ein wenig Information zu anderen Charakteren von Kauka (zum Beispiel Bussi Bär - erinnert sich noch jemand daran?).

In einem Artikel über Comics im Netz dürfen zwei natürlich nicht fehlen: Asterix und Obelix. Entsprechend ihrer Berühmtheit existieren unzählige Webseiten, die sich ausschließlich den beiden Galliern widmen. Hier sind meine Favoriten: Zuerst das deutsche Asterix-Lexikon. Wissen Sie noch, wem Panschnix helfen musste? Keine Ahnung? Sie wissen nicht einmal, wer Panschnix ist? Na dann fix bei Comedix gesucht. Die Seite ist optisch und funktional grandios gemacht. Dazu gibt es eine Tauschbörse, einen circa monatlich erscheinenden Newsletter und vieles mehr. Übrigens, Panschnix hat Osolemirnix geholfen.

Eine weitere schöne Seite über das kleine gallische Dorf und seine Bewohner beherbergte bei Drucklegung dieses Artikels noch homepages.hrz.tu-darmstadt.de/~st001011/asterix_welcomet.htm. Die Seite war zwar etwas unübersichtlich, aber sehr umfassend. Unter anderem fand sich hier ein Link auf den ‘Ring der Gallier’, einen Webring, der Asterix-Fans begeistern dürfte.

Wer immer schon mal wissen wollte, wie die gallischen Helden in anderen Sprachen heißen, findet unter Yahoo!GeoCities eine englische Asterix-Seite, die diese Wissenslücke schließt. Aus Idefix wird im Englischen beispielsweise Dogmatics. Und auch der Egmont Ehapa Verlag liefert jede Menge Infos über die Originale und die immer populärer werdenden Asterix-Mundartbände. Darüber hinaus gibt es dort einen Newsletter mit dem schönen Namen ‘Gallischer Bote’. Der zentrale Verweis auf der Einstiegsseite führt übrigens nach Disney Online zum ‘King of Comics’, der wohl jedem bekannt sein dürfte und hier keiner weiteren Vorstellung bedarf.

Auch Tim und Struppi sind als Kultfiguren der Szene natürlich reichlich vertreten. Sylvain Renault bietet einen dreisprachiger Server mit umfassendem Informationsangebot, der Wert darauf legt, bereits seit 1996 Informationen rund um Tim und Struppi anzubieten. Allein auf meinem Mac zu Hause (ISDN) lädt die Seite sowohl langsam als auch nichtdeterministisch (manchmal fehlten einfach Sachen). Auch ganz superaktuell ist die Site möglicherweise nicht, denn die letzte Neuigkeit datiert vom 14. 2. 99. Das Schärfste ist der Navigationsbalken links, bei dem je nach ausgewählter Kategorie Sprechblasen aufpoppen. Allerdings ist die Schrift auf meiner Maschine zu klein.

Eine komplette Auflistung der verfügbaren Hörspiele, Comicfolgen und Infos über den Helden Tim bietet Yahoo!GeoCities. Und der Carlsen Verlag präsentiert umfassende Infos über die verfügbaren Hefte sowie weitere Stars aus dem Hause Olsen wie Gaston und Marsupilami.

Wer kennt nicht das kleine Arschloch? Die einen lieben, die anderen hassen die Figur. Mein Web-Favorit hinsichtlich dieses Antihelden findet man im Warehouse-Comicshop , der unter anderem Infos über die Bücher, einem Online-Shop und ein Interview mit Walter Moers aufweist. Die offizielle Arschlochseite gefällt vor allem durch das neueste Moers-Werk in Online-Form.

Uli Stein mit seinen Mäusen, Katzen und Pinguinen ist natürlich auch offiziell vertreten. man kann Autogramme anfordern und all die Devotionalien kaufen, die einen auch in der Fußgängerzone aus jedem Laden angrinsen. Darüber hinaus bietet der Server einige Neuigkeiten und ein paar Cartoons. Die bessere Seite ist jedoch die von Roland Dirkorte. Kein Mensch kennt Roland, deswegen macht er zunächst super Werbung für sicher selbst, bietet aber auch eine geradezu irrsinnige Liste von Stein-Cartoons. Wem während der Ladezeit zu langweilig wird, dem rät Roland, das Schaf auf der Seite zu zählen.

Auch über Hägar muss man nicht viel sagen: Die Erde ist halt flach und Männer sind klüger als Frauen. Helga denkt sich ihren Teil und lässt ihren tapferen Möchtegernmacho gewähren. Aus dem jeweils aktuellen Stern kann man die Comics - unter anderem auch den Hägar der Woche, einsehen. Das umfassendste Angebot von Hägar-Strips gibt es bei der Johannes Kepler Universität Linz (http://www.ipc.uni-linz.ac.at/~emarko/haegar/index.html), und das offizielle Hägar-Organ ist King Features mit täglich wechselndem Comic.

Dann ist da noch der Held aller Mitarbeiter von Großkonzernen: Dilbert. Als Netzkultfigur ist er bestens bekannt. Die tägliche Dosis holt sich der Dilbert-Fan bei United Media. Neben einem täglich wechselnden Comic mit Shop und jeder Menge Hintergrundinfos, Newsletter, Kartenservice wird dort die Möglichkeit geboten, Scott Adams eine Mail zu schicken.

Ja, und ausgerechnet zu meinen Lieblingscomics habe ich im Netz nichts gefunden: Gerhard Seyfrieds Anarcho-Comics aus den Achtzigern scheinen ebenso wenig im Internet vertreten zu sein wie der Gelbe Wastl mit seinem Motorrad. Sachdienliche Hinweise bitte an die Redaktion oder in die Online-Fassung dieses Artikels. (ka)