Hotel Pinguin
Konferenzen und Messen ziehen weltweit ein immer größeres Publikum an. Nach den großen Besuchererfolgen von Linux World und Linux Expo trat Atlanta Linux Showcase , die von den Atlanta Linux Enthusiasts in Zusammenarbeit mit der Usenix ausgerichtet wurde, mit einem etwas anderen Konzept an.
- Nils Magnus
Bereits zum dritten Mal fand vom 12. bis zum 16. Oktober die Atlanta Linux Showcase (ALS) im für Linux-Verhältnisse geradezu mondänen Cobb Galleria Centre am Rande von Atlanta statt. Durch die sehr gute Ausstattung des Konferenzortes gab es reichlich Platz zum Austausch der Linux-Community in Workshops, Technical Tracks, Ausstellung und speziell für OSS-Projekte eingerichtet Räume, den sogenannten Hot-Houses. Die Veranstalter sprachen von gut 4000 Besuchern aus mehr als 23 Ländern.
Greg Hankins, Sprecher der Atlanta Linux Enthusiasts, erklärt, dass er keine Gefahr für von Freiwilligen organisierte Events wie die ALS sehe, da sie sich klar an ein technisch orientiertes Publikum wende und somit eine Nische ausfülle. So versuchten die Veranstalter, die Teilnahmegebühren für die Tutorials und Technical Tracks gering zu halten; der Zutritt zur Ausstellung war frei.
Die Non-Profit-Show begann mit zwei Tutorial-Tagen, bei denen kompetente Tutoren Linux Know-how weitergaben: In zwei Vortragsreihen lag der Schwerpunkt auf Administrationskenntnissen besonders für Produktionsumgebungen und in einem dritten Track erklärte Ted Ts’o, was sich die Entwickler rund um Linux Torvalds beim Design des Kernels gedacht haben. Am darauffolgenden Tag wurden diese und weitere Themen im Rahmen von Workshops praktisch vertieft.
Den zweiten Teil der Veranstaltung machte die öffentliche Ausstellung aus, in der gut 70 Firmen und Projekte ihre Produkte zu zeigen. Das offenbar in den USA verbreitete Konzept, alle Stände bis auf die der Platinum-Sponsoren gleich groß zu gestalten, sollte auch kleineren Firmen die Möglichkeit geben, sich zu präsentieren, erklärte Hankins. OSS-Projekte wie KDE und Gnome bekamen kostenlose Ausstellungsflächen bereitgestellt.
Parallel dazu fanden die Technical Sessions statt, die mit über vierzig Vorträgen ein umfassendes und aktuelles Spektrum an Themen abdeckten: Von der Vorstellung von Kernelentwicklungen über Applikationen spannte sich der Bogen zu Berichten vom erfolgreichen Einsatz von Linux im Unternehmen und neuen Business-Modellen.
Sowohl Ausstellung als auch Vorträge waren geprägt von der Ankündigung neuer Versionen. So deuten sowohl Gnome, KDE als auch XFree86 neue Major-Releases für das Ende dieses Jahres an, wollten sich jedoch nicht festlegen lassen. Metrolink versprach seinen lange angekündigten X-Server mit Hardware OpenGL-Unterstützung für ‘real soon now’. Im weiteren wolle sich Metrolink auf High-End Visualization für den professionellen Grafikbereich konzentrieren, berichtete ein Entwickler, der von Metrolink zum XFree86-Hot-House geschickt wurde, und unterstrich die Zusammenarbeit mit dem Projekt.
Überhaupt stellten die Hot-Houses eine innovative Variante der Open-Source-Entwicklung dar: Von Sponsoren unterstützt konnten sich Programmierer bestimmter Projekte aus aller Welt persönlich treffen und die diskutierten Ideen gleich auf den ebenfalls gestellten Testrechnern umsetzen. So diskutierte das XFree86-Team Vorschläge für die angekündigte Version 4.0: Einige Anregungen für einen verbesserten Konfigurationssupport oder Dual-Headed-Grafikadapter konnten sie gleich auf verschiedenen Plattformen testen. In einem anderen Hot-House hatte Loki Entertainment Entwickler dazu eingeladen, einen Blick in die ansonsten nicht zugänglichen Quellen von ‘Civilization: Call to Power’ zu werfen (siehe Kasten).
Neue Wege der Spiele-Entwicklung: Der Loki-Hack
Eine neue Form der Softwareentwicklung probierte Loki Entertainment auf dem ALS aus: Die Firma, die schon ‘Civilization: Call to Power’ nach Linux portierte, hatte die Entwicklergemeinde dazu aufgefordert, sich zum ‘Loki-Hack’ anzumelden. Das gute Dutzend Programmierer, das von Loki ausgewählt wurde, flog auf deren Kosten nach Atlanta und erhielt nach Unterzeichnung eines Non-Disclosure-Agreements Einsicht in die Linux-Quellen des Spiels, um dann innerhalb von 36 Stunden eigene Erweiterungen zu dem Spiel auf gestellten Rechnern zu schreiben.
Scott Draeker, der Initiator der Veranstaltung, sagte dazu: "Wir sehen den Loki-Hack als Proof-of-Concept an." Loki habe so viele Anfragen nach zusätzlichen Features gehabt und wisse, dass es viele kompetente Hacker gebe, so dass Loki dies zu beiderseitigem Nutzen beweisen wolle. Erste Befürchtungen, dass die Zeit von 36 Stunden (rund um die Uhr bei Vollverpflegung!) nicht ausreichen könnte, hätten sich nicht befürwortet: Die von den Teilnehmern beigesteuerten Erweiterungen wie eine skalierbare Karte oder ein Auto-Explorer könnten kostenlos von der Loki-Website geladen werden und man versuche sogar, die Änderungen in den Orginalcode von Activision zurückzuführen.
Insgesamt konnte der Atlanta Linux Showcase mit seinem umfangreichen und anspruchsvollen Programm und der professionellen Organisation überzeugen und wird auf diese Weise sicherlich die Stellung der Veranstaltung mit ihrer Ausrichtung auf das Fachpublikum für den amerikanischen Kontinent auch neben den ‘großen’ Shows sicherlich behaupten können. (avr)