Nicht gelb, aber billig
Karel van Miert und seine Kollegen haben es geschafft. Die vorletzte Bastion monopolistischer Wirtschaftsordnung ist im Begriff zu fallen: der Strommarkt. Bleibt noch die Zerschlagung des Schornsteinfegermonopols, dann sind wir freie, glückliche Bürger, die mit ständig fallenden Preise klarkommen müssen.
- Torsten Beyer
- Kersten Auel
Im Bereich des Strommarktes ist die Lage nicht ganz so durchsichtig wie im Telekommunikationsumfeld. Leider hat Herr Rexrodt, dem wir diese frühe Liberalisierung in Deutschland zu verdanken haben (andere Länder sind bei weitem nicht so liberal im Umgang mit ihren Elektronen), vergessen, die dazu notwendigen Regelungsgesetze und -instanzen zu schaffen. Das heißt konkret: es gibt keinen Regulierer und die wesentliche Frage - Durchleitung durch Stromnetze anderer Unternehmen - ist nur mangelhaft geregelt.
Sei es, wie es sei, der Kunde hat nun nicht nur die Qual der Wahl des billigsten Tarifs, er muss es auch hinbekommen, eben diese billigen Elektronen in sein Haus oder seine Wohnung liefern zu lassen.
Da scheint es sinnvoll, sich vor dem eigentlichen Vergleichen von Tarifen schlau zu machen. Den gesamteuropäischen Kontext findet man im Vortrag ‘Der liberalisierte europäische Energiemarkt’. Dort steht nicht nur, was die EU beschlossen hat und auf welche Weise die Stromliberalisierung erfolgen soll. Interessierte Leser können sich dort auch einen Überblick darüber verschaffen, wie die Liberalisierung in anderen Ländern fortschreitet. Wie schon erwähnt: Deutschland ist zur Zeit am ‘dereguliertesten’.
Auch der WDR (http://www.wdr.de/tv/markt/archiv/99/0111_2.html) unterhält eine informative Quelle zum Thema Deregulierung des Strommarktes. Dabei handelt es sich um das Transskript eines Sendebeitrages vom 11. Januar 1999.
Stromsparen gesetzlich geregelt
Wer es ganz genau wissen will, lädt sich den Gesetzestext zur Neuregelung des Energiewirtschaftsrechts vom 24. April 1998 vom Webserver des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. Der Gesetzestext steht ziemlich unten auf dieser Seite, auf der der energiewirtschaftlich Interessierte eine Fülle weiterer Dokumente zum Thema Energieverbrauch/Energieversorgung in Deutschland findet.
Sollten sich die Stadtwerke bei einem gewünschten Wechsel querstellen und unverständliches Zeug erzählen - etwa dass man den Strom eines abtrünnigen Verbrauchers nicht durchleiten könne -, hat man die Möglichkeit, auf den Seiten des Bundes der Energieverbraucher e.V. nachzuschauen, ob der Stadtangestellte Unsinn erzählt hat oder nicht. Eben dort findet sich die Verbändevereinbarung (über Kriterien zur Bestimmung von Durchleitungsentgelten), die die Durchleitung von Strom im Wesentlichen regelt.
Die Freiheit, den Energielieferanten zu wechseln, bietet natürlich auch die Möglichkeit, bewusst einen Anbieter auszuwählen, der besonders ökologisch Strom produziert - oder unökologisch: Tschernobyl-Strom kaufen die großen Energieverbände für etwas mehr als einen Pfennig pro kWh an der deutsch-polnischen Grenze. Wer seine Wechselentscheidung an derartigen Kriterien festmacht, findet beim Internationalen Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) unter eine Fülle von Infos rund um umweltfreundliche Stromproduktion. Die Webseite wird unterhalten vom Internationalen Wirtschaftsforum Regenerative Energien an der Uni Münster. Verweise auf andere Sites und Anbieter zu einzelnen Energieerzeugungsformen (Wasser, Strom, Wind und so weiter) findet man, indem man links auf die jeweiligen Schaltflächen klickt (wer hätte das gedacht) und dann (jetzt kommts) ganz nach unten blättert. Keine Ahnung, warum die Macher dieser Seite die News nach oben und die wichtigen Sachen nach unten stellen.
Insbesondere Schweizer Leser dürfte der Bericht der Neuen Züricher Zeitung (http://www.unizh.ch/sozoec/home/wild/nzz980109.html) zum Thema Stromliberalisierung im Lande Tells interessieren.
Alle, die bereits konkret daran denken, ihren Stromlieferanten zu wechseln, sollten beim Strom-Magazin reinschauen. Auch diese Site bietet zunächst eine Darstellung der Rechtslage in Deutschland. Es folgen kurze Erläuterungen zum Begriff der Durchleitung und der Strom- beziehungsweise Dienstleistungsqualität. Kurze Tipps und Hinweise zum eigentlichen Wechsel sowie zur Vertragsgestaltung runden das Ganze ab.
Strömchen, wechsle dich
Nach all diesen Vorbereitungsmaßnahmen, stellt sich schließlich die Frage: wohin wechseln? Da helfen die Tarifrechner. Wie schon aus dem Telekommunikationsumfeld bekannt, sind dies Webseiten, auf denen man seine individuellen Verbrauchsdaten eingibt und dann eine Liste von günstigen Anbietern ausgespuckt bekommt. Da die Stromlieferung nach wie vor zum Teil eine regionale Angelegenheit ist, muss man darauf achten, einen Tarifrechner zu finden, der die eigenen Stadtwerke und lokalen Versorger ebenso kennt wie die bundesweit auftretenden. Einer, der mir ganz gut gefallen hat, residiert im Web unter Stromkosten.de (http://www.stromkosten.de/tarife/sparschwein.htm#individuell). Besser (aber langsamer) ist Strominfos.de. Der kannte alle meine lokalen Stromanbieter (sogar einige, von denen ich noch nichts wusste). Inwieweit die Aussagen dieser Server stimmen und vollständig sind, kann ich natürlich nicht beurteilen. Bei beiden ist es auch möglich, nur Ökotarife oder bestimmte Nachtstromanteile anzugeben, die dann die jeweils berechnete Anbieterauswahl beeinflussen. Natürlich sollen an dieser Stelle nicht die ‘Stromnews’ und Spartipps des Heise-Servers verschwiegen werden.
Zusammen spart man mehr
Noch mehr sparen kann man unter Umständen, wenn man einem so genannten Strompool beitritt. Die Idee ist simpel: eine bestimmte Kundengruppe (zum Beispiel alle auf der Hallig Hooge oder alle blonden Männer, die größer sind als 2,05 m) tut sich zusammen und handelt eine Art Großabnehmervertrag mit einem Stromlieferanten aus. In vielen Städten praktizieren das die lokalen Mittelständler bereits, in ländlichen Räumen liest man das vor allem von den Bauern. Der einzelne Normalbürger (der nicht auf der Hallig Hooge wohnt oder kleiner als 2,05 m ist) tut sich jedoch häufig schwer, einen solchen Pool zu finden. Da hilft das Netz. Bei Energyclub, StromPoolPrivat oder Stromspar.de gibt es Anbieter von Pools für Einzelne (ganz sicher gibt es mehr als diese drei Anbieter - wer einen guten kennt, nutze einfach den Online-Artikel und füge die Infos hinzu).
Eine interessante Konsequenz der Strommarktöffnung ist das Auftreten von Energie-Brokern. Ähnlich wie für Schweinebäuche, Korn oder Öl bildet sich auch für die Ware Strom ein entsprechender Markt, den freie Händler bedienen. Wer mal sehen will, wie diese Firmen arbeiten und was man als Kunde von ihnen zu erwarten hat, kann das im Internet bei Electryon oder der Ampere AG nachlesen. Gemeinsames Motto ist auf jeden Fall der bei bei Stromspar.de auf der Homepage erscheinende Leitsatz ‘Spar Dir Watt’. (ka)