Ich und mein Palm
So klein kann kein Endgerät sein, dass es nicht jede Menge Software dafür gäbe. Ob sie nun Kalorien oder Geld zählen wollen, im Internet werden auch Palm-Benutzer fündig.
- Torsten Beyer
- Kersten Auel
Leicht fällt es mir wirklich nicht, das zuzugeben. Aber wenn es um Technik und vor allem kleine Technik geht, bin und bleibe ich ein Spielkalb. So ziemlich alle Varianten tragbarer Computer habe ich besessen (und besitze sie zum Teil noch): erst einen Newton, dann noch einen Newton und mehrere WinCE-Geräte. Diverse Versionen der Rex Card gehören ebenso zu meinem Fundus wie verschiedene klobige Laptops und Mobiltelefone. Die Dinger sind einfach cool.
Der einzige Kleinstcomputer, der mich als Stück Technik nie fasziniert hat, ist - die Fans mögen es mir verzeihen - mein Palm V. Warum? Das Teil ist einfach zu gut. Es gibt fast nichts, was mein Palm nicht möglich macht. Von der Aktienverwaltung über Websurfing (wenn ich auf Reisen bin) und Kalorienzählen (jaaa, ich bin zu dick) bis hin zu Nachrichten lesen. Und weil das alles so einfach geht, verbringe ich kaum Zeit damit, mich mit der Technik oder der verfügbaren Software und neuen Möglichkeiten auseinander zu setzen. Irgendwie ist mein Palm wie ein Rasierapparat - kompliziertes Innenleben für ziemlich profane Anwendungen.
Online im stillen Örtchen
Neulich ist aber doch etwas Komisches passiert. Irgendwie hat es den Palm dermaßen geschmissen, dass danach eine Neuinstallation und ein Wiedereinspielen von Backups nötig waren. Zum ersten Mal seit Monaten habe ich daraufhin im Web nachgeschaut, was es alles für mein elektronisches Kleinhirn zu bieten hat, und welche neuen Versionen nötig sind. Hier meine persönliche Hitliste.
Mein absolutes Lieblingsprogramm ist Avantgo. Mit ihm kann man Webseiten (ganze Webhierarchien, um genau zu sein) in den Palm laden und offline lesen. Wirklich cool. Meine bisherige Argumentation gegen Literatur und Journalismus im Web war bis dato, dass sich Webseiten so schlecht mit aufs Klo nehmen lassen. Mit Avantgo greift dieses Argument nicht mehr. Wenn man viel in der Gegend herumfliegt und damit viel unproduktive Zeit wartend verbringt, ist Lesen häufig die Hauptbeschäftigung. Mit Avantgo lassen sich Webhierarchien - so genannte Channels - direkt abonnieren. Jeder Hotsync lädt die jeweils aktuelle Seite in den Palm - ohne viel Firlefanz aufbereitet für das kleine Display. Auf Reisen geht das auch mal übers Handy (ist allerdings mächtig lahm). Auf diese Weise habe ich Spiegel, Financial Times und natürlich Heise Online stets am Mann. Ich würde sagen: 10 von 10 Punkten für dieses Produkt.
Meine nächstliebste Software heißt Stockmanager. Ein ‘no frills’ Aktienmanager. Man gibt seine Bestände ein und installiert ein spezielles Conduit für die Synchronisierung und voilà, beim nächsten Sync steht der aktuelle Portfoliostand im Palm. Die freie Version funktioniert für bis zu fünf Aktienwerte. Großinvestoren müssen das Produkt für 24,95 Dollar registrieren. Wenn man längere Zeit auf Achse ist, kann man wie bei Avantgo auch übers Modem (beispielsweise via Handy) aktualisieren. Wirklich gut und jede Mark wert.
Wie gesagt, ich habe ein kleines Größenproblem. Für mein Gewicht bin ich zu klein (etwa 2,73 m). Das heißt: aufpassen mit den Kalorien, damit die Größenschere nicht noch weiter aufklappt. Nach vielerlei Versuchen fiel meine Entscheidung auf Dietlog. Diese Software ist ein recht komplexer Ernährungswächter. Nach der Erstinstallation gibt der Übergewichtige zunächst ein, wie viel (oder besser wenig) er an Kalorien zu sich nehmen will. Damit einhergeht die Möglichkeit, die Nahrungszusammensetzung in Bezug auf Mineralien, Fette et cetera einzustellen oder einfach der Empfehlung von Dietlog zu folgen. Jetzt muss er nur noch die jeweils aufgenommene Nahrungsmenge eingeben. Dank der eingebauten Datenbank geht das recht fix. Gewicht und Produkt eintragen, und schon stehen die anderen Daten zur Verfügung und werden von der Tagesration abgezogen. Dietlog kann jederzeit den bisherigen Tagesverbrauch darstellen, sodass der kalorienbewusste Anwender mit einem Blick erfasst, ob noch zwei oder drei Radischen bis zum Abend drin sind. Man kann vorhandene Produkte zu Gerichten kombinieren und neue in die Datenbank aufnehmen. Für 49 Dollar ist Dietlog zwar nicht geschenkt, übertrifft nach meiner Erfahrung aber alle anderen Mitbewerber hinsichtlich der einfachen Dateneingabe.
Kalorienwächter
Um beim Abnehmen die Gewichtskontrolle zu dokumentieren, kann man das Schwesterprodukt Weightlog verwenden, eine einfache Anwendung, die Gewichte abfragt und daraus eine Grafik generiert. Mit Kilos kommt das Produkt jedoch nicht sonderlich gut klar, da es an einigen Stellen keine Nachkommastellen auswertet (Grafik, noch abzunehmende Kilos etc.). Aus Amerika kommend ist Weightlog wohl mehr auf Pfunde ausgelegt. Als Einzelkauf nicht empfehlenswert, im Bundle mit Dietlog oder einfach als Shareware (die nach soundsoviel Tagen aufhört zu laufen) ist das Programm allerdings o. k.
Auch bei der Verwaltung meiner Privatfinanzen ertappe ich mich immer häufiger dabei, dass ich statt des Desktops den Palm nehme. Mein Lieblingsprogramm nach vielem Rumprobieren ist ‘Accounts and Loans’. Es erlaubt zunächst die Verwaltung beliebig vieler Konten. Transaktionen gibt der Anwender mit Hilfe der Quick-Entry-Funktion ein. Damit kann man auf dem Palm den aktuellen Stand der eigenen Finanzen ganz gut im Auge behalten. Da ich keine Lust verspüre, alle Abbuchungen mit der Hand einzutragen, erfolgen die dicken Zahlungen, die meist regelmäßig eingehen, als wiederkehrende Transaktionen. Den Kleinkram macht ohnehin mein Desktop-Programm für Online-Banking. Den Kontostand korrigiert circa einmal pro Woche die Funktion ‘adjust balance’. Mit etwas Trickserei lassen sich sogar Depots, Funds und Kredite verwalten. Die 15 Dollar für Accounts and Loans sind bestimmt gut investiert.
Eingabe per Infrarot
Für Vielkommunizierer mit dem richtigen Telefon ist GSMTool vielleicht das richtige Werkzeug. Auf Reisen sind SMSs häufig das Mittel der Wahl für kurze Mitteilungen. Da ich ein ziemlich kleines Handy besitze (Erwähnte ich meinen Hang zu modernem technischen Kleinstspielzeug?) ist das mit der Eingabe so eine Sache. Meine Fingerkuppen erstrecken sich in der Regel über elf Tasten. GSMTool ist die Lösung. Mittels Infrarot kann es sowohl SMS aus dem Telefon rausholen als auch verschicken (etwa an Nummern, die im Adressbuch das Palm stehen). Das ist es auch schon. Irgendwie lassen sich sogar die Adressbücher abgleichen. Allerdings muss ich gestehen, dass ich den Prozess nicht begreife, da mein Telefon nur 250 Nummern kann, mein Palm aber 1500 Namen gespeichert hat.
WAP-Nutzern kann ich den Kbrowser von 4thpass empfehlen. Das heisst, empfehlen eigentlich nicht. Es handelt sich lediglich um den Browser, der nicht sofort abgestürzt ist. Wenn man in der WAP-Welt surft, kommen häufiger Meldungen darüber, dass die Seite zu groß sei und nicht angezeigt werden könne. Ob das nun an den lausigen WAP-Seiten oder am Browser liegt, ist mir ziemlich egal, da ich WAP fast nie benutze. Geld kostet Kbrowser im Moment nicht, und das ist auch gut so.
Proxiweb hingegen, ein richtiger Webbrowser für den Palm, ist ein Tool, das ich regelmäßig verwende. Er tut so, als sei er ein normaler Webbrowser, ist in Wirklichkeit aber eine Micky-Maus-Version davon. Alle Verbindungen laufen über einen Proxy-Server bei Proxinet, der aus normalem HTML-Inhalt eine platzsparendere Variante generiert. Damit haben die bei Proxinet natürlich wunderbare Möglichkeiten, Klickverhalten zu analysieren. Aber was solls, für die meisten Sachen, die ich von unterwegs aus mache, ist Proxiweb wirklich gut und vor allem über ein Handy schnell genug.
So, das sind meine Lieblinge. Ich bin sicher, dass es reichlich Produkte für den Palm gibt, von denen viele Menschen sagen werden, sie seien besser, als die hier vorgestellten. Das will ich gern glauben. Diese sind halt meine ... (ka)