Stolperstein

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Von
  • Henning Behme

Das World Wide Web Consortium, kurz W3C, hat es schwer. Im September vorigen Jahres war die Frist für die Diskussion um den Entwurf für eine Patentpolitik des Konsortiums schon fast abgelaufen, da merkte doch einer etwas. Nach einer E-Mail an die XML-Entwicklergruppe gingen noch am selben Tag beim W3C etwa 750 Beiträge ein, die überwiegend die Patentpolitik geißelten.

Grund für die Aufregung waren zwei Definitionen und ihre Weiterungen für W3C-Standards (O-Ton: Recommendations). Die magischen Kürzel RF und RAND umreißen, wie Arbeitsgruppen des W3C ihr Verhältnis zu Patenten in ihrem Bereich sehen können.

RF (royalty-free) heißt, dass die Implementierung einer W3C-Spezifikation keinerlei Patentgebühren erfordern darf. RAND (reasonable and non-discriminatory) bedeutet, dass die Implementierung einer Recommendation ohne Verwendung von Patenten nicht möglich ist, deren Nutzung jedoch für alle gleich und zu einem angemessenen ‘Preis’ erlaubt sein muss.

Abgesehen davon, dass die Auslegung des Wortes ‘angemessen’ in diesem Zusammenhang ebenso schwierig sein dürfte wie in Tarifverhandlungen, bleibt die Frage, wo das Konsortium die Priorität sieht. Wäre alles RAND gewesen, so einige Kommentare zu Recht, wären HTTP et cetera vielleicht nicht so unkompliziert entstanden. Übrigens: Das Grafikformat PNG, eine W3C-Recommendation, verdankt sein Entstehen nicht zuletzt dem Patent, das Unisys an GIF hält.

Welche Politik das Konsortium verfolgen will, muss es noch festlegen. Im Januar hat es eine so genannte Note zur gegenwärtigen Praxis veröffentlicht, die eine vorsichtige Tendenz zu RF zum Ausdruck bringt. In der Hierarchie der W3C-Dokumente ist eine Note allerdings ganz unten angesiedelt.

Und die bisherige Diskussion offenbart einen nicht eben flachen Graben. Hier die Patentbesitzer als Mitglieder des W3C - dort die Entwickler, die am weiteren Schicksal des Web mitarbeiten.

Hinzu kommt die Frage, ob das Konsortium sich in seiner Arbeit überhaupt mit patentgebührbelasteten Dingen abgeben sollte. James Clark, Autor mehrerer Spezifikationen aus dem XML-Umfeld, beantwortet sie so:

If a Recommendation is not part of the core infrastructure, then I would question whether the W3C should be devoting part of its limited resources to it. In summary, if it’s important for the Web infrastructure enough to be a W3C Recommendation, then it needs to be RF.

Zu Deutsch: Das Konsortium soll sich nur um die Dinge kümmern, die zentral fürs Web sind - und das im RF-Modus. Im Übrigen ist die Frage, ob Softwarepatente etwas Böses sind, beim Konsortium als einer Ansammlung von Patentinhabern sicherlich nicht gut aufgehoben.

Noch ein Zitat, eins aus Tim Berners-Lees ‘Weaving the Web’ von 1999: Patents [...] are a great stumbling block for Web development. Dem ist nichts hinzuzufügen.


Patentpolitikarbeitsgruppe des W3C

James Clarks Posting

Die ersten 750 E-Mails

Tim Berners-Lee zu Patenten und dem Web (hb)