Blau und ohne Sorgen
- Christian Kirsch
Es war einmal ein Standard, der war besser als alle Standards vor ihm. Seine Vorschriften sorgten dafür, dass Menschen telefonieren und Daten verschicken, digital Faxe empfangen und Anrufe beantworten und sogar Dateien übertragen konnten. Jahrelang fragte er ‘Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der mächtigste Standard im Land?’ und bekam als Antwort zu hören ‘Du, ISDN, bist der Mächtigste.’
Eines Tages jedoch räusperte sich der Spiegel und hub schüchtern an: ‘Du bist zwar der mächtigste Standard hierzulande, aber hinter den sieben Vermittlungsstellen bei den sieben analogen Leitungen, da gibt es einen, der ist noch viel mächtiger als du.’ ISDN machte sich auf den Weg dorthin und musste feststellen, dass viele Menschen seine Segnungen gar nicht recht zu würdigen wussten. Sie pfiffen auf digitale Faxe und benutzten lieber weiter die preiswerten analogen Geräte. Für die Übertragung von Dateien brauchten sie den schönen Eurofiletransfer gar nicht, der doch immerhin für ganze zwei Plattformen funktionierte, wenn man die geheimen Regeln kannte. Klug versteckten sie ihre Dateien in IP-Paketen, mit denen viel mehr Rechner etwas anfangen konnten - sogar die, die gar kein ISDN sprachen.
Heute ist ISDN ein würdiger, alter Standard. Er sitzt auf seinem Schloss und hat sich damit abgefunden, dass man ihn nur noch zum Telefonieren und für die Datenübertragung braucht. Zu seinen Füßen spielt, unschuldig und hoffnungsfroh, ein Enkel.
Jener Jüngling, von seinen Eltern ‘Bluetooth’ geheißen, bereitet sich vor, eine Welt zu erobern und ihr einen neuen Standard zu bescheren. Der nun vermag endlich alles: Gebratene Tauben wird er regnen lassen, mit goldenen Sternschnuppen die leeren Kassen füllen, Wolf und Lamm spielen einträchtig auf der Wiese. Wie jeder Jüngling weiß er genau, dass seine Vorfahren keine Ahnung hatten und er alles besser machen wird als sie. Außerdem denkt er zurzeit vor allem an das eine. Da er noch keine passende Maid gefunden hat, muss es zwar beim Denken bleiben. Doch wenigstens seine Werkzeuge sollen sich paaren. Besser noch: Sie müssen das tun, jedes mit jedem, bevor sie miteinander reden dürfen. Aber niemals mehr als sieben auf einen Streich!
IP, was ist IP? Nur so eine altertümliche Technik, nicht mehr modern genug, die ganz ohne das eine auskommt. Die Zukunft braucht kein IP, oder höchstens viel später. Wenn der Jüngling Daten überträgt, dann schickt er sie durch seinen selbst gebauten Protokollberg: Baseband, Link-Manager, L2CAP, SDP, RFCOMM, und auf dem Gipfel blüht ein OBEXchen. Natürlich ist das etwas komplizierter als früher, aber unser Jüngling hat einen Grund, sich regelmäßig mit seinen Freunden zu treffen. Sie zeigen sich ihre Spielzeuge und probieren aus, ob sie mit allen anderen Spielzeugen funktionieren.
Will immer noch jemand ins Internet? Der soll PPP verwenden - das ist ein anderer Protokollberg. Und was liegt schließlich näher, als einen PDA mit einem Accesspoint zu paaren, um Webseiten zu betrachten? Der nächste, der ‘WLAN’ sagt, bekommt was auf die Mütze.
Und wenn er nicht erwachsen geworden ist, dann träumt der junge Standard noch heute. Eines Tages wacht er auf und stellt fest, dass er ein würdiger, alter Standard ist und mit dem einen nichts mehr am Hut hat. Hinter den sieben IPv6-Adressen, bei den sieben IETF-Protokollen, da benutzen die Menschen WLAN, GPRS, drahtloses USB und UMTS für den Zugang zum Netz, über das sie auch allerlei Daten übertragen.
Aber Bluetooth ist wirklich gut, um Headsets mit Handys zu verbinden ...
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