Kauf- und Tauschrausch

So wie man das letzte Jahr beendet hat, beginnt man häufig das neue. Trotz Teuro und leerer Kassen bleibt das Geldausgeben für viele eine geliebte Sucht. Schließlich lässt sich zur Kompensation an manch anderer Stelle sparen.

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Von
  • Torsten Beyer

Klar, im Internet kann man einkaufen - und das nicht nur vor Weihnachten. Der ein oder andere Verwandte hat unter Umständen die unendlichen Angebote des Internet noch nicht entdeckt und daher einen frisch gebügelten Euroschein unter den Christbaum gelegt. Oder ein wenig gefallendes Präsent ist bereits bei Ebay erfolgreich unter den Hammer gekommen. Egal woher das Geld auch stammt: Es will ausgegeben werden.

iX, das Fachblatt für spottbillige Einkäufe, hat sich daher nochmal umgesehen und präsentiert hier weitere interessante Links zum Thema nicht alltäglicher Einkäufe. Bevor jemand fragt: Die vorgestellten Shops haben uns (leider :-) weder Einkaufsbons noch Rabatte oder sonstige Vergünstigungen in Aussicht gestellt und wissen im Allgemeinen gar nichts von ihrer Erwähnung.

Als eine der spannendsten Ideen erscheint mir persönlich die Heizölbörse. Das liegt einerseits daran, dass ich seit kurzem genau diesen Brennstoff zur Erzeugung der heimischen Wärme benötige, zum anderen finde ich die Idee, Anbieter und Kunden auf diese Weise zusammenzubringen, pfiffig.

Das Konzept ist simpel: Die Website unterteilt sich in eine Sektion für Käufer und eine für Verkäufer. Erstere tragen einen Kaufwunsch ein (nach Postleitzahl gegliedert) und können zudem einen Preis nennen, zu dem sie bereit wären zu kaufen. Verkäufer sehen sich diese Liste an und entscheiden, ob und wenn ja zu welchem Preis sie anbieten. Käufer können zudem Kontakt mit anderen Käufern in derselben Region aufnehmen. Durch die Bündelung von Kaufkraft lassen sich so weitere Preisnachlässe aushandeln.

Wie der Name besagt, handelt es sich um eine Börsenplattform zum Handel von Heizöl zwischen Endverbrauchern und Anbietern. Das Ganze kostet für Käufer nichts (außer einer Registrierung). Betreiber ist eine Firma, die derartige Plattformen in verschiedenen Ländern Europas anbietet.

Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert die österreichische Recycling-Börse Bau. Menschen, die mineralische Baustoffe loswerden wollen (beispielsweise durch Abriss), können sich über diese Börse mit solchen in Verbindung setzen, die eben diese Baurestmassen benötigen. Das Ganze funktioniert ähnlich, wie die Heizölbörse: Aufgeteilt nach Bundesländern können sich Anbieter und Kunden finden. Dabei braucht man sich als einmalig anbietender Privatmensch nicht einmal für die Schutt-Börse zu registrieren.

So ähnlich - aber deutlich weniger genutzt - arbeitet der Abfallshop. Nach dem Börsenprinzip bieten hier Kunden und Entsorger Abfall beziehungsweise Entsorgungskapazitäten an. Für Private ist wohl nur der Bereich ‘Pinnwand’ interessant.

Amazon kennt jeder, aber was ist, wenn man ein altes, vergriffenes Buch sucht? Zum Beispiel eine gut erhaltene Heidi-Erstausgabe? Der Hilfe für diese und andere Bibliophile hat sich abebooks verschrieben. Hinter dem fantasievollen Namen verbirgt sich der gute alte Antiquarienhändler - nur zeitgemäß im Internet. Einige Testsuchaufträge zeigen, dass abebooks auch echte alte Schätze anzubieten hat. Die Website birgt sonst weder große Geheimnisse noch fällt sie durch sonderlich ansprechendes Design auf. Und dass es nicht nur diesen einen gibt, beweist die Existenz eines zentralen Verzeichnisses antiquarischer Bücher

Wer statt anderer Leute Geschreibsel zu lesen lieber sein eigenes verkaufen will, kann gleich mit der eigenen Diplomarbeit anfangen. Vorausgesetzt natürlich, man hat eine eigene Arbeit anzubieten, versucht TK-Diplom die darin verbratenen Erkenntnisse an den Mann (oder die Frau) zu bringen.

Ambitionierten Zeitgenossen, denen das Diplom nicht genügt und könnten sogar einen einen Doktortitelkauf in Erwägung ziehen. Der Trick, der die Sache - so scheint’s - legalisiert: Es handelt sich um kirchliche Doktortitel (irgendwelcher Kirchen in den USA), die angeblich in Deutschland gesetzlich nicht erfasst sind und damit legal geführt werden können. Wie dem auch sei, die Preise scheinen niedrig, der Titel lockt. Wenn der Doktortitelkauf immer noch nicht reicht, sind so schöne Titel wie Baron, Baroness, Bishop oder Cardinal gleichermaßen legal zu erwerben. Und Karneval ist ja auch bald, da kann man dann zum Titel die passenden Klamotten anziehen. Helau!

Haben Sie Angst, dass Ihre Lieblingsband sich auflösen könnte? Oder fürchten Sie, von einem Außerirdischen entführt zu werden? Dann kann Ihnen geholfen werden. Die ‘verrückten Geschenke->Versicherungen’ bieten für diese und andere Notfälle wahnwitzige Versicherungen an. Wie wär’s zum Beispiel mit einer Police gegen den Abstieg des Lieblingsvereins (hallo Leverkusen-Fans :-)? Nebenbei kann man im Rache-Shop schottische Adelstitel erwerben.

An dieser Stelle endlich soll der strapazierten Geldbörse eine Pause gewährt werden. Und da nicht zuletzt die Mineralölkonzerne es auf unseren letzten Cent abgesehen haben, kommt hier ein Tipp, wie man ihnen und potenziellen Straßenräubern ein Schnippchen schlagen kann.

Gehören auch Sie zu den Millionen von Berufspendlern? Sitzen auch Sie morgens und abends wie all die anderen in Ihren privaten 1500 Kilogramm aus Stahl, Leder, Kunstoff und Stoff? Warum dann nicht eine Fahrgemeinschaft bilden? Eine Web-Fahrgemeinschaft könnte hilfreich sein, die richtigen Mitstreiter gegen den alltäglichen Stau zu finden. Aufgeschlüsselt nach regelmäßigen, einmaligen und grenzüberschreitenden Fahrten finden sich hier sowohl Fahrer als auch Mitfahrer.

Genauso - aber viel besser gestaltet - kommt die Mitfahrbörse drive2day daher. Aus unverständlichen Gründen sind zwar diverse Landesfahnen auf der Startseite zu sehen, die Kommunikation erfolgt auf diesem Site jedoch ausschließlich auf Englisch. Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt. Im unteren Bereich der Webseite kann man eingeben, von wo nach wo die Reise gehen soll. Ein Klick auf ‘Fahrer suchen’ beziehungsweise ‘Mitfahrer suchen’ und schon kommen die Resultate. Der Aktualität der Angebote und Suchanfragen nach zu urteilen, erfreut sich dieses Web-Angebot erheblichen Zuspruchs. Professionell und schnell. Ein echter Hit für Leute, die noch ein Plätzchen freihaben.

Wer sein Auto teilen kann, wird sich vielleicht auch mit dem Gedanken anfreunden können, sein Haus oder seine Wohnung anderen zur Verfügung zu stellen. Insbesondere zum Urlauben eignet sich die Idee des zeitlich begrenzten Tausches von Behausungen gut. Nach dem Prinzip ‘gibst du mir dein Haus, bekommst du meins’ funktioniert Homelink International.

Wer alle Funktionen des Systems nutzen will, kommt allerdings an der kostenpflichtige Registrierung (100 Euro pro Jahr) nicht vorbei. Immerhin enthält die eine Art erweiterte Hausratversicherung. Der neugierige Haustauscher, der sich erstmal nur informieren will, kann aber auch ohne Registrierung in der vollen Datenbank recherchieren - allerdings sieht er die genauen Adressen der Bieter in diesem Fall nicht. Das Suchprinzip ist einfach: Man gibt ein, wo man wohnt und wohin man gerne tauschen möchte. Das System zeigt potenzielle Treffer, mit denen man Kontakt aufnehmen kann - so man denn Mitglied ist. Ein dem Prinzip nach verlockend preiswertes Verfahren, Urlaub in fernen Ländern zu machen.

Solche Sachen funktionieren übrigens auch mit Partnern, aber das ist ein anderes Thema ... (ka)