Es muss nicht immer Outlook sein

Immer hĂ€ufiger taucht im Firmenalltag das Schlagwort ‘Groupware’ als Organisationsmittel der Wahl auf. Neben Lotus Notes dominiert Microsoft mit der Kombination Exchange/Outlook derzeit den Groupware-Sektor. Inzwischen hat jedoch auch die Open-Source-Szene hier einiges zu bieten.

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Von
  • Dr. Christian Böttger

Groupware-Lösungen bieten die Chance, effiziente Zusammenarbeit zu organisieren und gleichzeitig die QualitĂ€t der Daten, wie Adressen, Kontakte und Terminverwaltung deutlich zu verbessern. Schlanke und flexible Organisationsformen sind ohne eine geeignete Groupware kaum noch denkbar. Dies gilt nicht nur fĂŒr große, sondern auch fĂŒr kleine und mittlere Organisationen.

Neben den bekannten kommerziellen Angeboten existieren freie Softwareprojekte, die sich ebenfalls um das Thema bemĂŒhen - jedes setzt eigene Schwerpunkte. Um die ‘richtige’ Lösung zu finden, muss man sich zunĂ€chst ĂŒber seine Erwartungen an eine Groupware im Klaren sein. Dieser Artikel befasst sich exemplarisch mit drei Open-Source-Projekten und stellt sie an zentralen Punkten der verbreitetsten Groupware-Lösung, Microsoft Outlook/Exchange, gegenĂŒber. Die kommerziellen Vertreter fĂŒr Linux werden in einer der nĂ€chsten Ausgaben hinsichtlich ihrer Eignung als Exchange/Outlook-Ersatz untersucht.

Die Wahl fiel auf phpGroupware, TUTOS und Kroupware, da diese weit entwickelt sind und einen guten Überblick ĂŒber das verschaffen, was Open-Source-Projekte anbieten können. Da die Kroupware-Entwicklung im Auftrag des Bundesamts fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) fĂŒr den Deutschen Bundestag erfolgt, dĂŒrfte das Projekt zunehmende Bedeutung erlangen. FĂŒr phpGroupware spricht, dass es derzeit im Rahmen eines grĂ¶ĂŸeren Fördervorhabens des Landes Niedersachsen eine grĂŒndliche Überarbeitung erfĂ€hrt; die darin enthaltenen ErgĂ€nzungen fĂŒr den kommerziellen Einsatz sollen es auch fĂŒr große Organisationen fit machen.

Damit ist schon die erste HĂŒrde beim Einsatz von Produkten genannt: es existieren viele AnsĂ€tze mit teils unterschiedlichen Zielsetzungen, die sich unter dem Begriff ‘Groupware’ scharen. Dies reicht von einfachen Programmen, die Adressen, E-Mail und eine Terminverwaltung bereitstellen, ĂŒber Produkte, die ihren Schwerpunkt in der Projektverfolgung und Teilen der Buchhaltung setzen, bis hin zu den eierlegenden WollmilchsĂ€uen, die fast alles bieten, was man irgendwie gemeinsam nutzen kann respektive muss.

Ein wesentliches Merkmal der Open-Source-Vertreter ist ihr rein webbasierter Ansatz. Diese - von Kroupware abgesehen - reinen Thin-Client-Lösungen bieten viele bekannte Vorteile: Auf dem Arbeitsplatzrechner ist außer einem Webbrowser keine Installation erforderlich, der Zugriff funktioniert sowohl im Intranet als auch - gesichert via HTTPS - von außen. DarĂŒber hinaus ist die Anwendung plattformunabhĂ€ngig (Browser gibt es fĂŒr jedes erdenkliche Betriebssystem), und Software-Updates gestalten sich denkbar einfach, da sie nur auf dem Server einzuspielen sind. Zudem arbeiten alle Nutzer immer auf dem gleich aktuellen, zentralen Datenbestand des Servers.

Dem stehen einige Nachteile gegenĂŒber klassischen Client/Server-Lösungen wie Microsofts Outlook, Lotus Notes oder anderen entgegen. Gerade Außendienstler und andere Mitarbeiter, die nur zeitweise an ihrem Schreibtisch sitzen, verfĂŒgen nicht immer ĂŒber einen Internetzugang. Ohne einen solchen oder eine Direkteinwahl zur eigenen Firma stehen bei reinen Weblösungen ĂŒberhaupt keine Daten zur VerfĂŒgung: sie sind nicht offline-fĂ€hig.

Weiter existieren prinzipielle Schwierigkeiten bei der Synchronisation mit PDAs wie Palm, Psion, Windows-CE-GerĂ€ten, Zaurus und anderen. Zum einen unterstĂŒtzt die den PDAs beiliegende Synchronisationssoftware meist nur bestimmte, kommerzielle Windows-Groupware-Produkte - wie Outlook oder Lotus Notes - und installiert sich hĂ€ufig direkt als Plug-ins in diese Lösungen. Zum anderen muss ein PDA zur Synchronisation am Arbeitsplatzrechner angeschlossen sein. Dort lĂ€uft bei den Weblösungen aber keine Groupware-Software, sondern nur ein Browser. Es sind daher einige KlimmzĂŒge zu veranstalten, um die Daten ĂŒberhaupt vom PDA auf den Groupware-Server zu bekommen - und vice versa. FĂŒr Palm-OS-PDAs existieren, im Gegensatz zu den anderen, immerhin einige Open-Source-AnsĂ€tze, die das unter Palm OS dafĂŒr eingesetzte Hotsync-Protokoll implementieren. Bei anderen PDAs, insbesondere WinCE und Psion, existieren derzeit keine geeigneten Synchronisationslösungen.

Ein Fat-Client bietet als eigenstĂ€ndiges Programm mehr Optionen zur Gestaltung der NutzeroberflĂ€che als ein Thin-Client, der mit den FĂ€higkeiten eines Browsers auskommen muss. Elemente wie Roll-Down-MenĂŒs, Popup-Fenster, Auswahlboxen, MenĂŒs mit gegebenenfalls mehreren UntermenĂŒs oder andere Dialoge sind wesentlich einfacher zu gestalten und können direkt auf die Nutzereingaben beziehungsweise den aktuellen Status reagieren. Der Einsatz von Javascript behebt zwar in weiten Bereichen diese EinschrĂ€nkungen, allerdings erkauft man sich dies durch oft erhebliche BrowserinkompatibilitĂ€ten. Eine Javascript-basierte Lösung wird nur auf einer kleinen Auswahl von Browsern fehlerfrei funktionieren. Oft reicht schon ein Release-Wechsel des Browsers, und die LauffĂ€higkeit ist dahin. Daher muss man stĂ€ndig neuen Browserversionen ‘hinterherprogrammieren’.

Um keine MissverstĂ€ndnisse aufkommen zu lassen: Findige Programmierer schaffen es immer wieder, trotz der BeschrĂ€nkungen von webbasierten OberflĂ€chen ansprechende und gut bedienbare Lösungen zu entwickeln. Oft haben diese AnsĂ€tze den Charme, wesentlich schlanker und ĂŒbersichtlicher zu sein als ĂŒbliche Fat-Clients. Wie immer gibt es nicht ‘die’ Lösung fĂŒr alle AnwendungsfĂ€lle. Vielmehr muss man bei der Auswahl einer Groupware, wie bei jeder Software, die Vor- und Nachteile abwĂ€gen und entscheiden, welche Applikation sich fĂŒr den jeweiligen Zweck am besten eignet.

Als weitere prinzipbedingte Eigenart benutzen die webbasierten Lösungen beliebige externe Mailserver fĂŒr SMTP und POP3/IMAP4. Einerseits erhöht dies die FlexibilitĂ€t, andererseits verhindert es die Realisierung von serverbasierten Regeln wie Mailfiltern und insbesondere Abwesenheitsschaltungen. Ein Web-Mail-Client kann eben nicht Filterregeln in einem beliebigen Server setzen. Daher verfĂŒgen die Weblösungen auch nicht ĂŒber Abwesenheitsschaltungen. Ein Ausweg aus dem Dilemma ist, eben doch einen bestimmten Mailserver zu verwenden und die dafĂŒr erforderlichen Modifikationen an den Web-Mail-Clients vorzunehmen. Ein Beispiel fĂŒr ein solches Vorgehen ist das Projekt pb.WebMAUI, das auf der Courier Mailsuite basiert. Passende Modifikationen existieren fĂŒr den Web-Mail-Client Horde/IMP; fĂŒr den Web-Mailer in phpGroupware gehört dies zum oben genannten Fördervorhaben. Bei unter der GPL (oder kompatiblen Lizenzen) stehenden Paketen steht den Änderungen zumindest von der rechtlichen Seite her nichts im Wege.

Den vollstÀndigen Artikel mit der detaillierten Vorstellung der drei Linux-Groupware-Projekte sowie deren Abgrenzung zu Microsoft Outlook finden Sie in der aktuellen Printausgabe. (avr)