Wanted

Wer sich gern gruselt oder Spannung in seinen eintönigen Alltag bringen will, indem er selbst auf Verbrecherfang geht, kommt heute auf seine Kosten. Vom unterhaltsamen Krimi über die Fahndungslisten des FBI bis hin zu den Lebensläufen von Serienmördern - das WWW kennt alles.

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Lesezeit: 5 Min.
Von
  • Torsten Beyer
Inhaltsverzeichnis

Waren auch die letzten Wochen in Deutschland wettertechnisch halbwegs erträglich, so lädt diese Jahreszeit dennoch eher zur Betätigung am heimischen Herde ein. Ausflüge vor die Tür werden im Allgemeinen mit nassen Sachen und kalten Füßen belohnt. Warum also nicht mal einen Kriminalfall online lösen? iX, das Fachblatt für Mord und Totschlag, hat sich deswegen im Internet umgesehen und stellt hier die heißesten Krimiseiten vor.

Da wäre zunächst das FrauenInternetProjekt Hamburg, das mit einem FrauenInternetKrimi sein Unwesen treibt. Die Idee ist simpel: Ausgehend von einem Rumpf aus handelnden Personen hat eine der Aktivistinnen mit dem ersten Kapitel begonnen. Und nun ist jeder aufgefordert, darauf basierend, die Handlung weiterzustricken. Bisher haben die Damen zehn Kapitel zusammenbekommen. Liest sich witzig und lädt zum Mitmachen ein.

Wer lieber aktiv nach Mördern und sonstigen Unholden sucht, sollte in diese Sherlock-Holmes-Seite reinschauen. Dort finden sich zwei im Stile von Abenteuerspielen aufgemachte Kriminalfälle, die der geneigte Surfer lösen kann. Irgendwie scheint das Ganze Geld zu kosten - andererseits aber auch wieder nicht, weil man einfach so losspielen kann. Der Hinweis, dass die Spiele ‘auf Dauer kostenpflichtig’ sein werden, erschließt sich mir in seiner Bedeutung nicht ganz. Nichtsdestotrotz hat Sherlock eine witzige und spannende Website zu bieten.

Speziell für Bewohner der Hellweges (diejenigen, die nicht wissen wo das ist: im Wesentlichen in Westfalen - liebe Heimatkundler, bitte nicht hauen für diese Vergröberung) gibt es ebenfalls eine spannende Internetpräsenz. Die hat zwar nichts mit Mitmachen am Hut, dafür enthält sie eine Unzahl von Buchtiteln (unter ‘Buch’) mit Krimis, die in der Region spielen (beispielsweise ‘Die Leichenfischer von Rünthe’ - köstlicher Titel).

Da wir gerade bei Krimiliteratur sind: Wem das Lokalkolorit der Hellwegmorde nicht gefällt, findet dem Vernehmen nach Besseres auf der deutschen Krimiseite mit unzähligen Infos zu Autoren und Rezensionen (auch in englischer Sprache). Sehr nett und als Kaufhilfe überaus empfehlenswert ist die Vorschau auf bald erscheinende Bücher. Ebenso gut als Kaufhilfe ist die Rubrik Neuerscheinungen geeignet.

Wer lieber hört statt liest, findet das komplette Programm an Kriminalhörspielen, das die deutschen Radiosender verbreiten. Neben dem Titel sowie sinnigerweise dem Sender und der Startzeit bietet ‘Hörspielkrimi’ einen Kurzüberblick über das jeweilige Hörspiel.

Sie haben keinen Sinn für diesen ganzen fiktiven Mordkrams? Dann schauen Sie doch mal beim BKA vorbei. Der erlaubt einen Blick auf richtige Verbrecher. Erschreckender- aber wohl nicht überraschenderweise sehen die eigentlich alle ganz normal aus. Unter ‘Fahndung nach Personen’ kann man sich die ansehen, die in den meisten Krimis gefasst werden - in der Realität aber noch frei herumlaufen. Die Fülle an zum Teil sehr ausführlichen Informationen kompensiert die grafische Phantasiearmut der BKA-Webseite.

Dass man auch als ernsthafte Organisation grafisch ansprechende Webseiten gestalten kann, beweisen die US-Kollegen vom FBI. Mann kann sicherlich über die Farbwahl der Seiten streiten. Man kann sich immerhin davon überzeugen, dass eine Kriminalbehörde nicht unbedingt im frischen Mausgrau daherkommen muss.

Noch nicht gruselig genug, dieser Blick in die Tiefen unserer Gesellschaft? Kein Problem: man sich darüber informieren, welche Serienkiller und Massenmörder in unserer Zeit ihr Unwesen getrieben haben. Sie dachten, Serien- und Massenmörder seien dasselbe? Weit gefehlt. Serienkiller.de informiert den schaudernden Leser haargenau darüber, unter welchen Umständen man sich als Massen-, Serien- oder sonstiger Mörder bezeichnen darf. Kleiner Hinweis: Die Anzahl der Mörder und der Ort ihrer Untaten machen den Unterschied. Nachzulesen ist das unter ‘Definition’.

Immer noch nicht genug Realität? Dann hilft vielleicht ein Blick in die ‘Internet Crime Archives’. Neben einer internationalen Aufstellung aller möglichen Mörder und Morddelikte findet sich dort eine Seite mit aktuell flüchtigen Tätern. Ziemlich schauerlich das Ganze - selbst dann, wenn man vom gruseligen Design der Webseite absieht.

Nicht selten werden so genannte Profiler eingesetzt um gewitzten Mördern auf die Schliche zu kommen. Einer davon ist Robert K. Ressler, der seine Kunst beim US Militär und beim FBI erlernt hat. Der geneigte Leser erfährt, was man alles auf der Pfanne haben muss, um so einer zu werden wie Robert.

Wem die englische Sprache in diesem speziellen Bereich zu umständlich ist, kann ähnliche Infos auf Deutsch nachlesen. Neben den generellen Prinzipien des Profiling gibt es dort unter dem Stichwort Bibliothek einige Online-Artikel zum Thema ‘Kriminalpsychologie’.

Sie haben jetzt genug vom Drinnensitzen? Sie wollen mal selber richtig aktiv werden und einen Mörder fangen? Sie kennen das Spiel ‘Scotland Yard’, bei dem die Mitspieler den geheimen und gefährlichen Mister X fangen müssen? Prima, dann bringen Sie alle Voraussetzungen mit, um das Ganze in echt zu spielen. Sie brauchen zwischen 8 bis 12 Mitspieler, ein Mister-X-Team und jeweils Teams von 2 bis 4 Personen.

Alle bekommen ein Telefon und ein Tagesticket für den Ortsverkehr (Alternative für die Betuchteren: ein Tagesausweis für die Deutsche Bahn oder die Lufthansa). Weiterhin benötigt man Mitspieler (oder ein Team) an einer Telefonzentrale und los geht’s. Wie das im Detail funktioniert, steht in der Web-Spielekiste. Ist aber vielleicht doch eher was für die warme Jahreszeit. (ka)