Freundschaft!

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Von
  • JĂĽrgen Seeger

Wahrscheinlich haben ihnen ihre PR-Leute davon abgeraten, die frohe Botschaft am 1. April zu verkünden. Denn sonst wäre sie womöglich als ein Scherz unter vielen untergegangen: Steve Ballmer und Scott McNealy haben am 2. April ihre Hockeytrikots getauscht und sind jetzt Freunde.

Als Auftakt eines langfristigen Kooperationsabkommens fließen 1,95 Milliarden US-Dollar von Redmond nach Palo Alto, sämtliche juristischen Streitigkeiten sind damit ad acta gelegt.

Das ist sogar für Microsoft etwas mehr als der viel zitierte Griff in die Portokasse, immerhin ein Fünftel des letztjährigen Jahresüberschusses von knapp 10 Milliarden US-Dollar. Aber vor allem nach dem 495-Millionen-Verdikt aus Brüssel wegen monopolistischer Machenschaften war wohl ein deutliches Signal in Sachen Offenheit fällig.

So will Microsoft wieder Support für Java leisten und mit Sun Protokolldetails und Verfahren austauschen. Da schon lange klar ist, dass Java das Redmonder Monopol für Desktopanwendungen nicht ankratzen kann, ist das eher ein Fall von Kundendienstverbesserung als ein Zugeständnis.

Doch vor allem dem Sun-CEO dürfte ein Stein vom Herzen gefallen sein. Er sollte nämlich bei einem Jahresverlust von knapp 3,5 Milliarden (2003) dankbar für jeden Dollar Zusatzeinkommen sein - auch wenn nicht einmal dieser Milliardenregen den geplanten Abbau fast jedes zehnten Arbeitsplatzes abwenden kann. Und dass auf Dauer ein Gerichtssaal der richtige Ort ist, um gegenüber dem Mitbewerb zu bestehen, glaubt ohnehin nur noch SCO.

Wichtiger aber: Suns Xeon-Server sind ab sofort Windows-zertifiziert, für die Opteron-basierten Modelle ist dies geplant. Gerade angesichts der unklaren Zukunftsperspektive für die hauseigene Sparc-CPU geht Sun damit einen überfälligen Schritt, den andere Systemhersteller längst gemacht haben: Der Kunde kann entscheiden, welches Betriebssystem er haben will.

Apropos Kunde: Anwender und Entwickler können von der Kooperation nur profitieren, vorausgesetzt, die versprochenen Integrationsarbeiten werden in die Tat umgesetzt. Und dass McNealy Microsoft einst als das „böse Imperium“, Windows als „gigantisches Gewölle“ bezeichnet hat und bekannte, er liebe Linux, zeigt eigentlich nur, dass er ein guter Entertainer ist. Oder hat etwa jemand diese weltanschaulichen Aphorismen ernst genommen? (js)