Ernst des Lebens
Drohend erhebt sich für manch einen zwischen Studium und Beruf die Mauer „Diplomarbeit“. Wie man sie am leichtesten überwindet, liest man - wie üblich - am besten im Internet nach.
- Diane Sieger
Wer seine Diplomarbeit bereits geschrieben hat, erinnert sich zurück an eine Zeit, in der er nächtelang vor dem Computer gesessen, unzählige Flüche ausgestoßen, literweise Kaffee getrunken und Unmengen an Schokolade und Gummibärchen vertilgt hat. Andererseits war die Wohnung später nie wieder so aufgeräumt, die Fenster nie mehr so glasklar geputzt, und auch das Ausmisten des Kleiderschranks fiel zwangsläufig in diese Periode. Immer wieder fanden sich gute Gründe, sich nicht vor den Rechner setzen zu müssen.
Jahre später schmunzelt man darüber, hat verdrängt, wie frustrierend und nervenaufreibend das Verfassen der Arbeit war und bringt nicht allzu viel Verständnis für diejenigen auf, die heute verzweifelt vor dem unbezwingbar erscheinenden Berg „Diplomarbeit“ stehen. Schließlich ist heute - im Zeitalter des Internets - alles gar nicht mehr so schlimm ...
Schon bevor man sich überhaupt für ein Thema entschieden hat, kann man sich mental auf das einstellen, was in den nächsten Monaten das eigene Leben beherrschen wird, und leicht einen guten Einstieg in den Themenkomplex Diplomarbeit finden. . Das Stichwort „Studium“ in der Navigationsleiste und der Menüpunkt „Leitfaden Diplomarbeit“ führen geradewegs zu vielen nützlichen Tipps und Tricks rund um die Arbeit. Angefangen bei der Themenwahl über die Zeitplanung bis zu Recherchegrundlagen finden sich hier kurze und knappe, aber wichtige Hinweise, die dank ihrer allgemeinen Form nicht nur für Wirtschaftswissenschaftler interessant sind.
Auf das Thema kommt es an
Die wohl schwierigste Aufgabe zu Beginn der Diplomarbeitsphase ist die Themenwahl. Schon so mancher, der sich zu schnell und unüberlegt für ein Thema entschieden hat, ist später fast verzweifelt, gilt es doch, sich mehrere Monate mit ein und demselben Sujet auseinander zu setzen. Als Hilfestellung stellt daher ein Regensburger Professor seinen Studierenden ausführlich dar, welche Kriterien ein Thema erfüllen sollte. Eigentlich sind seine Ausführungen eine Anleitung für Diplomarbeiten an seinem persönlichen Lehrstuhl. Da er die Hinweise aber in der Regel allgemein gültig formuliert, lohnt sich ein Blick auf diese Seite zum Startschuss der Arbeit mit Sicherheit auch dann, wenn man nicht gerade Wirtschaftswissenschaften an der Universität Regensburg studiert.
Wer sein Themenfeld bereits eingegrenzt hat, aber keine ausschließlich theoretische Arbeit verfassen möchte, kann in einem Unternehmen eine Auftragsarbeit durchführen, deren Ergebnisse sich in der Diplomarbeit niederschlagen. Ausschreibungen für zeitlich befristete Stellen in Industrie und Dienstleistung findet man bei diversen Job-Piloten und anderen Job-Portalen; große Unternehmen schreiben ihre Diplomarbeitswünsche auch in ihren eigenen Internetauftritten aus. Wer ein bestimmtes Wunschunternehmen im Auge hat, kann sich online informieren oder telefonisch Kontakt aufnehmen. Manchmal erleichtert eine solche unternehmensbezogene Diplomarbeit den Einstieg in den Beruf, da man frühzeitig Kontakte knüpfen und sich und seine Fähigkeiten in einem Betrieb unter Beweis stellen kann.
Das Thema ist gewählt, es folgt die Umsetzung: Betreuer/in finden, Literaturrecherche, technische Umsetzung. Für Menschen, die noch nicht allzu fit im Umgang mit Microsoft-Produkten sind, ihre Diplomarbeit aber mit Word verfassen wollen, finden sich Tipps zur Einrichtung der notwendigen Features wie Formatvorlagen, Fußnoten und Quellenangaben. Auf den ersten Blick wirkt das Design der Seite zwar wie von der Internetgruppe einer Kindertagesstätte erstellt, ist aber inhaltlich brauchbar.
Da Word für viele Manuskripte, die Formeln enthalten, nicht das Programm der Wahl ist, lohnt sich ein zusätzlicher Blick in die Latex-Einführung von Adrian Röllin; dort finden sich selbst Anfängerinnen und Anfänger gut zurecht.
Ans Licht der Öffentlichkeit
Eine wichtige Rolle spielt die Speicherung des Diplomarbeitsdokuments während der Schreibphase. Häufiges Sichern auf dem Rechner ist unumgänglich, dezentrale Kopien mehr als sinnvoll - sei es auf einer CD-ROM bei Freunden, auf einem zentralen Rechner außerhalb der eigenen vier Wände oder auf einem um den Hals getragenen USB-Stick. Denn schließlich besagt Murphy’s Law, die Wahrscheinlichkeit, dass die Wohnung während der Diplomarbeitsphase ausbrennt, der Computer gestohlen wird, die Ex aus Rache Kaffee in den Diskettenschlitz schüttet oder das Kaninchen die Macht über den Rechner ergreift, ist nicht gerade gering.
Und was passiert, wenn alles geschafft ist? Die Arbeit ist benotet, das Ergebnis bekannt und der erste Job idealerweise bereits angetreten - für viele unter hohem Nerveneinsatz verfasste Werke bedeutet dies das Verschwinden im Regal zwischen Diercke-Weltatlas und preiswerten Taschenbüchern. Manche Exemplare sollen sogar schon übereifrigen Meerschweinchenzähnen oder künstlerisch begabten Kleinkindern zum Opfer gefallen sein. Es muss also eine Alternative her, um das Werk würdig der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.
Da es für wissenschaftlich ausgerichtete Arbeiten selten einen großen Markt gibt und die klassischen Verlage in der Regel ausschließlich Bücher produzieren, von denen sie sich eine hohe verkaufte Auflage versprechen, stehen die Chancen für eine Veröffentlichung der eigenen Arbeit als Buch nicht allzu gut. Allerdings gibt es die Möglichkeit, Bücher erst auf Anfrage des Käufers herstellen zu lassen. Die Herstellung dieser Bände erfolgt digital, und sie sind über den normalen Buchhandel zu beziehen. Einer der großen Anbieter ist Book-on-Demand. Die Seite ist übersichtlich gestaltet, alle notwendigen Informationen sind leicht zu finden und die Formulierungen verständlich.
Technikfreaks, die es vorziehen, eine E-Book-Version ihres Werks anzubieten, sind bei BoD richtig. Der Site erscheint etwas unübersichtlicher als Book-on-Demand, bietet aber insgesamt mehr Features, beispielsweise einen Preiskalkulator für die Realisierung eines Buches oder einen Geschenkgutschein für Freunde, die ihre Arbeit vielleicht als Buch veröffentlichen möchten. Neben E-Books bietet bod.de Print-Ausgaben von Diplomarbeiten und sonstigen Werken an. Die Startbedingungen für den Buchdruck variieren je nach Anbieter von einer Pauschale zur Aufnahme in das Programm bis hin zu einer Erstabnahme von 30 Exemplaren zum Eigenvertrieb durch den Autor. Sinnvoll ist, verschiedene Angebote zu vergleichen und das individuell passende auszuwählen.
Wem es reicht, seine Arbeit online zu vermarkten, hat bei mehreren Anbietern die Chance dazu. Neben Diplomarbeiten24 ermöglichen Diplom.de, Diplomarbeit.biz und Diplomaxx.de, die eigene Arbeit online zu verkaufen. Nach Abschluss eines Autorenvertrags bieten diese Dienstleister die Arbeit über ihre Website an, und Interessierte können sie gegen eine Gebühr herunterladen. So profitiert nicht nur der Diplomand von den Ergebnissen seiner Arbeit. (ka)