Geschlechterkampf
Noch immer ist das gesellschaftliche Bild von Männern und Frauen vielfach von Klischees geprägt. Demzufolge trinken die Herren der Schöpfung Bier und sind Autofreaks, während sich die Damen mit Beauty und Wellness befassen sowie ein Glas Wein goutieren. Natürlich finden sich diese und andere Vorurteile auch im WWW.
- Kai König
- Diane Sieger
Startpunkt des diesmaligen Streifzuges ist Google mit dem Suchtext „Klischees Frauen Männer“, der zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Textes 23 800 Treffer zurücklieferte, darunter zum Einstieg eine interessante Darstellung über autofahrende Männer und Frauen, die mit dem Vorurteil aufräumt, dass Männer besser und sicherer hinter dem Steuer agieren als Frauen. Letzteres stimmt so nicht, untersucht man beispielsweise die Anzahl der in der Verkehrssünderkartei in Flensburg registrierten Personen, stellt sich heraus, dass sie für fünfmal mehr Männer als Frauen ein Punktekonto verwaltet.
Geht es um das Thema Rückwärtseinparken, lässt sich das Klischee in Form eines Flash-Spiels live überprüfen. Mit den Cursortasten muss man das Auto rückwärts in die Parklücke steuern, ohne die anderen Wagen auf dem Bildschirm zu berühren oder zu viel Zeit zu verschwenden.
Rollenklischees sind allgegenwärtig. Eine amüsante Darstellung findet man in einem Online-Artikel des Jugendmagazins Neon. Die beiden Protagonisten laufen in die alltäglichen Fallen der Stereotypbildung: Der Mann soll das Fahrrad reparieren, obwohl die Frau seit drei Jahren regelmäßig Radtouren unternimmt, die Frau würde gefragt, wenn es ums Putzen oder Wäschewaschen geht. Dabei hat selbst Spielzeughersteller Mattel mittlerweile erkannt, wie aufgeschlossen moderne Frauen der Technik gegenüberstehen und liegt mit der neuen Produktlinie „Hacker Barbie“ voll im Trend. Vorsicht Satire ...
In den Kommentaren zu dem genannten Artikel findet sich übrigens ein interessantes Zitat aus der TV-Serie Ally McBeal. Richard Fish, einer der Partner der Kanzlei, in der Ally arbeitet, äußert sich dort zum Thema Gleichstellung wie folgt: „Frauen fallen unter das Behindertengesetz, es gibt für sie extra Parkplätze, extra Gesetze und extra Arbeitsplätze“. Zur Klarstellung: Die Autoren dieses Artikels geben dieses Zitat nur wieder und identifizieren sich keinesfalls inhaltlich damit ...
Männer tratschen viel
Manche Klischees lassen sich sogar medizinisch belegen. Gängigerweise wird vermutet, dass Frauen im Gegensatz zu Männern einen Großteil ihres Arbeitsalltags mit Quatschen, Tratschen, Lästern und Tuscheln verbringen. Diese These wird allerdings durch eine Studie widerlegt.
Eine repräsentative Studie im Auftrag des Tabakherstellers Japan Tobacco International (JTI) hat festgestellt, dass die männlichen Arbeitnehmer sogar ein kleines bisschen mehr an einem Schwätzchen interessiert sind als die weiblichen.
Obwohl der Frauenanteil der in Deutschland lebenden Bevölkerung etwa dem Anteil der Männer entspricht, gibt es im Bereich der beruflichen Karrieren noch erhebliche Unterschiede. In fast allen Berufen erhalten Frauen eine geringere Entlohnung für ihre geleistete Arbeit als Männer in gleichwertigen Positionen, wie das Statistische Bundesamt zu berichten weiß. Und obwohl Frauen in der Regel mit besseren Abiturnoten ins Studium starten, liegt ihr Anteil an Führungskräften im wirtschaftlichen Bereich laut Statistik nur bei mageren 11 Prozent. Dieser Anteil entspricht ungefähr dem Anteil weiblicher Professoren an Universitäten, wobei der Anteil mit 8 Prozent bei den C4-Professuren merklich geringer ist, wie auch hier wieder das Statistische Bundesamt belegen kann.
In der Freitzeitgestaltung hingegen halten die Frauen prozentual stärker mit. Beispielsweise weiß das Weißbuch Bier vom Verband der Brauereien Österreich zu berichten, dass Frauen bestimmte Biersorten gerne konsumieren. Historisch wird das Image von Bier als typischem Männergetränk damit begründet, dass der weibliche Teil der Bevölkerung weder an den bei männlichen Jugendlichen üblichen Iniziationsriten mit Alkoholkonsum teilnehmen, noch den Trinkritualen von Studentenverbindungen oder Burschenschaften beiwohnen. In diesem Zusammenhang interessieren die aktuell in den Medien häufig vertretenen Alcopops, denn die Hauptzielgruppe dieser Getränke sind laut ZDF junge Frauen und Mädchen, die unter anderem dem Bierkonsum nichts abgewinnen können.
Bernd Zimmermann hat eine Sammlung von Webseiten und -portalen online gestellt, die typische Männerdomänen WWW-technisch abdecken sollen. Neben einem Link zur bedeutendsten Webseite für Fußballbegeisterte in Deutschland findet man hier Portale zu den Themen Autos, Motorräder und - ganz wichtig - Männer sowie Chauvis. Allerdings sollte man gerade auf letzteren nicht alles für bare Münze nehmen und sich nicht von den dort überspitzt zur Schau gestellten Klischees beeindrucken lassen - nicht alle Männer sind so ...
Frauen zocken gern
Ein weiteres typisches Klischee: Männer spielen Computerspiele. Auch das ist schon lange nicht mehr so. Die Zeiten, zu denen die Vertreter des starken Geschlechts sich zu ihrem C64 in den Hobbykeller verdrückten, während sich ihre besseren Hälften derweil um den Abwasch gekümmert haben, sind vorbei. Indiz dafür ist eine Website, die Portale für computer- und online-spielende Frauen darstellen. In den Online-Clans findet man ebenfalls immer mehr weibliche Mitglieder, die sich im Ligabetrieb in verschiedenen Computerspielen mit anderen Teams messen.
Ein weiteres Thema für beiderlei Geschlecht ist das mobile Spielen. Nach Gamezworld vertreiben sich zumindest in den USA mehr Frauen als Männer mit Handy-Games die Zeit. Bemerkenswert ist jedoch, dass Frauen nicht bereit sind, dafür so viel Geld auszugeben wie Männer und häufiger die vorinstallierten Spiele nutzen. Also doch ein Volltreffer auf Seiten des Klischees? Männer investieren eher Geld in unnötigen Spielkram wie Handy-Games. (Oder Auto-Tuning oder Bierkästen?) So allgemein kann man das nicht stehen lassen, schließlich geben auch Frauen immer wieder Geld für die üblichen, dem Klischee folgenden Dinge wie Taschen, Schuhe und Kosmetika aus. Aber das ist etwas ganz anderes, denn schließlich will Frau ja der Männerwelt gefallen ...
Wer jetzt noch immer nicht genug hat, der findet die ultimative Klischeeliste im Überblick. Wer sich selbst und bekannte Personen darauf nicht an irgendeiner Stelle wiederfindet, dem können wir auch nicht helfen ... (ka)