Hilfe in der Not
Durch die Flutkatastrophe in Südostasien sind non-governmental Organisations wieder in die Schlagzeilen gerückt. Wie und wo sie helfen, lässt sich im Web nachlesen.
- Diane Sieger
Non-governmental Organisations (NGOs) sammeln Geld für Opfer, fahren in die Krisengebiete, bieten ihre Unterstützung in allen erdenklichen Lebenslagen an und arbeiten an der politischen Willens- und Meinungsbildung mit. Indem sie Regierungen beraten und mit ihrem Fachwissen in allen Bereichen der humanitären Hilfe, des Umweltschutzes und der Gesundheitshilfe unterstützen, leisten sie sogar noch viel mehr. Aber was machen NGOs eigentlich genau und wie treten sie im Internet auf?
Wer sich einen ersten Überblick verschaffen möchte, unter welchen Voraussetzungen eine Organisation in den Bereich NGO fällt (oder eingedeutscht NRO, Nichtregierungsorganisation), findet auf den Seiten des Department of Public Information eine erste Definition. Eine weitere Übersicht gibt es in einem Diskussionspapier der Europäischen Union.
Ein Blick auf die Organisationen im Entwicklungshilfebereich soll einen ersten Eindruck davon vermitteln, wie sich die Nichtregierungsorganisationen im Netz präsentieren. Spätestens 1999 haben die Ärzte ohne Grenzen Weltberühmtheit erlangt, als sie den Friedensnobelpreis erhielten. Die Homepage ist übersichtlich und trifft den Betrachter durch Bilder von notleidenden Menschen direkt ins Herz. Die Spendenkontonummer erscheint gleich auf der Startseite, und auch die aktuellen Pressemitteilungen fallen sofort ins Auge. In den Zeiten des Seebebens zeichnete sich Ärzte ohne Grenzen besonders dadurch aus, dass sie bereits nach wenigen Tagen darum baten, nicht mehr zweckgebunden für Südostasien zu spenden. Da sich die Organisation in der Regel nur in akuten Notsituationen im Krisengebiet aufhält und sich nicht an Wiederaufbaumaßnahmen beteiligt, sind die zu tragenden Kosten überschaubar. Nachdem kurz nach der Katastrophe bereits mehr Geld auf den Konten eingegangen war als im gesamten Jahr 2003, bat man um freie Spenden, um eingehende Gelder auch für andere akute Projekte verwenden zu können. Ansonsten stellt die Homepage die Arbeit der aktiven Ärzte, Hebammen, Logistiker et cetera vor und appelliert, die Arbeit auch aktiv zu unterstützen. Zusätzlich können Informationsbroschüren angefordert, E-Cards verschickt und T-Shirts bestellt werden. Spezielle Informationen für die Jüngsten bietet zudem die „Kids“-Seite. Alles in allem ein gelungener Webauftritt.
Transparenz und Online-Service
Während die Ärzte ohne Grenzen auf kurzfristige Notfallhilfe spezialisiert sind, engagiert sich Plan International langfristig in den Entwicklungsgebieten. Bekannt durch den RTL-Spendenmarathon und zahlreiche prominente Paten präsentiert sich Plan International übersichtlich und in ansprechenden Farben. Hauptziel der Seite ist es, neue Paten zu gewinnen. Dies geschieht durch eine detaillierte Darstellung der Arbeit, Musterbriefe dankbarer Patenkinder und Erlebnisberichte von Begegnungen zwischen Pate und Patenkind. Die Organisation scheint um Transparenz bemüh, es gibt ein Gästebuch und ein Diskussionsforum und auch hier die Möglichkeit, Online-Grußkarten zu versenden.
Wer jetzt hier UNICEF, UNESCO und UNHCR vermisst, der sei darauf hingewiesen, dass dies keine NGOs sind, sondern staatlich finanzierte UN-Organisationen.
Nicht nur in der Entwicklungshilfe sind NGOs aktiv. Auch im Bereich des Umweltschutzes gibt es zahlreiche regierungsunabhängige Organisationen. Mit über 4,7 Millionen Mitgliedern ist der WWF (World Wildlife Fund for Nature) die größte regierungsunabhängige Umweltorganisation. Gleich auf der Startseite des WWF bekommt man einen Blick auf Informationen wie besonders unterstützenswerte Projekte, Pressemitteilungen und den Inhalt des aktuellen WWF-Magazins geboten. Die übersichtliche Navigation bringt den Interessierten zu allem, was es rund um das Thema Naturschutz gibt. Neben umfangreichen Artikeln, den üblichen Spendenaufrufen und Sonderseiten für Kinder unter dem Stichwort „Young Panda“ (wann versteht denn endlich auch der letzte Webprogrammierer, dass bunt und bewegt nicht zwingend gleichbedeutend mit ansprechend ist?) gibt es auch interaktive Seiten für Erwachsene. Dort kann man an Gewinnspielen teilnehmen, Kurzfilme anschauen und Tipps für ein umweltbewusstes Verhalten im Alltag abrufen. Wer nur an einem bestimmten Thema interessiert ist, nutzt am besten die recht gute Suchfunktion, um geeignete Artikel zu finden.
Finanzmärkte demokratisch kontrollieren
Eine junge, aber stetig an Einfluss gewinnende Organisation ist Attac. Mit ihrer Webpräsenz stellen sich die Globalisierungsgegner vor, die sich erst 1998 zusammengeschlossen haben, mit dem ursprünglichen Ziel, für eine demokratische Kontrolle der Finanzmärkte einzutreten. Mittlerweile sind die Aufgaben von Attac wesentlich umfangreicher, ein Blick auf die Homepage lohnt sich also. Neben privaten Einzelmitgliedern haben sich viele politisch agierende Bewegungen Attac angeschlossen, beispielsweise Gewerkschaften, der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) oder diverse kirchliche Träger. Die Homepage ist in vier Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch) abrufbar, die wichtigsten und aktuellsten Themen präsentiert gleich die Startseite. Außer Pressemitteilungen, Terminen und Aktionshinweisen gibt es zahlreiche Infotexte, die Möglichkeit, nach Attac-Gruppen in Wohnnähe zu suchen, und natürlich Spendenaufrufe. Umfangreiche Informationsmaterialien können bestellt werden, auch die Kommunikation mit anderen kommt über das vorhandene Forum nicht zu kurz. Alles in allem eine umfassende und informative Webpräsenz, die den ganz Überzeugten gleich die Möglichkeit bietet, online Mitglied zu werden.
Wer jetzt noch mehr über einzelne aktive NGOs wissen möchte, kann sich über zahlreiche schlichte, aber umfangreiche Link-Listen zu den diversen Einzelthemen informieren. Beispielsweise findet sich eine Liste aller in der Entwicklungshilfe engagierten deutschen Organisationen, in einer Übersicht die allgemein tätigen größten NGOs in Deutschland.
Auch untereinander sind die Nichtregierungsorganisationen vernetzt. Beispielsweise findet im NRO Frauenforum ein regelmäßiger Austausch von aktiven Frauen aus Nichtregierungskreisen statt. Über die geschlechtsspezifische Vernetzung hinaus geht ein Netzwerk für alle Nichtregierungsorganisationen, auf deren Linkliste zur Ergänzung viele nicht-deutsche NGOs zu finden sind.
Leider kann hier nur eine ganz, ganz kleine Auswahl vorgestellt werden, es gibt aber noch unzählige weitere NGOs, die einen Klick wert sind. Einfach mal im Web die Augen aufhalten. (ka)