Vor dem Abflug

Den einen nervt das deutsche Wetter, den anderen die liebe Verwandtschaft. Ein dritter sucht einfach nur das Abenteuer. Die Motivationen für das Auswandern mögen noch so unterschiedlich sein, viele Bedingungen für die Einreise ins Traumland sind für alle gleich.

vorlesen Druckansicht 5 Kommentare lesen
Lesezeit: 6 Min.
Von
  • Diane Sieger

Das Wetter ist trist, das Lächeln auf den Gesichtern verschwunden, und 5,2 Millionen Arbeitslose sprechen Bände bezüglich der Situation in Deutschland. Da kann kann man schon auf den Gedanken kommen, die Heimat dauerhaft zu verlassen und sich an einem anderen Fleckchen dieser Erde niederzulassen. Und warum nicht? Viele Länder warten geradezu auf gut ausgebildete Immigranten, die frischen Wind in die Wirtschaft bringen. Welche Grundlagen jeder einzelne erfüllen muss und wie man es tatsächlich schafft, Vater Staat legal den Rücken zu kehren, kann man - wenig überraschend - im Web nachlesen.

Allein der Begriff „Auswandern“ führte bei Google Mitte März 2005 zu 484 000 Treffern. Um sich in diesem Überangebot an Informationen zurechtzufinden, braucht es ein wenig Zeit und Geduld. Am besten beginnt der Auswanderungswillige damit, sich einen Überblick über die in Frage kommenden Länder zu verschaffen.

Das Auswanderermagazin wirkt zwar auf den ersten Blick etwas unübersichtlich, aber bereits nach wenigen Minuten findet man sich gut zurecht und kann im Inhaltsverzeichnis auf der linken Seite unter der Rubrik „Rund ums Auswandern“ die wesentlichen Infos zu den in Frage kommenden Ländern abrufen. Die derzeit 17 wichtigsten Einwanderungsländer sind dort aufgelistet.

Ist die Entscheidung für das Traumland gefallen, geht es darum, ein Visum zu ergattern. Schließlich möchte man Deutschland nicht verlassen, um postwendend zurückgeschickt zu werden. Die Visa-Formalitäten und somit die Grundvoraussetzungen zur Immigration sind für jedes Land unterschiedlich. Inzwischen legen die meisten Länder viel Wert darauf, gut ausgebildete Fachkräfte in besonders benötigten Berufen aufzunehmen.

Eines der bekanntesten Immigrationssysteme ist das amerikanische Green-Card-Verfahren. Eine zugelassene Auswanderungsstelle bietet alle erforderlichen Informationen und Unterstützung bei der Bewerbung um eine Green Card. Auch im Jahr 2005 wird die Green-Card-Lotterie wieder 55 000 Gewinnern dazu verhelfen, ihrem Heimatland den Rücken zu kehren und sich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten niederzulassen. Aber auch, wer sich nicht auf das Lotteriespielchen einlassen will, ist beim „amerikanischen Traum” gut aufgehoben, da es dort zu allen anderen Visa (zum Beispiel Touristen- und Arbeitsvisa) ebenfalls Beratungsangebote gibt.

Wer zunächst an Erfahrungsberichten von Auswanderern interessiert ist, findet nützliche Tipps für alle, die den Schritt in die USA wagen, beispielsweise zu Wohnungssuche, Firmengründung und Umzug sowie umfangreiche Linklisten. Etwas nervig sind die Verweise auf das selbst geschriebene Taschenbuch der Website-Betreiber, das sie wohl mit aller Kraft verkaufen wollen. Wer sich jedoch länger auf dem Site umsieht, lernt die Eigenwerbung zu ignorieren.

Für Menschen in der IT-Branche bieten derzeit die Vereinigten Arabischen Emirate eine echte Alternative zum Leben und Arbeiten in Deutschland. Wer träumt nicht von steuerfreien Megagehältern in einem Land mit einer Sonnenscheindauer von neun Stunden pro Tag im Winter? In Dubai, dem extravaganten Handels- und Wirtschaftszentrum des Nahen Ostens, sind mittlerweile viele internationale Unternehmen ansässig, die ihre Angestellten aus der ganzen Welt rekrutieren. Für einen Überblick über Klima, Wohnen, Einkaufen und Sport am Golf ist man bei Dubai-City richtig.

Wenn es konkret wird und an die Jobsuche geht, bietet dieser Site gegen ein kleines Entgelt Einsicht in einen Stellenmarkt und erlaubt es, eigene Suchanzeigen ins Netz zu stellen. FĂĽr einen kostenlosen Ăśberblick ĂĽber freie Stellen ist Gulf Job Sites eine gute Anlaufstelle. AusfĂĽhrliche Informationen rund ums Visum bietet die Homepage der Regierung.

Möchte man die größtmögliche Distanz zwischen sich und Deutschland bringen, bietet sich Neuseeland an. Ein Land von der Fläche Deutschlands mit knapp vier Millionen Einwohnern und 65 Millionen Schafen verspricht, das Paradies auf Erden zu sein. Unternehmungslustige, die maximal 30 Jahre alt sind, können sich für ein Jahr mit einem Working-Holiday-Visa auf Nord- und Südinsel tummeln. Der Haken an der Sache ist, dass man spätestens nach drei Monaten den Arbeitgeber wechseln muss. Wer jedoch als Backpacker möglichst viel vom Land sehen möchte und sich nicht zu schade ist, sein Geld gegebenenfalls eine Zeit lang mit Äpfelpflücken zu verdienen, findet alle nötigen Informationen bei Anywork Anywhere.

Die Vergabe permanenter Visa erfolgt nach einem Punkte-Ranking, dessen erforderliche Mindestzahl zur Zeit extrem niedrig ist. Selbst Auswanderungswillige, die noch vor wenigen Jahre nicht den Hauch einer Chance hatten, können sie heute erreichen. Erste Anlaufstelle sollte der New Zealand Immigration Service sein. Hier gibt es von offizieller Seite alle Infos rund um das Leben am anderen Ende der Welt. Bevor man sich jedoch in Planungen verliert, sollte man unbedingt den Point Calculator bemühen, denn schon hier können Träume wie Seifenblasen zerplatzen, wenn man die erforderliche Punktzahl nicht erreicht.

FÜr alle, die an netten Geschichten und Anekdoten aus Neuseeland interessiert sind, gibt es unter dem Stichwort „Impressionen“ witzige, unglaubliche aber auch bedenklich stimmende Fakten aus NZ. Beispielsweise erfährt man dort, dass die häufig vor Supermärkten stehenden Tonnen mitnichten der Müllentsorgung dienen, sondern zum Sammeln von Lebensmittelspenden gedacht sind. Nur leider wissen das viele Touristen nicht ...

Jeder fünfte in Kanada Lebende ist im Ausland geboren. Warum sich nicht in die Gemeinde der Immigranten einreihen und wie jährlich knapp 229 000 Menschen ins Ahornblattland umsiedeln? Zwar ist Kanada zu etwa 90 Prozent unbewohnbar, aber das schreckt den tapferen Auswanderer nicht wirklich. Und dass das längste Wort der Welt, eekaleecahkataschuneeqkoveeahnamareetuyrralluaka, aus der Sprache der Ureinwohner Kanadas, der Inuit, stammt, macht den Zugezogenen eher stolz, als dass es ihn verwirrt. Wie man letztendlich an eins der begehrten Visa kommt, verrät „Citizenship and Immigration Canada“.

Aber vielleicht ist es zu Hause ja doch am schönsten? Eventuell reicht es, ein wenig vom Auswandern zu träumen, ohne diese Fantasien in die Tat umsetzen zu müssen. Denn schließlich hat Deutschland ebenfalls schöne Ecken, das Klima ist nicht unbedingt das schlechteste auf der Welt, und die soziale Sicherung ist nicht nur übel. Immerhin entscheiden sich jährlich 800 000 Menschen aus der ganzen Welt dafür, hier leben zu wollen. So viele können doch nicht irren. Oder? (ka)