Let's dance
FrĂĽher war es der schlichte Dauerlauf. Dann kam Jogging, und heute pflegt man das Nordic Walking. Wen wunderts da, dass auch der gemeine Haushund nicht mehr einfach gassi gehen will? Dogdancing ist angesagt.
- Diane Sieger
Jeder, der sich im Fitnessstudio tummelt, regelmäßig durch den Wald joggt oder sich einer Mannschaftssportart hingibt, weiß, wie wichtig körperliche Bewegung ist und wie viel Spaß sie im Verein mit Gleichgesinnten macht. Warum sollte man nicht auch den geliebten Haustieren choreographierte Leibesübungen gönnen?
Da sind zum Beispiel die Kaninchen - possierliche Tierchen, die entgegen landläufiger Meinung weder langweilig sind, noch den ganzen Tag faul in ihrem Käfig sitzen und nichts anderes tun als Möhren futtern und sich im Stroh wälzen. Diese auf den ersten Blick phlegmatisch erscheinenden Vierbeiner haben vielmehr sogar ihre eigene Sportart. Im skandinavischen Raum ist der Kaninhop bereits seit Jahren populär, und allmählich schwappt die Welle der Begeisterung nach Deutschland über. Beim Kaninhop handelt es sich um eine Art Hindernislauf, den das Tier gemeinsam mit seinem Herrchen bewältigt. Ein Einstieg für den Laien findet sich im Internetangebot des Fernsehsenders 3Sat.
Da das Training Ăśbungshindernisse verlangt, gibt es online sowohl kommerzielle Anbieter von FertighĂĽrden, als auch Bauanleitungen fĂĽr handwerklich geschickte Menschen, die ihre Kaninhop-Barrieren lieber selbst gestalten.
Wer sich noch immer nicht vorstellen kann, wie diese Sportart funktioniert, findet weitere Aufklärung bei dänischen Fans. Unter anderem beweist hier ein kurzes Video, dass mancher der tierischen Athleten deutlich fitter ist als sein Herrchen (zu finden unter dem Menüpunkt „Rabbit hopping“ nach dem Umschalten auf die englische Sprache). Kaninchenzüchter oder -liebhaber, die jetzt das dringende Bedürfnis verspüren, sich mit aktiven Kaninhoppern oder besser gesagt deren Besitzern auszutauschen, können dies im Kaninhopforum tun.
Fang den Pointer
Doch nun zu des Deutschen liebsten Haustier; 7,5 Millionen Stubentiger schnurren sich bundesweit in die Herzen ihrer Besitzer. Um die sportliche Betätigung derjenigen, die sich zeitweise auch draußen aufhalten, muss sich wohl niemand Sorgen machen, denn die geschickten Jäger sprinten Mäusen und Vögeln hinterher und bekommen so genug Bewegung. Aber wie unterhält man die Samtpfoten innerhalb der eigenen vier Wände? Eine echte „Sportart“ für Katzen scheint es nicht zu geben, deshalb sei hier ein Auge auf die kleineren Spielereien geworfen, auf die so manche Mimi abfährt.
Ein Möglichkeit, den eigenen Liebling in Bewegung zu bringen, ist der Einsatz eines Laserpointers. So schildern Katzenfreunde ihre Erfahrungen mit schnellen Dachhasen, die sich der aussichtslosen Jagd auf den leuchtend roten Punkt hingegeben haben. Aber vorsicht, nicht in die Augen leuchten. Eine genaue Anleitung, welche Pointer empfehlenswert sind, gibt das Institute of Laser Medicine der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
Wer seiner Mieze lieber ein selbstgebasteltes Wurfspielzeug präsentieren möchte, sollte sich zumindest auf professonelle Weise an dessen Herstellung machen. Eine gute Anleitung für ein solches Gerät findet sich unter beagleton.com/cat/. Neben der Erklärung, warum das Spielzeug einen Shock Absorber enthalten sollte und wie man den bastelt, liefert der Site Hinweise und Empfehlungen für das Objekt am Ende der Schnur sowie den Rat, nur ein bestimmtes Material für die Strippe zu verwenden. Beherzigt man alle Tipps, sollte man schon bald in der Lage sein, das optimale Wurfgerät zu entwickeln.
Wieviel einfacher ist es da, seinen Hund zu beschäftigen. Eine Variante, die nicht nur Bello, sondern auch Herrchen und Frauchen Spaß bereitet, ist das Hunde-Frisbee, im Fachjargon Disc Dog genannt. Wie beim Spiel mit einem menschlichen Partner wirft der Hundebesitzer die Frisbeeschreibe in die Luft, und der Vierbeiner hechtet hinterher. Mit dem einfachen Fangen ist es hier jedoch nicht getan, denn auch für dieses Spiel gibt es Regeln. Der genaue Wortlaut der in Deutschland gültigen ist bei der German Disc Dog Assosiation, dem Dachverband der Disc-Dog-Vereine, nachzulesen. Zusätzlich finden sich hier die Ergebnisse großer Turniere, für alle, die gern wissen möchten, welchen Platz Puppy, Johnny und Scotch beim letzten Cup belegt haben. Und schließlich kann man sich mit Hilfe kleiner Videosequenzen davon überzeugen, wie sportlich Hunde-Frisbee tatsächlich ist.
Für alle Zweibeiner, die weder Zeit noch Lust auf Scheibenwerfen auf der großen grünen Wiese haben, bietet sich ein Hundesport an, der auch auf kleineren Flächen trainiert werden kann: Dogdancing. Ein kurze Erklärung zu dieser Disziplin liefert Nicole Weber auf ihrer Homepage unter dem gleichnamigen Stichwort. Außerdem erklärt sie viele der Übungen und gibt Tipps zum Aufbau einer stimmigen Choreographie. Die Hunde scheinen Spaß an der Sache zu haben, denn in dem 25-seitigen PDF-Fotoalbum schaut keiner der Fiffis gequält aus der Wäsche, sondern alle machen einen interessierten und aufmerksamen Eindruck. Das Album stammt aus dem Dogdancing-Angebot einer Schweizerin. In dem Alpenland ist diese Disziplin nicht nur weiter entwickelt als in Deutschland, es gibt dort auch ein festes Reglement, und die Schweizer richten sogar internationale Turniere aus.
Dass Papageien lernfähig sind, lässt sich allein aus ihrer Sprachbegabung ableiten. Was sie noch alles erlernen können, zeigen die Bilder auf Parrot Bills Homepage. Ob Radfahren, Bowling, Basketball oder Hütchenspiel, Bills Papageien können alles und werden nicht müde, ihre Kunststücke vorzuführen. Nur leider präsentiert Bill seine gefiederten Freunde in Shows und bleibt deshalb seine Lehrmethoden schuldig. Da hilft es nur, sich eigene Gedanken dazu zu machen, wie man den Vogel entertaint.
Zu guter Letzt ein Abstecher in die Kategorie Nutztiere. Wer zufällig ein paar Ziegen sein Eigen nennt, sollte überlegen, ob er nicht einen Computer im Stall aufbauen möchte. In Lernversuchen der Ziegenschule des Forschungsinstituts für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere haben afrikanische Zwergziegen bewiesen, dass sie sowohl lernfähig als auch -willig sind. Der Hessische Rundfunk hat das für Nichtwissenschaftler unter zusammengefasst. Einen Blick in den Lernstall erhascht man direkt beim Forschungsinstitut für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere . Traut sich da wirklich noch jemand, „dumme Ziege“ als Schimpfwort zu benutzen? (ka)